Zwei Bombenexplosionen in Damaskus während Macrons Syrien-Besuch
Damaskus, 07. Juli 2026
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Kurzfassung
Während des historischen Besuchs des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Syrien sind in der Nähe des Hotels, in dem er übernachtet hatte, zwei Bomben explodiert. Macron befand sich zum Zeitpunkt der Detonationen bereits im Präsidentenpalast bei Gesprächen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa und blieb nach Angaben des Élysée-Palastes unverletzt.
In der Nähe des Hotels in Damaskus, in dem der französische Präsident Emmanuel Macron während seines Syrien-Besuchs übernachtet hatte, sind am Dienstag zwei Bomben explodiert, während Macron bereits im Präsidentenpalast mit Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa zusammentraf.
Erster westeuropäischer Besuch seit Jahren
Macron war am späten Montagabend mit einer Wirtschaftsdelegation in Syrien eingetroffen und ist damit der erste Staatschef eines westeuropäischen Landes, der das Land seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Bashar al-Assad im Dezember 2024 besucht. „Er ist der erste westeuropäische Staatschef, der Syrien seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Bashar al-Assad im Dezember 2024 besucht“, berichteten Nachrichtenagenturen. Vor Macrons jetzigem Besuch hatte zuletzt 2009 mit Nicolas Sarkozy ein französischer Präsident Syrien besucht.
Nach einem Arbeitsessen besichtigten Macron und al-Scharaa am Montagabend die berühmte Umayyaden-Moschee in Damaskus. Nach seiner Ankunft traf Macron am Dienstag zudem Mitglieder der syrischen Zivilgesellschaft, bevor er den Präsidentenpalast betrat. Bei seinem Besuch wollte Macron laut dem Élysée-Palast auch eine Reihe von Kunstschätzen an Syrien zurückgeben. Es handle sich um 23 archäologische Objekte, die 2010 dem Institut du monde arabe in Paris geliehen worden und wegen des syrischen Bürgerkriegs nicht zurückgebracht worden seien.
Explosionen nahe dem Four Seasons Hotel
In der Nähe des Hotels in Syriens Hauptstadt Damaskus, in dem der französische Präsident Emmanuel Macron während seines Besuchs die Nacht verbracht hat, sind am Dienstag laut syrischen Sicherheitskreisen zwei Bomben explodiert. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, war zunächst eine Explosion zu hören. Wenige Sekunden später sei in der Nähe des Hotels, in dem Macron nach Angaben der Beobachtungsstelle untergebracht ist, eine zweite, stärkere Detonation zu hören gewesen.
Reporter der Nachrichtenagentur AFP hörten die Explosionen und sahen Rauch über dem Viertel aufsteigen. Krankenwagen fuhren zum Ort des Geschehens, während Sicherheitskräfte mehrere Zufahrten zu dem Gebiet absperrten. Eine sei in einem Müllcontainer platziert worden, die andere in einem Fahrzeug, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP. Demnach explodierten die Sprengkörper in der Nähe des Four Seasons Hotels, unweit des Hauptsitzes des Tourismusministeriums und des Nationalmuseums von Damaskus.
Macron im Präsidentenpalast – Elysée bestätigt sein Wohlergehen
Macron befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits im syrischen Präsidentenpalast und führte ein Gespräch mit Interimspräsident Ahmed al-Sharaa. Der Elysée-Palast bestätigte, dass der französische Präsident sicher und wohlauf sei. Auch das Präsidialamt erklärte, Macron habe die Detonationen nicht gehört. Sein Treffen mit al-Sharaa dauere an, hieß es aus Paris. Macron werde seinen Besuch in Syrien fortsetzen, teilte das französische Präsidialamt mit.
Nach Angaben der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA wurden bei den Explosionen 18 Menschen verletzt, darunter vier Polizeibeamte. In sozialen Medien kursierende Aufnahmen zeigten einen brennenden Transporter und ein brennendes Motorrad sowie Blutflecken auf der Straße. Eine Ermittlung am Tatort wurde aufgenommen. Der Hintergrund der Explosionen in Damaskus blieb zunächst unklar. Niemand bekannte sich bislang zu der Tat.
Geheime Anreise und Ziele des Besuchs
Die syrischen Behörden hatten am Sonntag einen Besuch Macrons angekündigt, ohne jedoch ein Datum zu nennen. Aus Sicherheitsgründen nannte das französische Präsidialamt auch keine näheren Details zu den Programmpunkten des Besuchs. Die Reise Macrons erfolgt kurz nach seiner Ankündigung, mit Sharaa mehrere Absichtserklärungen zu unterzeichnen. Zudem ist ein Wirtschaftsforum Teil der Agenda, bei dem es um mögliche Investitionen und den Wiederaufbau Syriens nach dem 14-jährigen Bürgerkrieg gehen soll.
