Vance warnt Israel vor Angriffen auf den wichtigsten Verbündeten und stellt Unterstützung infrage
Washington, 18 Juni 2026
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Kurzfassung
US-Vizepräsident JD Vance hat israelische Kritik am Rahmenabkommen mit dem Iran scharf zurückgewiesen und betont, dass US-Präsident Donald Trump derzeit das einzige israelwohlgesinnte Staatsoberhaupt sei. Premierminister Netanyahu unterstrich parallel die "lebenswichtige" Beziehung zu Washington, forderte jedoch einen Verbleib israelischer Truppen im Südlibanon.
Washington, 18 Juni 2026
US-Vizepräsident JD Vance hat bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus Kritik aus der israelischen Regierung unter Premierminister Benjamin Netanyahu am US-Rahmenabkommen mit dem Iran zurückgewiesen und gleichzeitig die "lebenswichtige" Beziehung zwischen Israel und den Vereinigten Staaten betont.
Vances ungewöhnlich direkte Warnung
Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus wandte sich der US-Vizepräsident direkt an Kritiker in der israelischen Regierung. Vance sagte: "Donald J. Trump ist derzeit das einzige Staatsoberhaupt der Welt, das Israel wohlgesinnt ist." Er fügte hinzu: "Wäre ich im israelischen Kabinett, würde ich wohl kaum den einzigen mächtigen Verbündeten angreifen, den ich weltweit noch habe." Diese ungewöhnlich direkten Worte markieren eine deutliche Verstimmung zwischen den beiden Regierungen, die seit Jahrzehnten als enge Partner gelten.
Vance räumte ein, dass Netanyahu sich gegenüber anderen Gesprächspartnern möglicherweise anders äußere. Ein Medienbericht, wonach Netanyahu "wütend" gewesen sei, entspreche nicht seinen eigenen Gesprächen mit dem Premierminister. Die Kritik an dem Abkommen sei von einzelnen Mitgliedern des Kabinetts gekommen, nicht von Netanyahu selbst, sagte Vance. Soweit er wisse, habe sich der Premierminister nicht öffentlich gegen die Vereinbarung mit Teheran gestellt.
Vance forderte Kritiker in Israel, die US-Präsident Trump als "das größte Problem" betrachten, zum Umdenken auf. Sie müssten "aufwachen und die Realität der Lage erkennen". Er begründete seine Position mit den materiellen Grundlagen der Zusammenarbeit: Den Angaben zufolge seien zwei Drittel der Verteidigungswaffen, die Israel in den vergangenen drei Monaten vor Angriffen der proiranischen Hisbollah-Miliz geschützt hätten, von Amerikanern gebaut und mit Geld amerikanischer Steuerzahler finanziert worden. Die USA finanzierten die Mehrheit der israelischen Verteidigungswaffen.
Streit um den Südlibanon
Der Konflikt zwischen Washington und Jerusalem entzündet sich an der Frage des Südlibanon. Iran besteht darauf, dass sich Israel aus dem Südlibanon zurückzieht. Netanyahu lehnt dies ab und kündigte nach Unterzeichnung des Rahmenabkommens an, israelische Truppen sollten im Südlibanon bleiben und dort eine Sicherheitszone aufrechterhalten. Er sagte: "der Kampf ist noch nicht vorbei" und betonte, Israel müsse den Sicherheitsstreifen im Südlibanon so lange halten, wie dies für die Sicherheit des Landes notwendig sei.
Die israelische Regierung hat zudem Angriffe über diese Zone hinaus nicht ausgeschlossen. Israel fordert die Entwaffnung der Hisbollah, während der Libanon den Abzug israelischer Truppen verlangt. Das bilaterale Rahmenabkommen zwischen Iran und den USA sieht ein Ende der militärischen Konflikte in der Region vor, enthält jedoch keine explizite Klausel zum Rückzug israelischer Truppen aus dem Libanon. Es bekräftigt lediglich das Bekenntnis zur Wahrung der "territorialen Integrität" des Libanon.
Die Position der israelischen Regierung steht im Widerspruch zu den Bedingungen des am Mittwoch in Versailles unterzeichneten US-iranischen Abkommens. Eine Karte der israelischen Armee vom Donnerstag zeigt, dass israelische Truppen mehrere Kilometer tiefer in den Libanon vorgedrungen sind und in der Nähe der Hisbollah-Hochburg Nabatiyeh nördlich des Litani-Flusses operieren. Im April hatte die israelische Armee eine kleinere sogenannte Pufferzone veröffentlicht.
