UN-Generalsekretär Guterres reist zu Solidaritätsbesuch nach Damaskus
Damaskus, 25. Juli 2026
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Kurzfassung
UN-Generalsekretär António Guterres ist zu einem dreitägigen Solidaritätsbesuch in die syrische Hauptstadt Damaskus gereist – es ist die erste Visite eines UN-Chefs in Syrien seit mehr als 15 Jahren. In Damaskus traf er Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa, besuchte das berüchtigte Sednaja-Militärgefängnis und kündigte UN-Unterstützung für den politischen Übergang an.
UN-Generalsekretär António Guterres ist am Samstag zu einem dreitägigen Solidaritätsbesuch in die syrische Hauptstadt Damaskus gereist und hat dort Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa, Asaad al-Schaibani sowie das Sednaja-Militärgefängnis besucht.
Erster UN-Besuch in Syrien seit 15 Jahren
Der Besuch markiert die erste Reise eines UN-Generalsekretärs nach Syrien seit mehr als 15 Jahren; zuletzt hatte der damalige UN-Chef Ban Ki-moon das Land im Jahr 2009 besucht. Guterres kündigte die Reise über die Plattform X als „Solidaritätsbesuch" an. „Er sei zu einem "Solidaritätsbesuch" in Damaskus", hieß es in seinem Beitrag. Bei einer Pressekonferenz erläuterte er die Bedeutung der Visite: „Ich habe mich bewusst entschieden, seit Beginn der brutalen Unterdrückung des syrischen Volkes im Jahr 2011 bis zum Sturz des Regimes nicht nach Syrien zu reisen."
Gespräche mit al-Scharaa und al-Shaibani
In Damaskus traf Guterres am ersten Tag seines Aufenthalts mit Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa zusammen, der Syrien seit dem Sturz von Langzeitmachthaber Baschar al-Assad Ende 2024 regiert. „In Damaskus wird Guterres mit Interimspräsident Ahmed al-Scharaa zusammenkommen." Zeitgleich kam es zu einem Gespräch mit Außenminister Asaad al-Shaibani. Der Aufenthalt ist auf drei Tage angelegt; in diesem Rahmen sind nach UN-Angaben auch Treffen mit Organisationen geplant, die sich für die Rechte von Frauen einsetzen.
Guterres erklärte, die Vereinten Nationen seien bereit, den juristischen Umgang mit den Verbrechen der Assad-Ära zu unterstützen. Zugleich signalisierte er Bereitschaft, den politischen Übergang hin zu Wahlen und einer neuen Verfassung zu begleiten. Vor der Presse formulierte er zudem eine klare Erwartung an die internationale Gemeinschaft: Syriens „Souveränität, Unabhängigkeit, Einheit und territoriale Integrität" müssten „vollständig respektiert" werden.
Besuch im Sednaja-Gefängnis
Im Verlauf seiner Reise besuchte Guterres das Sednaja-Militärgefängnis nahe der syrischen Hauptstadt. Das berüchtigte Gefängnis war in der Vergangenheit Schauplatz schwerer Menschenrechtsverletzungen. „Guterres besuchte nach Angaben von syrischen Staatsmedien das berüchtigte Seidnaja-Militärgefängnis nahe Damaskus." Nach Angaben von Amnesty International handelte es sich bei den meisten Inhaftierten um oppositionelle Zivilpersonen.
„Während des Assad-Regimes wurden dort Tausende Menschen getötet." Auch Menschenrechtsorganisationen dokumentierten das Ausmaß der Gewalt: „Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen wurden dort Tausende Häftlinge von Schergen des Assad-Regimes gefoltert und ermordet." Die Vereinten Nationen hatten in den vergangenen Jahren wiederholt auf diese Vorwürfe hingewiesen und Reformen gefordert.
Kritik an Israel
Bei seinem Besuch kritisierte Guterres zudem das Vorgehen Israels auf den besetzten Golanhöhen. „Bei seinem Besuch kritisierte Guterres Israel für dessen Vorgehen auf den Golan-Höhen." Hintergrund ist, dass Israel nach dem Sturz des Assad-Regimes Truppen in eine von der UNO überwachte Pufferzone auf den Golanhöhen entsandt hatte. „Israel hatte nach Assads Sturz Truppen in eine von der UNO überwachte Pufferzone auf den Golanhöhen entsandt."
Die Lage auf den Golanhöhen bleibt seitdem angespannt. „Seither führten israelische Streitkräfte wiederholt Angriffe und Vorstöße tiefer auf syrisches Gebiet aus." Die UNO hatte diese Entwicklung wiederholt kritisiert und zur Wahrung der bestehenden Waffenstillstandsvereinbarungen aufgerufen.
