VW ID. Polo Produktionsstart Spanien: E-Auto ab 25.000 Euro | finanz360
VW beginnt Serienproduktion des ID. Polo und des Cupra Raval in Spanien
Madrid, 03 Juni 2026
Leif Jørgensen / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Volkswagen hat am Mittwoch im Seat-Werk Martorell bei Barcelona die Serienproduktion seiner ersten beiden elektrischen Kleinwagen ID. Polo und Cupra Raval gestartet. Zum offiziellen Produktionsbeginn wurde neben Konzernchef Oliver Blume auch Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez erwartet.
Madrid, 03 Juni 2026
Volkswagen hat am Mittwoch im Seat-Werk Martorell bei Barcelona die Serienproduktion seiner ersten beiden elektrischen Kleinwagen ID. Polo und Cupra Raval gestartet und damit den Auftakt für eine neue E-Auto-Familie aus dem spanischen Werk gegeben.
Produktionsstart in Martorell
Mit dem Produktionsbeginn verfolgt der Wolfsburger Konzern das Ziel, sich im wachsenden Segment der batterieelektrischen Kleinwagen zu positionieren. Das Werk Martorell ist nach Konzernangaben so umgebaut worden, dass dort künftig bis zu 300.000 Elektroautos pro Jahr vom Band laufen können. Allein drei Milliarden Euro sind nach VW-Angaben seit 2023 in die Umrüstung der Fabrik geflossen, der spanische Staat legt zusätzlich fast 400 Millionen Euro an Fördermitteln obendrauf. Insgesamt haben Volkswagen und seine Zulieferer rund zehn Milliarden Euro in den Umbau der Produktionsstandorte in Spanien investiert.
Damit der Standort für die Elektromodelle frei wurde, hatte VW die Produktion des Verbrenner-Polos im Jahr 2024 aus Martorell abgezogen und nach Südafrika verlegt. Die nun anlaufende Modellfamilie umfasst insgesamt vier Fahrzeuge, die auf einer gemeinsamen Plattform basieren. Wie das Unternehmen betont, sind in den vier Modellen rund 80 Prozent Gleichteile verbaut, was die Entwicklungskosten spürbar gesenkt haben soll. Nach VW-Angaben summieren sich die Einsparungen durch die Bündelung der Entwicklung bei Cupra auf etwa 600 Millionen Euro.
Strategie: 80 Prozent Gleichteile
Konzernchef Oliver Blume sieht in dem neuen E-Auto-Programm einen Angriff auf eines der volumenstärksten Segmente der Elektromobilität. Bei der Vorstellung der Studie im September auf der IAA in München sagte er: „Mit dieser neuen Fahrzeugfamilie greifen wir an in einer der volumenstärksten Fahrzeugklassen der Elektro-Mobilität, mit großem Wachstumspotenzial“. Seinen Angaben zufolge soll der europäische Markt für vollelektrische Kleinwagen nach 2030 rund viermal so groß sein wie heute. „Jedes Jahr wollen wir mehrere hunderttausend Autos dieser Modellreihe verkaufen“, kündigte Blume an.
Bereits bei der Weltpremiere des Cupra Raval im April in Madrid hatte Blume von einem „Meilenstein für Cupra“ gesprochen. Das Modell zeige, „wie erschwingliche, emotionale und in Europa entwickelte Elektromobilität aussehen kann“ – „ohne Kompromisse bei Technologie, Sicherheit oder Design“. VW-Markenvorstand Thomas Schäfer erklärte anlässlich des Polo-Starts: „Mit diesem Auto unterstreichen wir, dass elektrische Einstiegsmobilität keine Kompromisse braucht.“ Elektromobilität dürfe kein Luxus sein, sie müsse funktionieren, bezahlbar sein und im Alltag überzeugen.
Prominenz zum Auftakt
Zum offiziellen Produktionsstart fuhr der Konzern politisch und medial auf: Neben Blume, Seat-Cupra-Chef Markus Haupt und Thomas Schäfer wurde auch Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez in Martorell erwartet. Die Besetzung des Termins erinnert damit an den Start des ersten ID-Modells im Jahr 2019 in Zwickau, zu dem seinerzeit die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel angereist war. Mit der Präsenz der spanischen Regierung unterstreicht VW die strategische Bedeutung, die das Land für die Elektrostrategie des Konzerns in den kommenden Jahren haben soll.
Technisch greifen die beiden Modelle auf eine einheitliche Plattform zurück, bei den Antrieben und Batterien gibt es allerdings Unterschiede. Die Hochleistungszellen mit Nickel-Mangan-Cobalt-Chemie für die höher ausgestatteten Varianten kommen aus dem VW-Batteriewerk in Salzgitter. Die günstigeren Lithium-Eisenphosphat-Zellen für die Basisversionen sollen später aus einer neuen Zellfabrik in Sagunto bei Valencia kommen, die sich derzeit im Aufbau befindet. Damit will VW die gesamte Wertschöpfungskette stärker in Europa bündeln.
Preise und Wettbewerber
Preislich bewegt sich der Einstieg in die neue Modellfamilie oberhalb dessen, was gemeinhin als Einstiegspreis für Elektroautos gilt. Der VW ID. Polo startet laut Unternehmen bei knapp unter 25.000 Euro, der Cupra Raval liegt rund 1.000 Euro darüber. Allerdings sind zum Verkaufsstart zunächst nur besser ausgestattete Versionen mit großer Batterie erhältlich, die deutlich über 30.000 Euro kosten. Die günstigeren Basisvarianten mit kleinerem Akku und niedrigerer Motorleistung sollen ab Juli bestellbar sein, die Auslieferung des Polo in beiden Varianten beginnt nach VW-Angaben im September.
