Trump ordnet beschleunigte Entwicklung von Quantencomputern an
Washington, 24. Juni 2026
Daniel Torok / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
US-Präsident Donald Trump hat per Erlass eine beschleunigte Entwicklung von Quantencomputern und ihren Einsatz in der Bundesverwaltung angeordnet. Mehrere Behörden, darunter die Nasa, sollen Fünfjahrespläne für den Einsatz der Technologie erarbeiten.
US-Präsident Donald Trump hat mit einer Executive Order eine beschleunigte Entwicklung von Quantencomputern und deren Einsatz durch US-Behörden angeordnet.
Mit der am Dienstag (Ortszeit) unterzeichneten Anweisung will die US-Regierung den Wettlauf um eine der wichtigsten Zukunftstechnologien verstärken. Im Zentrum steht das Energieministerium, das nach Angaben des Weißen Hauses bis 2028 einen Quantencomputer erhalten soll, der leistungsfähig genug für Forschungszwecke ist. Diesen Zielzeitpunkt nannte Michael Kratsios, der im Weißen Haus für Wissenschafts- und Technologiepolitik zuständige Trump-Vertraute.
„Zielmarke dafür sei das Jahr 2028, verkündete der im Weißen Haus für Wissenschafts- und Technologiepolitik zuständige Trump-Vertraute Michael Kratsios.“ Damit verbunden ist der Auftrag an mehrere Bundesbehörden, darunter die Weltraumagentur Nasa, Fünfjahrespläne für den konkreten Einsatz von Quantentechnologie zu erarbeiten. „Es heißt dort, dass mehrere US-Behörden - darunter die Weltraumagentur Nasa - Fünfjahrespläne für den Einsatz von Quantentechnologie ausarbeiten sollen.“
Hintergrund: Was Quantencomputer leisten sollen
Hintergrund ist die Erwartung, dass Quantencomputer heutige Rechner bei bestimmten Aufgaben um ein Vielfaches übertreffen könnten. „Quantencomputer sollen um ein Vielfaches leistungsstärker als heutige Rechner werden und den Weg zu neuen wissenschaftliche Durchbrüchen ebnen - so zumindest die Hoffnung.“ Praktisch einsetzbare Maschinen existieren bisher allerdings nicht. „Bisher sind leistungsstarke Quantencomputer noch in der Entwicklung.“
Als einer der führenden Akteure in dem Bereich hofft Google, zum Ende des Jahrzehnts praxistaugliche Quantencomputer zu bauen. Google zählt gemeinsam mit weiteren Konzernen aus dem Silicon Valley zu den Treibern der Technologie, an die sich seit Jahren hohe Erwartungen, aber auch massive Investitionen knüpfen. Der Markt für die zugrunde liegende Hardware gilt als strategisch sensibel, weil er über künftige Wettbewerbsvorteile in Wissenschaft, Wirtschaft und Militär mitentscheiden könnte.
Sicherheitsrisiken und neue Verschlüsselung
Gleichzeitig birgt die Technologie Risiken, die im Erlass ausdrücklich adressiert werden. Quantencomputer könnten in der Lage sein, viele der heute als sicher geltenden Verschlüsselungsverfahren zu knacken. „Tech-Konzerne wie Apple und Google führen deswegen schon seit Jahren neue Verschlüsselungstechniken ein, die der potenziellen Gefahr durch Quantencomputer standhalten sollen.“ Apple und Google bereiten ihre Produkte und Cloud-Dienste deshalb bereits auf eine Ära vor, in der klassische Kryptografie möglicherweise nicht mehr ausreicht.
Trump ordnete ebenfalls eine weitere Absicherung der US-Infrastruktur gegen Angriffe mit Hilfe von Quantentechnologie an. „Dabei sollen unter anderem Energieversorger und Wasserbetreiber mit Vorrang geschützt werden.“ Damit reagiert die Regierung auf die Sorge, dass staatliche oder private Angreifer künftig quantenbasierte Werkzeuge einsetzen könnten, um kritische Netze zu kompromittieren. Die Anweisung verknüpft damit Aufbau und Schutz der neuen Technologie in einem einzigen Dekret.
