1860 München verliert Lizenz: Zwangsabstieg in die | finanz360
1860 München verliert Drittliga-Lizenz: Erneuter Absturz nach Ismaiks blockierter Finanzierung
München, 4. Juni 2026
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Kurzfassung
Dem TSV 1860 München wird wegen einer fehlenden Finanzierungszusage des Investors Hasan Ismaik die Drittliga-Lizenz entzogen, der Klub muss in die Regionalliga Bayern. Sollte der DFB den Zwangsabstieg bestätigen, würde der sportliche Absteiger TSV Havelse nachrücken.
Dem TSV 1860 München ist die Lizenz für die 3. Liga entzogen worden, weil der Investor Hasan Ismaik eine notwendige Finanzierungszusage nicht erfüllt hat; der Traditionsklub muss damit in die Regionalliga Bayern.
Hintergrund: Fehlender Liquiditätsnachweis
Der TSV 1860 München steht vor einem erneuten sportlichen und wirtschaftlichen Tiefpunkt. Wie der Verein am Donnerstag mitteilte, konnte der nötige Liquiditätsnachweis beim Deutschen Fußball-Bund nicht erbringen werden. Ursache sei eine nicht erfüllte Finanzierungszusage des Investors Hasan Ismaik und mit ihm verbundener Firmen. Damit fehlt dem Klub die wirtschaftliche Grundlage, um in der dritten Liga anzutreten. Nach bisheriger Lesart ist der Gang in die Regionalliga Bayern unausweichlich.
Berichten zufolge habe Ismaik Darlehensvereinbarungen, die für die Erteilung der Lizenz erforderlich gewesen wären, erneut zurückgezogen und dem Mutterverein eine Liste von Forderungen präsentiert. Eine Einigung kam nicht zustande. Der aus Jordanien stammende Ismaik hatte bereits 2017, nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga, eine Zahlung von rund zehn Millionen Euro verweigert, die für eine Drittliga-Lizenz nötig gewesen wäre. Damals wie heute endete der Konflikt in einem Lizenzentzug.
Reaktionen aus dem Verein
Manfred Paula äußerte sich bestürzt: „Ich bedauere die Nichteinhaltung der Finanzierungszusage durch den Gesellschafter HAM International. Bis zuletzt war ich fest davon überzeugt, dass eine Lösung im Interesse der Profifußball-Gesellschaft gefunden werden kann. Dieser Wunsch hat sich leider nicht erfüllt.“ Er kündigte zugleich an, die Weichen für die Zukunft zu stellen: „Wir werden nun all unsere Energie darauf verwenden, einen schlagkräftigen Kader für die kommende Saison in der Regionalliga Bayern aufzustellen.“
Die Geschäftsführung der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA teilte weiter mit, „eng mit erfahrenen Sachverständigen und Beratern aus den Bereichen Insolvenzrecht“ zusammenzuarbeiten. Man wolle „den Geschäftsbetrieb unter Wahrung der Rechte und Interessen der Gesellschaft geordnet aufrechtzuerhalten und gemeinsam mit unseren Sponsoringpartnern eine tragfähige Perspektive für die Zukunft zu entwickeln“. Ein Sprecher des Vereins erklärte, man werde sich „zu gegebenem Zeitpunkt“ äußern.
Widersprüchliche Signale von Ismaik
Ismaik selbst meldete sich unterdessen mit widersprüchlichen Signalen zu Wort. Der Süddeutschen Zeitung zufolge schrieb er per WhatsApp „Sad day“. Gegenüber derselben Zeitung erklärte er zugleich: „Ich denke, wir bleiben in der dritten Liga, und jeder arbeitet besonders hart, um in der dritten Liga zu bleiben.“ Außerdem hoffe er nicht, „dass die 'Löwen' wieder in die Viertklassigkeit müssten“. Diese Äußerungen stehen im klaren Widerspruch zu der von seinem Unternehmen verweigerten Finanzierung.
In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Streit zwischen dem Verein und Ismaik um Geld, Macht und Einfluss gegeben. Wiederholt hatte der Investor die in Deutschland geltende 50+1-Regel kritisiert, die verhindert, dass ein einzelner Geldgeber die Stimmenmehrheit in einem börsennotierten Fußballverein hält. Die jüngste Eskalation reiht sich in eine lange Liste von Konflikten ein, die den Verein seit Jahren lähmen.
DFB und offene Entscheidung
Auf der Grünwalder Straße 114, der Geschäftsstelle der Löwen, versammelten sich am Tag der Nachricht Fans im Regen, besorgt um die Zukunft ihres Klubs. Von der Vereinsführung war zunächst niemand vor Ort. Der DFB wollte sich zum jetzigen Zeitpunkt des Lizenzverfahrens nicht zu einzelnen Vereinen äußern. Eine endgültige Entscheidung über den Fall 1860 steht noch aus.