Humanitäre Lage in Syrien
Im Zentrum der Reise stand zugleich die humanitäre Lage der syrischen Bevölkerung. Nach UN-Angaben sind rund 15,6 Millionen Menschen im Land auf humanitäre Hilfe angewiesen. „Antonio Guterres forderte dabei internationale Hilfe für das von langen Jahren des Bürgerkriegs erschütterte Land." Die Vereinten Nationen spielten seit Beginn des Konflikts eine zentrale Rolle bei der Versorgung der betroffenen Bevölkerung mit Lebensmitteln, Medizin und Schutz.
Syrien war nach dem Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 weitgehend international isoliert. Mit dem Machtwechsel Ende 2024 und der Regierungsübernahme durch ein Bündnis unter Führung der islamistischen Gruppe Hayat Tahrir al-Scham (HTS) hat die syrische Regierung seither verstärkt versucht, wieder engere Kontakte zur internationalen Gemeinschaft aufzubauen. „Der ehemalige Dschihadistenführer regiert das Land seit dem Sturz von Langzeitmachthaber Baschar al-Assad Ende 2024."
Diplomatische Annäherung
Guterres hatte Syrien bereits im Jahr 2010 besucht, damals in seiner früheren Funktion als UN-Hochkommissar für Flüchtlinge. Der jetzige Besuch gilt als Signal an die Übergangsregierung in Damaskus, aber auch an die internationale Staatengemeinschaft, dass die Vereinten Nationen den Neuanfang in Syrien aktiv begleiten wollen.
Beobachter werten die Visite als Teil einer breiteren diplomatischen Annäherung an die neue syrische Führung. Erst kürzlich war der französische Emmanuel Macron das erste Staatsoberhaupt eines EU-Landes, das Syrien seit dem Machtwechsel erneut besuchte. Guterres’ Aufenthalt setzt diese Reihe internationaler Kontakte fort.
Die Reise fällt in eine Phase, in der die syrische Übergangsregierung um internationale Anerkennung und Investitionen wirbt. Gleichzeitig steht die Regierung vor der Aufgabe, den Übergang von der Herrschaft der Assad-Familie zu einer neuen politischen Ordnung institutionell abzusichern – ein Prozess, den die Vereinten Nationen nach eigenen Angaben beratend und logistisch unterstützen wollen.
Reaktionen und Ausblick
Der Sender Deutschlandfunk berichtete über den Besuch: „Diese Nachricht wurde am 25.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet." Damit fand der Besuch auch Eingang in die deutschsprachige Berichterstattung über die Entwicklungen in Syrien.
Mit seiner dreitägigen Präsenz in Damaskus verbindet Guterres mehrere Anliegen: die sichtbare Solidarität mit der syrischen Bevölkerung, die Würdigung des Leids der Opfer des Assad-Regimes und die diplomatische Unterstützung des politischen Neuanfangs. Zugleich machte er deutlich, dass die Vereinten Nationen an einer stabilen, souveränen syrischen Staatlichkeit interessiert seien.
Zum Abschluss seines Aufenthalts ist vorgesehen, dass Guterres die Eindrücke seiner Reise in New York vor dem UN-Sicherheitsrat zusammenfasst und einen Bericht über die humanitäre Lage sowie den politischen Übergang in Syrien vorlegt. Damit soll der internationale Druck für eine umfassende Unterstützung des Landes aufrechterhalten werden.
Fragen & Antworten
Wer ist Ahmed al-Scharaa und welche Rolle spielt er in Syrien?
Ahmed al-Scharaa ist Übergangspräsident Syriens und führt das Land seit dem Sturz von Langzeitmachthaber Baschar al-Assad Ende 2024. Er steht an der Spitze eines Bündnisses unter Führung der islamistischen Gruppe Hayat Tahrir al-Scham (HTS).
Was macht das Sednaja-Militärgefängnis so bekannt?
Das Sednaja-Militärgefängnis nahe Damaskus ist nach Angaben von Amnesty International und Menschenrechtsgruppen ein Ort schwerer Menschenrechtsverletzungen während des Assad-Regimes. Dort wurden Tausende Häftlinge gefoltert und ermordet, die meisten von ihnen oppositionelle Zivilpersonen.
Warum kritisiert Guterres das Vorgehen Israels auf den Golanhöhen?
Guterres kritisierte, dass Israel nach dem Sturz des Assad-Regimes Truppen in eine von der UNO überwachte Pufferzone auf den Golanhöhen entsandt hat. Seitdem habe Israel wiederholt Angriffe und Vorstöße auf syrisches Gebiet ausgeführt, was die territoriale Integrität Syriens verletze.
Guterres in Damaskus: Erster UN-Chef in Syrien seit 15 | finanz360