Nach dem umkämpften Landesparteitag der AfD in Marl verzichtet die Bundespartei auf kurzfristige harte Eingriffe in den NRW-Landesverband und setzt stattdessen eine Untersuchungskommission ein, die Finanzen, Mitgliederaufnahmen und mögliche Ordnungsverfahren prüfen soll.
Der AfD-Bundesvorstand hat im Machtkampf mit dem nordrhein-westfälischen Landeschef Martin Vincentz auf kurzfristige drastische Schritte verzichtet. Wie der WDR aus AfD-Kreisen erfuhr, beschloss die Spitze in einer Schaltkonferenz lediglich die Prüfung möglicher Ordnungsmaßnahmen gegen Mitglieder des Landesverbands und die Einsetzung einer Untersuchungskommission. Diese soll nach dpa-Informationen so ausgestattet werden, dass sie auch mit Hilfe von Wirtschaftsprüfern die Finanzen des NRW-Landesverbands und die Aufnahmepraxis neuer Mitglieder genauer unter die Lupe nehmen kann.
Hintergrund des Machtkampfs
Hintergrund des Konflikts ist ein chaotisch verlaufener Landesparteitag in Marl, auf dem die Reihenfolge der Kandidaten für die kommende Landtagswahl 2027 in Nordrhein-Westfalen festgelegt werden sollte. Der NRW-Landesverband ist seit langem in ein eher gemäßigt auftretendes Lager rund um Landeschef Vincentz und ein weiter rechts stehendes Lager um den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich gespalten. Umfragen zufolge könnten mindestens die ersten 30 Plätze für ein Landtagsmandat nach der Landtagswahl 2027 reichen, umso höher ist der Kampf um die Listenplätze.