Macron selbst schrieb auf dem Onlinedienst X, das Ziel sei die Unterstützung „für ein souveränes Syrien, das in seiner Vielfalt vereint ist und mit seinen Nachbarn in Frieden lebt“. Er sprach zudem von einem „neuen Kapitel der Stabilität und des Friedens“. In einem Statement des Élysée-Palastes hieß es, Macron wolle sich für ein „freies, pluralistisches Syrien, das alle seine Bevölkerungsgruppen respektiert“ einsetzen, für ein Land, das eine „moderierende Rolle in den Spannungen im Nahen Osten“ spielt.
Frankreichs Engagement für das syrische Volk zu bekräftigen, nannte Macron als Hauptanliegen der Reise. Es komme für Paris „nicht in Frage“, dass in Syrien „eine Alleinherrschaft an die Stelle einer anderen Alleinherrschaft tritt“, hatte der Élysée-Palast mit Blick auf die neue islamistische Führung betont. Macron habe eine wichtige Rolle dabei gespielt, Europa und die Vereinigten Staaten dazu zu bewegen, die meisten Sanktionen gegen Syrien aufzuheben.
Syrische Reaktion und Gewalt in der Region
Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA bezeichnete den Besuch als „historischen Besuch“ und einen „entscheidenden Meilenstein für die Wiederherstellung der internationalen Präsenz Syriens“. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern gingen dadurch in eine „neue Phase“ über, die „auf gegenseitigem Respekt und einer ausgeglichenen Partnerschaft“ beruhe.
Wenige Tage vor Macrons Ankunft war am Donnerstag zuvor bei einem Bombenanschlag in einem Café nahe dem Justizpalast in Damaskus nach Behördenangaben mindestens ein Mensch getötet und mehr als 20 weitere verletzt worden. Auch zu dieser Tat bekannte sich zunächst niemand. Seit dem Sturz Assads durch islamistische Milizen im Dezember 2024 hat es in Damaskus mehrere Anschläge gegeben. Seither kam es in Syrien jedoch immer wieder zu Gewalt insbesondere gegen die Volksgruppen Alawiten, Drusen und Christen. Der syrische Konflikt hat laut Schätzungen nahezu eine halbe Million Menschen das Leben gekostet und Millionen weitere vertrieben.
Die Hauptstadt Damaskus war in dem turbulenten Zeitraum seit dem Machtantritt von al-Scharaa weitgehend ruhig geblieben. Die neue syrische Führung unter dem ehemaligen Rebellenkommandeur, der früher die al-Qaida-nahe Gruppe Hayat Tahrir al-Sham angeführt hatte, hat Reformen versprochen und sucht gezielt die Nähe zu westlichen Staaten und Ländern des Nahen Ostens, um den Wiederaufbau nach 13 Jahren Bürgerkrieg voranzutreiben. Die Infrastruktur Syriens liegt in Trümmern; das Land benötigt noch Hunderte Milliarden Dollar, um zu neuem Wohlstand zu gelangen.
Weiterreise zum NATO-Gipfel nach Ankara
Im Mai 2025 hatte Macron den syrischen Präsidenten Sharaa als erster westlicher Staatschef zu einem Besuch in Paris empfangen. Nach dem Abschluss seines Syrien-Besuchs wollte Macron am Dienstag in die türkische Hauptstadt Ankara weiterreisen, um dort an einem NATO-Gipfel teilzunehmen. Am Dienstag soll es demnach ein offizielles Treffen Macrons mit Sharaa und eine gemeinsame Pressekonferenz geben.
Andere Staaten und Unternehmen haben in den vergangenen Monaten ebenfalls große Investitionszusagen an Syrien gegeben. Bei Macrons Visite stehen nach Angaben des Élysée-Palastes Treffen mit zivilgesellschaftlichen Akteuren auf dem Programm, ebenso wie Gespräche über den Wiederaufbau und mögliche Investitionen in dem schwer gezeichneten Land.
Fragen & Antworten
Was genau ist in Damaskus passiert?
In der Nähe des Hotels in Damaskus, in dem der französische Präsident Emmanuel Macron übernachtet hatte, sind am Dienstag zwei Bomben explodiert – eine in einem Müllcontainer, die andere in einem Fahrzeug. Nach offiziellen Angaben wurden dabei 18 Menschen verletzt.
War der Anschlag gegen Macron gerichtet?
Der Hintergrund der Explosionen ist nach Angaben der Behörden noch unklar. Macron hielt sich zum Zeitpunkt der Detonationen bereits im Präsidentenpalast auf und blieb nach Angaben des Élysée-Palastes unverletzt; bislang hat sich niemand zu der Tat bekannt.
Welche Bedeutung hat Macrons Besuch in Syrien?
Macron ist der erste westeuropäische Staatschef, der Syrien seit dem Sturz von Bashar al-Assad im Dezember 2024 besucht. Bei der Visite geht es unter anderem um wirtschaftliche Zusammenarbeit, Investitionen in den Wiederaufbau und die Rückgabe von 23 archäologischen Objekten.
Bomben in Damaskus: Explosionen bei Macrons Syrien-Besuch | finanz360