Wien versiegelt Straßen mit nachgewiesenem Asbest im Asphalt – Stadt reagiert mit Sofortmaßnahmen
Wien, 25. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach dem Nachweis von Asbest in mehreren Straßenabschnitten versiegelt die Stadt Wien die betroffenen Bereiche mit einer neuen Deckschicht. Greenpeace hatte zuvor 40 Verdachtsflächen in elf Bezirken gemeldet; eigene Labortests der Stadt bestätigten die Funde.
Die Stadt Wien versiegelt mehrere Straßenabschnitte, in denen unabhängige Labore Asbest in Asphaltbelägen bestätigt haben, und hat ihre Kontrollen bei Straßenbauprojekten verschärft.
Befund und Sofortmaßnahmen
Die Stadt Wien hat nach dem Nachweis von Asbest in Straßenbelägen Sofortmaßnahmen angekündigt. Wie die Magistratsabteilung (MA) 28 für Straßenverwaltung und Straßenbau am Freitag per Aussendung mitteilte, werden die betroffenen Bereiche mit einer neuen Asphalt-Deckschicht versiegelt. Damit solle das Material dauerhaft eingeschlossen und eine Freisetzung von Fasern verhindert werden.
Betroffen sind derzeit die Rosenhügelstraße, die Anton-Freunschlag-Gasse, die Bertégasse, die Wernergasse und die Stieglergasse. Die Stadt arbeitet dabei eng mit Fachleuten und Greenpeace zusammen.
Greenpeace als Auslöser der Untersuchung
Anfang Juli hatte Greenpeace in mehreren Straßen Wiens in der Asphaltoberfläche Asbest-Einschlüsse festgestellt und diese Informationen der Stadt übergeben. Konkret sei der Verdacht in der Anton-Freunschlag-Gasse, Bertégasse, Wernergasse und Stieglergasse in Wien-Liesing sowie in der Rosenhügelstraße, die sich von Meidling über Hietzing bis nach Liesing zieht, bestätigt worden.
Insgesamt habe die Umweltorganisation 40 Verdachtsflächen in elf Wiener Bezirken weitergemeldet, teilte Greenpeace in einer Aussendung mit. Unabhängige Laboruntersuchungen hatten demnach Hinweise der Umwelt-NGO Greenpeace auf Asbestfunde in Straßenbelägen bestätigt.
Die Untersuchungen wurden nach Hinweisen auf auffällige Straßenbeläge veranlasst. Verdächtig sind weißlich-graue, faserige Einschlüsse oder Überzüge in Gestein, Schotter und Asphalt, oft in Verbindung mit grünlichem Serpentinit. Die ersten Laborergebnisse sind da: In einzelnen Straßenabschnitten in Wien wurde Asbest in verbautem Gesteinsmaterial festgestellt.
Warum die Versiegelung gewählt wurde
Die Stadt Wien betont, dass der Nachweis von asbesthaltigem Gestein nicht automatisch eine Gesundheitsgefahr bedeutet. Der Nachweis erlaube noch keine Aussage über eine konkrete Gesundheitsgefährdung, hieß es von der MA 28 weiter. Entscheidend sei, ob und in welchem Ausmaß Asbestfasern tatsächlich freigesetzt werden können.
Wolfgang Ablinger, stellvertretender Abteilungsleiter der MA 28, erklärte, die Versiegelung sei die schnellste, sicherste und wirksamste Methode, um rasch einen effektiven Schutz zu gewährleisten. Eine Versiegelung sei in kurzer Zeit umsetzbar, das asbesthaltige Material werde überdeckt und eingeschlossen, eine Freisetzung von Asbestfasern wirksam unterbunden.
Laut Experten gilt diese Methode als die schnellste und sicherste Lösung. Der Schutz wirkt sofort. Eine neue Deckschicht kann wesentlich rascher aufgebracht werden als die gesamte Straße aufzubrechen. Sie verhindert unmittelbar einen möglichen Kontakt mit Asbestfasern. Im Gegensatz zum oberflächlichen Versiegeln birgt das Fräsen, Aufgraben und Entfernen von Asphalt das Risiko, Asbestfasern freizusetzen.
Damit will Wien sicherstellen, dass mögliche Risiken rasch erkannt und konsequent beseitigt werden. Künftige Umbauten und Sanierungen sollen nach strengen Sicherheitsvorgaben erfolgen, um die Bevölkerung bestmöglich zu schützen. Aufgrabungen und Umbauarbeiten seien dann nur noch unter klar vorgegebenen Bedingungen möglich, die die Freisetzung von Asbestfasern in die Luft verhindern.
Verschärfte Kontrollen und Register
Bei aktuellen Bauvorhaben der MA 28 komme kein asbesthaltiges Gesteinsmaterial zum Einsatz; der Einbau derartiger Materialien könne ausgeschlossen werden. Bereits jetzt wurden die Kontrollen bei Straßenbauprojekten verschärft. Bei jedem Straßenbauprojekt der MA 28 mit Straßenaufbruch wird der vorhandene Straßenkörper im Zuge der Erstellung der Ausschreibungsunterlagen nun auf das Vorhandensein von Asbest untersucht.
