AI-generated image (flux-2/pro-text-to-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Im Hafen von Wilhelmshaven hat der deutsche Zoll mehr als acht Tonnen Kokain im geschätzten Straßenverkaufswert von rund 500 Millionen Euro sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft Aurich und die Generalzolldirektion in Köln gaben den Fund am Mittwoch bekannt, der bereits am 9. Februar gemacht, aber aus ermittlungstaktischen Gründen geheim gehalten worden war.
Wilhelmshaven, 03 Juni 2026
Im Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven hat der deutsche Zoll mehr als acht Tonnen Kokain mit einem geschätzten Straßenverkaufswert von rund 500 Millionen Euro sichergestellt; die Staatsanwaltschaft Aurich und die Generalzolldirektion in Köln gaben den Fund am Mittwoch bekannt.
Ablauf der Kontrolle im Jade-Weser-Port
Bei dem Fund handelt es sich nach Angaben der Ermittler um eine der größten Kokain-Sicherstellungen der vergangenen Jahre in Deutschland. Wie die Staatsanwaltschaft Aurich und die Generalzolldirektion in Köln am Mittwoch gemeinsam mitteilten, entdeckten Beamte des Hauptzollamtes Oldenburg die Drogen bei einer Röntgenkontrolle eines Seefrachtcontainers im Jade-Weser-Port. Bei der Überprüfung waren demnach Unregelmäßigkeiten aufgefallen, woraufhin die Kontrolleure den Container öffneten.
Im Inneren fanden die Zöllner demnach über 400 mit schwarzer Folie umwickelte Pakete, von denen jedes laut den Angaben rund 20 hartgepresste Kokainblöcke enthielt. Die Gesamtwucht des Fundes summierte sich auf mehr als acht Tonnen. Der geschätzte Straßenverkaufswert der sichergestellten Droge beläuft sich nach den Angaben der Behörden auf rund 500 Millionen Euro.
Die Sicherstellung war den Angaben zufolge bereits am 9. Februar erfolgt, blieb jedoch aus ermittlungstaktischen Gründen bis zur Bekanntgabe am Mittwoch geheim. So sollte offenbar verhindert werden, dass Hinterleute der Schmuggler auf den Verlust ihrer Fracht aufmerksam wurden und Spuren verwischten. Auch die Veröffentlichung weiterer Details wurde mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen zunächst zurückgehalten.
Geheimhaltung und Vernichtung der Drogen
Wie sich später herausstellte, hatten die Täter die Pakete mit GPS-Sendern ausgestattet, um den Standort der Fracht jederzeit überwachen zu können. Die Drogen wurden nach Angaben der Behörden in Deutschland unter strengen Sicherheitsvorkehrungen vernichtet, um einen gewaltsamen Rückholversuch durch Kriminelle zu verhindern.
Der Container war nach den Frachtpapieren als Lieferung mit Kakaobohnen deklariert und sollte nach Spanien gehen. Er stammte den Angaben zufolge aus Westafrika. Die Kontrolleinheit des Hauptzollamtes Oldenburg hatte den Container bei der Röntgenuntersuchung auffällig befunden und anschließend geöffnet.
Politische Reaktionen und Gesetzesvorhaben
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) würdigte den Erfolg der Fahnder: "Acht Tonnen Kokain in einem einzigen Aufgriff – das ist ein harter Schlag gegen den internationalen Drogenhandel". Er kündigte zugleich an, dass er dem Kabinett in Kürze den Entwurf eines Zollfinanzgerechtigkeitsgesetzes vorlegen werde. Das Gesetz solle dem Zoll neue technische und rechtliche Instrumente im Kampf gegen die organisierte Kriminalität an die Hand geben.
Festnahmen in Spanien
Mitte Mai wurden nach Angaben der Ermittler in der spanischen Provinz Almería zwei mutmaßliche Drahtzieher festgenommen. Die Festnahmen erfolgten den Angaben zufolge bei einem inszenierten Übergabeversuch des Containers durch spanische Behörden. Bei einem der beiden Beschuldigten handelt es sich nach den Angaben um den Geschäftsführer einer Importfirma. Die Ermittlungen gegen das Netzwerk dauern an; sie könnten sich nach Einschätzung der Behörden über Monate und Jahre hinziehen.
