Verstappen vor Belgien-GP: Frust, Spekulationen und die Frage nach der Zukunft
Spa-Francorchamps, 17 Juli 2026
Steffen Prößdorf / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Vor dem Großen Preis von Belgien am Sonntag (15.00 Uhr/Sky und RTL) steht Max Verstappen im Mittelpunkt der Formel-1-Spekulationen. Der 28-Jährige liegt in der Fahrerwertung nur auf Rang sieben und hat 103 Punkte Rückstand auf den WM-Führenden Kimi Antonelli.
Spa-Francorchamps, 17 Juli 2026
Vor dem Großen Preis von Belgien am Sonntag (15.00 Uhr/Sky und RTL) richten sich die Blicke in der Formel 1 vor allem auf Max Verstappen, dessen Zukunft bei Red Bull nach einer enttäuschenden ersten Saisonhälfte offen erscheint.
Der viermalige Weltmeister reist mit gemischten Gefühlen zu seinem Lieblingskurs. „Es ist meine Lieblingsstrecke im Rennkalender, und ich freue mich immer, dorthin zurückzukehren“, sagte Verstappen, der in Spa-Francorchamps vor vier Jahren sensationell von Startplatz 14 zum Sieg raste und schon insgesamt dreimal in seinem Geburtsland siegte. „Wir haben hier in der Vergangenheit stets gut abgeschnitten“, ergänzte er. Zugleich räumte der 28-Jährige ein: „Es war gut, eine kleine Pause einzulegen“, nachdem das vergangene Wochenende in Silverstone für ihn alles andere als rund gelaufen war.
Frust nach Silverstone
In Großbritannien hatte Verstappen bereits im niederländischen Fernsehen geflucht: „Ehrlich, ich hasse diesen Wagen.“ Sein Fazit über das Dienstfahrzeug fiel zuletzt noch deutlicher aus: „Peinlich, schlecht.“ Nach dem „peinlichen“ Qualifying (7.) in Silverstone beklagte er die mangelnde Autobalance und wollte aus der Boxengasse starten, weil dadurch Umbauarbeiten erlaubt gewesen wären. „Alles sehr frustrierend“, schrieb er bei Instagram.
Hinter den Worten steht eine nüchterne sportliche Bilanz. Mit Rang sieben in der Fahrerwertung und 103 Punkten Rückstand auf Mercedes-Youngster Kimi Antonelli ist der fünfte WM-Titel nach neun von 22 Saisonrennen weit entfernt. Das ist rechnerisch bereits nicht mehr möglich, zwei Rennen vor dem Urlaub liegt der 28-Jährige 71 Zähler hinter dem Dritten Lewis Hamilton (Ferrari). Dem 71-maligen Grand-Prix-Sieger Verstappen wäre es sicher am liebsten, sich endlich wieder nur auf das Fahren zu konzentrieren.
Sportliche Bilanz
In der heurigen Saison überzeugt zwar Red Bulls erster eigens mit Ford gebauter Motor, im Gesamtpaket kann der RB22 aber nach der großen Regelreform (mehr elektrische Leistung) zu selten mit den Spitzenteams mithalten. Rund um den Saisonstart hatte Verstappen das neue Reglement scharf kritisiert, weil dieses Energiemanagement auf Kosten der Vollgaspassagen ermögliche. Diese passte kurz darauf das Reglement an, bis 2028 wird der Verbrenner-Elektro-Split in zwei Schritten auf das Verhältnis 60:40 angepasst.
Trotz der sportlichen Talfahrt hat Verstappen seine grundsätzliche Bereitschaft zur Fortsetzung seiner Karriere betont. „Auch wenn das Wochenende in Silverstone hart war, habe ich letzte Woche bereits wieder mit dem Team im Simulator im Werk gearbeitet“, sagte Verstappen. Er werde „auf jeden Fall“ auch 2027 in der Formel 1 antreten, bestätigte er rund um diese Zeit. Damals stellte er offen („Lohnt es sich?“) seine Zukunft in der Königsklasse infrage.
Vertrag und Ausstiegsklausel
Die Spekulationen um einen vorzeitigen Abschied halten sich dennoch hartnäckig. Berichten zufolge hat Verstappen eine Ausstiegsklausel in seinem bis 2028 laufenden Vertrag, die in Kraft tritt, sollte er zur Sommerpause nicht unter den Top zwei oder Top drei liegen – über die Details gibt es unterschiedliche Berichte. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, hat der Starpilot wohl sogar bis Oktober Zeit, von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch zu machen, wenn er bis zur Sommerpause nach den kommenden beiden Rennen nicht WM-Zweiter ist. Eine Ausstiegsklausel in seinem eigentlich noch bis Ende 2028 laufenden Vertrag soll einen Abgang nach dieser Saison möglich machen.
Manager Raymond Vermeulen hatte im „Bild“-Gespräch betont: „Wir waren immer loyal und werden es auch bleiben. Wir möchten den Weg mit Red Bull weitergehen und Max seine Karriere hier beenden - aber natürlich mit der Möglichkeit, zu gewinnen.“ Ein klares Bekenntnis von Verstappen zu Red Bull über das Jahresende hinaus gibt es bislang nicht. Vermeulen sagte damals: „Wir haben einen Vertrag bis 2028.“
Spekulationen um McLaren und Mercedes
Zugleich schob Vermeulen einen deutlichen Satz hinterher: „Aber Max wurde nicht geboren, um im Mittelfeld zu fahren.“ Damit brachte er die sportliche Frustration auf den Punkt, die Verstappen seit Wochen umtreibt. Der Fahrer scheine „mit seinem Team auf Kollisionskurs zu liegen – und umgekehrt“, schrieb zuletzt der – gewöhnlich mit der Verstappen-Familie gut vernetzte – niederländische Telegraaf.