Dass 25.000 Euro heute kaum noch als Einstiegspreis gelten können, betont Branchenkenner Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands in Berlin: „Das ist heutzutage kein Einstiegsmodell mehr“. Andere Hersteller sind bei den Einstiegspreisen für Elektroautos in Europa schneller und teilweise deutlich günstiger: Der Elektro-Renault Twingo ist bereits für rund 20.000 Euro zu haben, der Citroën Elektro-C3 liegt dank einer laufenden Aktionsprämie bei knapp über 17.000 Euro. Dacia Spring und der T03 von Stellantis-Partner Leapmotor sind noch günstiger. Mit dem ID. Every1, der im kommenden Jahr für rund 20.000 Euro aus Portugal kommen soll, will VW selbst noch weiter nach unten rücken.
Warum Spanien, nicht Deutschland?
Dass VW die günstigen Kleinwagen ausgerechnet in Spanien und nicht in Deutschland baut, hat eine betriebswirtschaftliche Logik. Betriebsratschefin Daniela Cavallo hatte dies Anfang März in einem dpa-Interview deutlich gemacht: „Klar ist: In Deutschland produzieren wir eher komplexere Modelle mit höheren Margen als bei kleinen Fahrzeugen“. Für die Marke sei es aber wichtig, dass Kunden vom Kleinwagen auf größere Modelle umsteigen könnten – und die kämen dann aus deutscher Fertigung. Branchenexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach zieht eine klare Linie: „In Deutschland lässt sich so ein Modell nicht mehr bauen“ – „Aber nicht zu spät“ sei der Markteintritt dennoch. „Und 25.000 Euro ist als Startpreis jetzt nicht so schlecht. Ich glaube, dass das schon einen breiten Markt trifft.“, ergänzte er.
Mit Blick auf hohe Spritpreise und die neue E-Auto-Förderung in Deutschland sieht Bratzel den Wolfsburgern sogar einen günstigen Markteintrittszeitpunkt. Bereits ab Juli sollen die Basisvarianten bestellbar sein, die Auslieferung beginnt im September. Damit will VW zugleich die Markteinführung des noch günstigeren ID. Every1 aus Portugal vorbereiten, der im kommenden Jahr für rund 20.000 Euro starten soll. Insgesamt plant der Konzern, in den kommenden Jahren mehrere hunderttausend Fahrzeuge der neuen Modellreihe pro Jahr zu verkaufen – in einem Marktsegment, das nach Einschätzung des Managements bis 2030 deutlich wachsen wird.
Ausblick: Every1 und Pamplona
Parallel zum Produktionsstart in Martorell laufen am Standort Pamplona im Norden Spaniens die Vorbereitungen für zwei weitere Modelle der Familie. Dort sollen später in diesem Jahr die SUV-Geschwister Skoda Epiq und VW ID. Cross vom Band laufen. Damit wächst die E-Auto-Familie von VW in Spanien auf insgesamt vier Baureihen, die sich unterschiedliche Komponenten und Antriebe teilen. Die hohe Gleichteilquote über alle Modelle hinweg sehen Branchenbeobachter als entscheidenden Hebel, um die Stückkosten in einem Marktsegment niedrig zu halten, in dem margenstarke Verkäufe schwerer fallen als in den oberen Fahrzeugklassen.
Mit dem Produktionsstart verändert sich auch die Rolle des spanischen Werksverbunds für den Gesamtkonzern. Waren Seat und Cupra lange Zeit vor allem für sportlichere Modelle und Nischenfahrzeuge zuständig, übernimmt Spanien mit dem Hochlauf der Elektromodelle eine Schlüsselrolle im europäischen E-Auto-Geschäft. Volkswagen will auf diese Weise das Ziel unterstreichen, auch in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld wettbewerbsfähige Elektroautos im Kleinwagensegment anbieten zu können – und gleichzeitig die Abhängigkeit von chinesischen Herstellern in diesem Segment zu verringern.
Fragen & Antworten
Welche Modelle starten in Martorell?
Volkswagen hat am Mittwoch im Seat-Werk Martorell die Serienproduktion des Elektroautos ID. Polo und des Cupra Raval gestartet. Zwei weitere Modelle von VW und Skoda sollen später am Standort Pamplona folgen.
Was kosten die neuen E-Autos?
Der Einstiegspreis für den VW ID. Polo liegt laut Unternehmen bei knapp unter 25.000 Euro, der Cupra Raval etwa 1.000 Euro darüber. Zum Verkaufsstart sind zunächst nur besser ausgestattete Versionen mit großer Batterie für deutlich über 30.000 Euro erhältlich.
Warum produziert VW die Kleinwagen in Spanien und nicht in Deutschland?
Nach Einschätzung von Branchenexperten sind kleine E-Autos in Deutschland nicht mehr wirtschaftlich zu fertigen. Betriebsratschefin Cavallo erklärte, in Deutschland würden eher komplexere Modelle mit höheren Margen gebaut, kleinere Fahrzeuge kämen aus dem Ausland.