Ungeachtet dessen habe die MA 28 ihre Kontrollmaßnahmen im Bereich der Materialprüfung sowie der Bauüberwachung umgehend verstärkt. Die vorsorglichen Maßnahmen sollen eine dauerhafte Bindung des asbesthaltigen Materials sicherstellen. Für alle bestätigten Fundstellen wird zudem ein eigenes Register erstellt.
Parallel dazu werden weitere gemeldete Flächen untersucht. Für weitere gemeldete auffällige Flächen wurden bereits Probenahmen und Laboruntersuchungen veranlasst. Die Ergebnisse lagen noch nicht vor. Die Stadt bleibt nach eigenen Angaben in engem Kontakt mit Greenpeace; alle Hinweise auf auffällige Flächen im öffentlichen Straßenraum Wiens würden systematisch geprüft und bewertet.
Hintergrund: Was Asbest so gefährlich macht
Die bekannten betroffenen Straßenabschnitte sind nach derzeitigem Kenntnisstand überwiegend kleinflächige Bereiche, die im Zuge von Aufgrabungen oder lokalen Sanierungsmaßnahmen in den Straßenbelag eingebaut wurden. Asbest ist eine natürliche Mineralfaser, die früher wegen ihrer Hitzebeständigkeit häufig in Baustoffen eingesetzt wurde – heute ist ihre Gesundheitsgefahr eindeutig belegt. Eingeatmete Asbestfasern können schwere Erkrankungen auslösen, darunter Lungen- und Brustfellkrebs; diese treten oft erst Jahrzehnte später auf.
Hans-Peter Hutter, Leiter der Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin an der Medizinischen Universität Wien, ordnete die Befunde fachlich ein. Aus umweltmedizinischer Sicht ist entscheidend, ob Asbestfasern tatsächlich freigesetzt und eingeatmet werden können. Wird asbesthaltiges Material fest in einer Asphaltoberfläche gebunden, ist das Risiko einer Faserfreisetzung grundsätzlich als sehr gering einzustufen. Dennoch sei aus Vorsorgegründen das Versiegeln mit einer neuen Deckschicht eine sinnvolle Maßnahme, um auch geringe Risiken zu minimieren.
Reaktionen und weitergehende Forderungen
Greenpeace begrüßte die Sofortmaßnahmen der Stadt. Stefan Stadler vom Recherche-Team der Umweltorganisation erklärte: „Die Stadt Wien handelt vorbildlich. Jede Verdachtsfläche wird geprüft und es werden sofort Maßnahmen ergriffen." Zugleich übte die Organisation Kritik am Vorgehen nach Asbestfunden im Burgenland.
Greenpeace forderte von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) die Schaffung einer leistbaren Entsorgungsmöglichkeit für Asbest sowie Hilfsfonds für Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen, die vom „Asbest-Skandal" betroffen sind. Hintergrund sind demnach Fälle, in denen belastetes Material ohne klare Vorgaben entsorgt oder Sanierungen ohne ausreichende Schutzmaßnahmen durchgeführt worden sein sollen.
Die Stadt Wien wies darauf hin, dass sie eigene Laboranalysen durch eine akkreditierte Prüfstelle durchgeführt habe und die Ergebnisse mit jenen von Greenpeace übereinstimmten. Damit sei das Vorhandensein von asbesthaltigem Gestein im Wiener Straßennetz bestätigt. Die Mitarbeiter der MA 28 sind nach Angaben der Stadt im Straßenraum unterwegs, prüfen und leiten bei Auffälligkeiten weitere Schritte bis hin zur Versiegelung ein.
Mit der Erstellung eines Registers und der systematischen Prüfung aller Hinweise will die Stadt Wien sicherstellen, dass mögliche Risiken rasch erkannt und konsequent beseitigt werden. Die Stadt betont, dass die aktuellen Maßnahmen vorbeugend gelten und der Schutz der Bevölkerung höchste Priorität habe.
Fragen & Antworten
Welche Straßen in Wien sind aktuell vom Asbestbefund betroffen?
Betroffen sind laut MA 28 die Rosenhügelstraße, die Anton-Freunschlag-Gasse, die Bertégasse, die Wernergasse und die Stieglergasse.
Warum versiegelt die Stadt die Straßen, anstatt den Asphalt zu entfernen?
Wolfgang Ablinger von der MA 28 erklärte, die Versiegelung sei schneller umsetzbar und verhindere, dass beim Fräsen oder Aufgraben Asbestfasern freigesetzt werden.
Wie viele Verdachtsflächen hat Greenpeace gemeldet und wie geht die Stadt weiter vor?
Greenpeace hat der Stadt 40 Verdachtsflächen in elf Wiener Bezirken gemeldet; für weitere auffällige Flächen sind Probenahmen und Laboruntersuchungen veranlasst, deren Ergebnisse noch ausstehen.
Asbest im Wiener Asphalt: Stadt versiegelt betroffene | finanz360