Sky-Experte Ralf Schumacher sieht einen Bruch kommen. „Ich glaube, Max Verstappen wird Red Bull verlassen, beide Seiten sind auch mittlerweile so weit, dass es nicht mehr weh tut“, sagte er im Podcast „Backstage Boxengasse“ und sprach dabei von einem subjektiven Gefühl, das er habe. „Ich glaube, dass Max den Glauben an das Team verloren hat. Umgekehrt sei das genauso“, fasste er die Stimmung zusammen.
Stimmen aus dem Fahrerlager
Die Spekulationen kreisen vor allem um zwei Teams. „Aus meiner Sicht wird er sich jetzt mit McLaren hinsetzen“, sagte ein Beobachter. Bei McLaren müsste vermutlich Oscar Piastri (25) weichen, Weltmeister Lando Norris gilt als gesetzt. McLaren-Geschäftsführer Zak Brown wiegelte ab: „Das sind Gerüchte. Ich bin sehr glücklich mit meinen beiden Fahrern.“ Auch Piastris Manager Mark Webber sagte: „Unsinn!“, als er auf die Gerüchte angesprochen wurde.
Bei Mercedes wäre die Lage nicht einfacher. Ein Platz wäre wohl nur frei, wenn George Russell geht, dem jungen WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli (19) gehört bei den Silberpfeilen die Zukunft. „Es wäre falsch, das jetzt zu ändern“, sagte Teamchef Toto Wolff. „Für uns ist wichtig, dass wir jetzt eine Stabilität haben“, ergänzte er. Wolff beteuerte zuletzt: „Unser Plan ist es, an der Fahrerpaarung nichts zu ändern.“ Der Rennstall wolle Stabilität haben.
Fest steht bislang nur ein personeller Wechsel: Verstappens langjähriger Renningenieur Gianpiero Lambiase spätestens 2028 nach Woking übersiedelt. „Ich denke, wir sind voll in der silly season“, fasste ein Beobachter die Lage zusammen. „Also Vorsicht vor der ‚silly season‘“, warnte ein anderer. Verstappen selbst wurde am Donnerstag in Spa zu den Gerüchten befragt und reagierte wortkarg: „Ich habe gesagt, es gibt nichts zu sagen. Wenn es etwas Neues geben würde, dann würde ich das sagen.“
Hintergrund: Verstappens Weg in die Königsklasse
Hinter den Kulissen sorgt zudem ein Bericht über einen Besuch von Red-Bull-Berater Helmut Marko für Aufsehen. „Mein Besuch war privat“, sagte der Österreicher englischen Medien. Was dabei besprochen wurde, blieb unklar. „Wir fühlen uns bei Red Bull zu Hause“, heißt es aus dem Umfeld des Teams.
Verstappens Weg in die Formel 1 begann 2014 beim damaligen Schwesterteam Toro Rosso, 2016 wurde er zu Red Bull befördert. Zwar fährt er wie sein Vater Jos Verstappen unter niederländischer Lizenz, geboren wurde Verstappen jedoch in Hasselt und besaß bis zum 18. Lebensjahr die belgische Staatsbürgerschaft. Damit hat der Grand Prix von Belgien für ihn auch biografisch eine besondere Note.
Hauptdarsteller vor dem Grand Prix von Belgien am Sonntag (15 Uhr, ORF 1): Max Verstappen. Die sportliche Ausgangslage ist klar, die Zukunftsfrage offen. „Wenn Verstappen, der beste Fahrer seiner Generation, tatsächlich zu haben wäre, dürfte es schwer sein, zu widerstehen“, heißt es in einer Einschätzung. Die kommenden Rennen werden zeigen, ob die Ausstiegsklausel greift oder ob Verstappen seinen Vertrag bis 2028 erfüllt.
Fragen & Antworten
Wie groß ist Verstappens Rückstand in der Fahrerwertung vor dem Belgien-GP?
Max Verstappen liegt vor dem Großen Preis von Belgien auf Rang sieben und hat 103 Punkte Rückstand auf den WM-Führenden Kimi Antonelli. Der fünfte WM-Titel ist nach neun von 22 Saisonrennen rechnerisch nicht mehr erreichbar.
Welche Ausstiegsklausel soll in Verstappens Vertrag stehen?
Berichten zufolge enthält der bis Ende 2028 laufende Vertrag eine Klausel, die einen Abgang nach dieser Saison möglich machen soll, wenn Verstappen zur Sommerpause nicht unter den Top zwei oder Top drei liegt. Die „Bild“-Zeitung berichtet, er habe dafür wohl bis Oktober Zeit.
Was sagen McLaren und Mercedes zu den Wechselgerüchten?
McLaren-Geschäftsführer Zak Brown nannte die Spekulationen „Gerüchte“ und betonte, er sei „sehr glücklich mit meinen beiden Fahrern“. Mercedes-Teamchef Toto Wolff erklärte, der Plan sei, an der Fahrerpaarung nichts zu ändern, und verwies auf den Wunsch nach Stabilität.
Verstappen Belgien-GP: Zukunft bei Red Bull offen | finanz360