Verschiebung der Schmuggelrouten
Die Generalzolldirektion hatte im vergangenen Jahr auf eine Verschiebung der Schmuggelrouten hingewiesen. Nach den Worten des Hamburger Zollchefs René Gärtner sei eine Ausweichbewegung hin zu kleineren und mittleren Seehäfen zu beobachten. In den Häfen Hamburg und Bremerhaven waren nach dieser Bilanz in den Jahren 2024 und 2025 deutlich geringere Mengen Kokain als in früheren Zeiträumen sichergestellt worden, während kleinere Häfen stärker in den Fokus gerieten.
Vor wenigen Wochen war bereits ein Frachtschiff von der spanischen Polizei aufgebracht worden, auf dem mehr als 30 Tonnen Kokain sichergestellt wurden. Die Behörden sehen den aktuellen Fund in Wilhelmshaven vor diesem Hintergrund als Hinweis darauf, dass Deutschland und Europa insgesamt verstärkt im Fokus des internationalen Drogenschmuggels stehen.
Die Vernichtung der sichergestellten acht Tonnen Kokain erfolgte nach den Angaben der Behörden unter strengen Sicherheitsvorkehrungen, weil die Kriminellen über die in den Paketen versteckten GPS-Sender den Standort der Fracht jederzeit verfolgen konnten. Damit sollte ein gewaltsamer Rückholversuch verhindert werden, wie es von Seiten der Ermittler hieß.
Das Zollfahndungsamt verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, die Drahtzieher und Verantwortlichen zu ermitteln, Täterstrukturen nachhaltig zu zerschlagen und inkriminiertes Vermögen den Tätern zu entziehen. Die laufenden Ermittlungen richten sich gegen ein internationales Schmugglernetzwerk, das den Container mit Kakaobohnen als Tarnung genutzt haben soll, um die Droge von Westafrika über deutsche und spanische Häfen in den europäischen Markt zu bringen.
Mit der geplanten Novelle des Zollfinanzgerechtigkeitsgesetzes will Bundesfinanzminister Klingbeil nach eigener Darstellung die rechtlichen Grundlagen für den Zoll modernisieren. Im Kern soll das Gesetz dem Zoll neue technische und rechtliche Instrumente an die Hand geben, um gegen die organisierte Kriminalität und den internationalen Drogenhandel vorgehen zu können.
Die Staatsanwaltschaft Aurich und die Generalzolldirektion in Köln betonten, dass die Sicherstellung ein wichtiger Erfolg im Kampf gegen den internationalen Drogenhandel sei. Sie verwiesen zugleich darauf, dass die Ermittlungen andauern und weitere Festnahmen nicht ausgeschlossen seien. Auch die Herkunft der Drogen aus Westafrika werde weiter untersucht.
Der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven gehört zu den größten Tiefseehäfen an der deutschen Nordseeküste und ist ein wichtiger Umschlagplatz für Containerfracht aus aller Welt. Die Behörden werten den jetzigen Fund als Beleg dafür, dass die Röntgenkontrollen der Kontrolleinheit des Hauptzollamtes Oldenburg ein wirksames Instrument zur Aufdeckung von Schmuggelversuchen sind.
Insgesamt zeigt der Fall aus Sicht der Ermittler, dass der Kokainschmuggel über europäische Seehäfen weiterhin ein ernstzunehmendes Problem darstellt. Die Behörden rechnen damit, dass künftig weitere ähnlich gelagerte Fälle ans Licht kommen könnten, und setzen dabei auf die Kombination aus technischer Kontrolle, internationaler Zusammenarbeit und neuen gesetzlichen Befugnissen für den Zoll.
Fragen & Antworten
Was hat der Zoll in Wilhelmshaven sichergestellt?
Der deutsche Zoll hat im Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven mehr als acht Tonnen Kokain mit einem geschätzten Straßenverkaufswert von rund 500 Millionen Euro sichergestellt.
Wann und wie wurde der Fund gemacht?
Die Sicherstellung erfolgte am 9. Februar 2026 durch die Kontrolleinheit des Hauptzollamtes Oldenburg, die bei einer Röntgenuntersuchung eines Seefrachtcontainers aus Westafrika Unregelmäßigkeiten feststellte und über 400 in schwarze Folie gewickelte Pakete entdeckte.
Was ist seit der Sicherstellung passiert?
Mitte Mai wurden in der spanischen Provinz Almería zwei mutmaßliche Drahtzieher festgenommen, einer davon ist Geschäftsführer einer Importfirma; das Kokain wurde in Deutschland unter strengen Sicherheitsvorkehrungen vernichtet.