Opfer und Zerstörung
Der libanesische Gesundheitsminister teilte mit, am Freitag seien 18 Menschen auf libanesischer Seite getötet worden. Laut der libanesischen staatlichen Nachrichtenagentur NNA wurden durch israelische Luftangriffe im Südlibanon über Nacht und am Samstagmorgen mindestens fünf weitere Menschen getötet. Nach Angaben der israelischen Armee wurden vier israelische Soldaten getötet. Israelische Angriffe hätten Städte zerstört und Tausende Menschen getötet, heißt es in den Berichten.
Die Spannungen zeigen sich auch in den Reaktionen einzelner israelischer Minister. Israels Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, erklärte: "Israel ist den Vereinigten Staaten nicht untergeordnet. Wir sind ein unabhängiges und souveränes Land. Wir sind keine Partner dieses Abkommens, das unsere Sicherheit nicht gewährleistet. Wir dürfen uns nicht aus Gebieten [im Libanon] zurückziehen, die unsere Kämpfer erobert haben." Zudem schrieb Ben-Gvir auf X: "Der ganze Libanon muss brennen!" Er ist als rechtsextremer Politiker beschrieben.
Scharfe Töne aus dem rechten Lager
Auch Israels Finanzminister Bezalel Smotrich meldete sich auf X zu Wort: "Zeit, mit Feuer zu sprechen. Die Pforten der Hölle zu öffnen." Der nahe Netanyahu stehende Journalist Shimon Riklin sagte gegenüber The New Yorker, der Iran sei "ein modernes Nazi-Deutschland für Israel" und warf Trump vor, alles zu befolgen, was Teheran fordere. Diese Stimmen verdeutlichen die innenpolitische Brisanz der Debatte.
Die Hisbollah selbst wies die israelischen Sicherheitszonen zurück. Hisbollah-Chef Naim Qassem sagte in einer Fernsehansprache am Mittwoch: "Keine gelben Zonen, keine roten Zonen und keine grünen Zonen." Er fügte hinzu, Israel müsse sich zurückziehen und werde sich zurückziehen. Israel und die Hisbollah sind keine direkten Vertragsparteien des US-iranischen Rahmenabkommens.
Trotz der Verstimmung bemühen sich beide Seiten, die Partnerschaft nicht vollständig infrage zu stellen. Netanyahu betonte, die Beziehung zu den Vereinigten Staaten sei "lebenswichtig". Er sagte, weitere Herausforderungen stünden bevor und erforderten neben einer guten Beziehung zu Washington "nüchternes Urteilsvermögen" und "die entschlossene Verteidigung der Sicherheitsinteressen Israels". US-Präsident Trump beschrieb den Streit über die israelischen Angriffe im Libanon als "kleinen Streit" und nannte Netanyahu "Bibi Netanyahu ist ein guter Mann, er ist nur manchmal etwas übereifrig".
Weitere Verhandlungen und Sanktionen
Parallel zu den diplomatischen Spannungen laufen die Planungen für weitere Gespräche. Vance kündigte an, er wolle das US-Verhandlungsteam bei den Gesprächen leiten. US-vermittelte Gespräche zwischen Israel und dem Libanon sind für die kommende Woche in Washington geplant. Laut Vance sollen die technischen Verhandlungen mit dem Iran "im Laufe dieses Wochenendes" beginnen, könnten sich jedoch verzögern.
Die US-Regierung verhängte zudem Sanktionen gegen Unterstützer der Hisbollah, darunter mehrere libanesische Amtsträger und Mitglieder eines Geschäftsnetzwerks. Betroffen sind Personen im Libanon, in Syrien, im Irak und im Oman, die laut US-Finanzministerium Geld gesammelt und Briefkastenfirmen für die iranisch unterstützte Miliz betrieben haben sollen. Auch Vance hatte in einem Interview mit der New York Times betont: "Man kann sich nicht einfach durch Töten aus jedem einzelnen nationalen Sicherheitsproblem herauswinden."
