Am Mittwochmorgen gegen 7:45 Uhr fuhr eine 47-jährige Autofahrerin in Dinslaken in eine Gruppe von drei zwölfjährigen Jungen, die mit ihren Fahrrädern auf dem Weg zur Schule waren.

Zwei der Jungen erlagen später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Ein dritter Zwölfjähriger erlitt nach Polizeiangaben leichte Verletzungen und musste nicht stationär behandelt werden. Die Fahrerin wurde bei dem Unfall schwer verletzt.

Nach dem Zusammenstoß mit den Kindern wurde das Auto der Frau in drei geparkte Fahrzeuge geschleudert und verursachte an diesen erheblichen Sachschaden. Die erste Meldung über den Unfall ging von einem Polizeibeamten ein, der an der Kreuzung den Verkehr regelte.

Internistischer Notfall als mögliche Ursache

Nach dpa-Informationen könnte ein internistischer Notfall Ursache für den Verkehrsunfall mit zwei toten Schulkindern gewesen sein. Ermittler gehen davon aus, dass die Fahrerin zum Unfallzeitpunkt einen 16-sekündigen Herzstillstand erlitt. Diese Erkenntnis stammt aus der Auswertung eines der Frau implantierten Event-Recorders, der die Herzaktivität kontinuierlich überwacht.

Die Frau hatte bereits im Mai des Vorjahres einen Unfall verursacht, nachdem sie am Steuer plötzlich ohnmächtig geworden war. In der Folge wurde ihr das Gerät eingesetzt. Die Fahrerlaubnisbehörde des Kreises Wesel erklärte, dass die Frau ohne Einschränkungen fahren durfte.

Ein Sprecher der Behörde sagte: "Nach eingehender und abschließender Auswertung der erforderlichen medizinischen Unterlagen bestand keine rechtliche Grundlage zum Entzug der Fahrerlaubnis oder zur Erteilung von Auflagen."

Ermittlungen und Reaktionen

Die Staatsanwaltschaft Duisburg, die sich in die Ermittlungen eingeschaltet hat, wollte sich am Freitag nicht zur Frage des Herzstillstands äußern. Gegen die Fahrerin wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Nach derzeitigem Stand deutet nichts auf eine vorsätzliche Tat hin.

Die drei Jungen waren Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums in Dinslaken. Die betroffene weiterführende Schule wird nach Angaben von Bürgermeister Simon Panke (SPD) unter anderem durch verstärkte Schulsozialarbeit, schulpsychologische Betreuung und Seelsorge begleitet.

NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) erklärte: "Wir werden die Schulen mit allem unterstützen, was uns möglich ist. Schulpsychologinnen und Schulpsychologen seien an den Schulen im Einsatz."

Unterstützung für Betroffene und Zeugen

Auch Augenzeugen, die den Unfall von einem Kiosk in der Nähe der Unfallstelle aus beobachtet hatten, erhalten psychologische Betreuung. Bürgermeister Panke teilte mit, dass sich Beobachter des Unfalls, die seelsorgerische Unterstützung benötigen, bei der Feuerwehr melden können.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) drückte sein Mitgefühl aus: "Das sind furchtbare Nachrichten aus Dinslaken. Zwei Kinder sind auf dem Weg zur Schule aus dem Leben gerissen worden. Nach unseren jetzigen Informationen durch einen tragischen Unfall. Für die Familien ist von einer Sekunde auf die andere nichts mehr, wie es war. Ihnen gilt mein tiefes Mitgefühl."

Bürgermeister Panke kondolierte den betroffenen Familien über Facebook: "Für sie ist das Schlimmste eingetreten, was überhaupt passieren kann."

Ein spezialisiertes Unfallaufnahmeteam untersuchte die Unfallstelle. Die Fahrerin konnte am Mittwochmorgen noch nicht befragt werden, sodass der genaue Unfallhergang zunächst unklar blieb.