Auswirkungen auf Havelse und Aue
Sollte der DFB den Zwangsabstieg bestätigen, würde der TSV Havelse, der die Saison auf Platz 17 beendet hatte und sportlich abgestiegen war, als erster nachrücken. Allerdings zögert der Verein aus Hannover Berichten zufolge, das Drittliga-Spielrecht wahrzunehmen, unter anderem wegen Sorgen um die eigene Stadion-Infrastruktur und die finanziellen Belastungen der Liga. Havelse trägt seine Heimspiele derzeit im Eilenriedestadion aus.
In der Schwebe befindet sich auch der Erzgebirge Aue. Der Verein aus dem sächsischen Aue war mit einem Punkt Rückstand auf Havelse auf Platz 18 gelandet und wäre damit als erster in der Vereinsgeschichte in die Viertklassigkeit abgestiegen. Lars Töffling sagte jedoch: „Wir haben die Lizenz für die 3. Liga ja erhalten, aber jetzt ist erstmal Havelse am Zug, um zu klären, ob sie das Spielrecht wahrnehmen wollen. Wir sitzen also in der Warteschleife.“
Nach Angaben des Klubs fehlten Berichten zufolge rund 2,7 Millionen Euro, um die Anforderungen des DFB zu erfüllen. Diese Summe steht in keinem Verhältnis zu den Millionenbeträgen, die in der dritten Liga regelmäßig fließen, macht aber die Abhängigkeit des Vereins von einem einzigen Investor deutlich. Beobachter werten die neuerliche Entwicklung als vorläufigen Tiefpunkt einer seit Jahren schwelenden Krise.
Die Lage bei 1860 München hatte sich in den vergangenen Tagen zugespitzt, als Ismaik öffentlich Druck auf den Mutterverein ausübte. Mit dem Zurückziehen der Darlehen entzog er der Profiabteilung faktisch die finanzielle Grundlage. Gleichzeitig hielt er sich mit kryptischen Botschaften an die Öffentlichkeit, die teils Hoffnung, teils Resignation ausdrückten. „Sad day“ – diese zwei Worte brachten die Stimmung vieler Anhänger auf den Punkt.
Ausblick: Neuanfang in der Regionalliga?
Sollte 1860 tatsächlich in der Regionalliga Bayern antreten müssen, wäre der Verein dort in eine wenig glamouröse Spielklasse zurückgeworfen, die er sportlich vor allem mit Nachwuchsförderung und regionaler Verwurzelung verbindet. Die finanziellen Folgen des erneuten Lizenzverlusts dürften erheblich sein: geringere TV-Einnahmen, sinkende Zuschauerzahlen und ein weiterer Attraktivitätsverlust für Sponsoren. Wie genau der Verein die kommenden Jahre gestalten will, ist derzeit offen.
Die Vereinsführung versucht, die Wogen zu glätten und betont die eigene Handlungsfähigkeit. Mit dem Verweis auf Insolvenzrechtsexperten und Berater signalisiert sie, dass man sich auf mögliche juristische Auseinandersetzungen vorbereitet. Zugleich wirbt sie um Geduld und ruft die Fans zur Geschlossenheit auf. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Löwen in der vierten Liga einen Neuanfang schaffen können oder ob die Krise den Verein noch tiefer in den Abgrund reißt.
Fest steht, dass die Episode das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen dem Klub und seinem Hauptinvesteur weiter beschädigt hat. Ismaiks wiederholtes Lavieren zwischen Drohungen, Rückzugsmanövern und beschwichtigenden Worten hat das Vertrauen vieler Anhänger endgültig erschüttert. Die Anhänger auf der Grünwalder Straße formulierten es knapp: Sie fürchten um die Identität ihres Vereins. Der TSV 1860 München, einstiger deutscher Meister und DFB-Pokalsieger, kämpft einmal mehr um seine sportliche und wirtschaftliche Existenz.
Fragen & Antworten
Warum verliert der TSV 1860 München die Drittliga-Lizenz?
Der Verein konnte den vom DFB geforderten Liquiditätsnachweis nicht erbringen, weil Investor Hasan Ismaik und seine Firmen eine erforderliche Finanzierungszusage nicht einhielten. Berichten zufolge fehlten rund 2,7 Millionen Euro.
Wer ist Hasan Ismaik und welche Rolle spielt er bei 1860?
Hasan Ismaik ist ein jordanischer Investor, der über die Firma HAM International an der Profiabteilung des TSV 1860 München beteiligt ist und seit Jahren für Konflikte um Geld, Macht und Einfluss sorgt. Er hatte bereits 2017 eine notwendige Zahlung von etwa zehn Millionen Euro verweigert.
Was passiert mit dem TSV Havelse und Erzgebirge Aue?
Sollte der DFB den Zwangsabstieg der Löwen bestätigen, würde der sportliche Absteiger TSV Havelse nachrücken, zögert aber Berichten zufolge aus wirtschaftlichen und infrastrukturellen Gründen. Erzgebirge Aue, das sportlich auf Platz 18 gelandet war, wartet ebenfalls ab.