Der Iran-Experte Vali Nasr schrieb auf X, Vances Zurückweisung der israelischen Kritik deute auf einen neuen Riss zwischen den USA und Israel hin. Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz erklärte, es sei unwahrscheinlich, dass Teheran eine Situation akzeptieren werde, in der es sich zu einer umfassenden Waffenruhe verpflichte, während Israel sich das Recht vorbehalte, unter dem weiten Begriff der "Beseitigung von Bedrohungen" militärische Operationen im Libanon durchzuführen.
Ein neuer Riss zwischen Verbündeten?
Eine erste Runde von Gesprächen über Einzelheiten des Rahmenabkommens, die ursprünglich für Freitag in Luzern geplant war, fand laut Berichten nicht statt, möglicherweise wegen der Kämpfe. Nach Angaben eines hochrangigen US-Vertreters gegenüber dem Nachrichtenportal Axios könnte die Lage im Libanon ein Grund für die Verschiebung der Reise der iranischen Delegation gewesen sein. Das Weiße Haus erklärte, die Pläne für Fachgespräche mit dem Iran seien nicht endgültig festgelegt gewesen.
Eine Verhandlungsphase von 60 Tagen ist für das umfassende Abkommen vorgesehen, verlängerbar mit Zustimmung beider Seiten. Der iranische Präsident Massoud Pezeshkian habe das Dokument elektronisch unterzeichnet, hieß es aus Teheran. Nach Angaben von Trump erhielt Israel ebenfalls eine Kopie des Abkommens. Der Nahost-Experte Simon Wolfgang Fuchs, Professor für Islamwissenschaft an der Hebräischen Universität Jerusalem, erklärte gegenüber dpa, für Teheran sei die Einbeziehung des Libanon Teil einer neuen Sicherheitsdoktrin, die die Schicksale Teherans und Beiruts miteinander verknüpfe.
Die Entwicklungen verdeutlichen die prekäre Lage: Einerseits haben die USA und Iran ein Rahmenabkommen erzielt, das die militärischen Konflikte in der Region beenden soll. Andererseits klafft zwischen Washington und Jerusalem eine Lücke bei der Frage der Zukunft des Südlibanon. Die kommenden Tage und die für Ende der Woche geplanten technischen Verhandlungen werden zeigen, ob die Partner die Verstimmung überwinden oder ob der Riss zwischen den USA und Israel weiter wächst.
Vance selbst fasste die Lage mit Blick auf die Verhandlungen pragmatisch zusammen: "Wir gehen davon aus, dass diese technischen Verhandlungen im Laufe dieses Wochenendes beginnen. Das ist weiterhin der Plan, dies könnte sich jedoch ändern." Seine Worte spiegeln die Unsicherheit wider, die die US-iranisch-israelische Dynamik derzeit prägt.
Netanyahu seinerseits signalisierte trotz des Konflikts Bereitschaft zur weiteren Zusammenarbeit. Er sagte, Israel führe "harte Verhandlungen" mit der US-Regierung, um seine Truppen zehn Kilometer tief im Südlibanon stationiert zu halten, um die iranisch unterstützte Hisbollah-Miliz zu bekämpfen. Die Verhandlungen auf Fachebene, die laut Vance am Wochenende beginnen sollen, bleiben damit der entscheidende Lackmustest für die Zukunft der US-israelischen Beziehung und für die Frage, ob der Konflikt im Libanon beigelegt werden kann.
Gleichzeitig verdeutlicht die scharfe Reaktion Ben-Gvirs und Smotrichs, dass die innenpolitischen Kräfte in Israel, die eine kompromisslose Linie gegenüber dem Libanon befürworten, weiterhin einflussreich sind. Die Kombination aus militärischer Eskalation im Libanon, diplomatischer Verstimmung mit Washington und dem Druck der rechtsextremen Koalitionspartner macht die Lage für Netanyahu politisch komplex. Ein Abkommen, das den Interessen aller Seiten gerecht wird, scheint derzeit schwer vorstellbar.
Fragen & Antworten
Welche Rolle spielen Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich in der aktuellen Debatte?
Ben-Gvir, Minister für nationale Sicherheit und als rechtsextremer Politiker beschrieben, erklärte, Israel sei den USA nicht untergeordnet und nicht Partner des Abkommens. Smotrich, Finanzminister, forderte auf X: "Der ganze Libanon muss brennen!" Beide gehören zur rechten Koalition Netanyahus.
Vance warnt Israel: USA als einziger Verbündeter | finanz360