Die Anordnung fällt in eine Phase, in der Washington den technologischen Wettbewerb mit China auch mit industriepolitischen Mitteln verschärft. Beobachter werten den Erlass als Signal, dass Quantencomputing künftig ähnlich behandelt werden soll wie zuvor bereits Halbleiter und künstliche Intelligenz: als nationale Priorität mit eigener Förderarchitektur. Auch die US-Geheimdienste warnen seit längerem vor Risiken durch quantenfähige Verschlüsselungs-Knacker.
Reaktion der Märkte
Unmittelbar nach Bekanntwerden des Erlasses reagierten die Börsen. Die Aktie des Quantencomputer-Herstellers D-Wave stieg im nachbörslichen Handel an der New York Stock Exchange um 7,27 Prozent auf 26,25 Dollar. Rigetti Computing legte an der Technologiebörse Nasdaq um 4,35 Prozent auf 22,31 Dollar zu. Die Ausschläge zeigen, dass Investoren den Erlass als positives Signal für die Branche werten.
Im Erlass selbst wurde kein Zeitpunkt genannt, bis zu dem das Energieministerium über einen einsatzbereiten Quantencomputer verfügen soll. Erst durch die Pressekonferenz des Weißen Hauses wurde die Jahreszahl 2028 öffentlich gemacht. Fachleute weisen darauf hin, dass ein Forschungsrechner dieser Leistungsklasse bislang weltweit noch nicht existiert.
Industriepolitik und internationaler Wettbewerb
Branchenkenner sehen in der Anordnung weniger einen technologischen Wendepunkt als vielmehr eine politische Wegmarke. Die US-Regierung verpflichtet sich demnach, Quantentechnologie ähnlich zu behandeln wie andere Schlüsseltechnologien: mit eigenen Budgets, klaren Zuständigkeiten und einer ressortübergreifenden Strategie. Ob die Frist von 2028 tatsächlich zu halten ist, hängt unter anderem an Lieferketten für spezielle Komponenten.
Die Förderung dürfte auch Zulieferer und Start-ups in den USA betreffen, die an Kryotechnik, Fehlerkorrektur und neuartigen Chip-Architekturen arbeiten. Komponenten etwa von Nvidia gelten als relevant für Steuerungselektronik klassischer Systeme, die mit Quantenrechnern gekoppelt werden. Auch klassische Cloud-Anbieter mit eigenen Quanteninitiativen sehen sich durch den Erlass gestärkt.
Datenschutzbehörden weltweit beobachten die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Einerseits könnten quantenresistente Verschlüsselungsverfahren langfristig die Sicherheit von Bürgerdaten erhöhen. Andererseits warnen Expertinnen und Experten, dass Geheimdienste möglicherweise schon heute verschlüsselte Daten sammeln, um sie später mit Quantenrechnern zu entschlüsseln. Solche „Harvest now, decrypt later“-Szenarien gelten als ernstzunehmendes Risiko.
Auswirkungen auf Europa und Deutschland
In der Europäischen Union läuft derzeit ein eigenes Förderprogramm für Quantentechnologie, das in den kommenden Jahren Milliardenbeträge in Forschung und Pilotanlagen lenken will. Die US-Anordnung dürfte die Debatte in Brüssel und Berlin über eine eigene industrielle Strategie zusätzlich befeuern. Auch die deutsche Bankenbranche, die sich frühzeitig auf quantenresistente Kryptografie vorbereitet, sieht sich durch den Erlass in ihren Investitionen bestätigt.
Kritiker monieren, dass der Erlass überwiegend Ankündigungen bündle, ohne konkrete Haushaltsmittel zu beziffern. Solange keine verbindlichen Mittel im Kongress bewilligt würden, bleibe offen, in welchem Umfang die Zielsetzung tatsächlich umgesetzt werden könne. Befürworter halten dem entgegen, dass bereits die Bündelung der Zuständigkeiten und die klare Zeitvorgabe eine wichtige Signalwirkung hätten.
Kritik und offene Fragen
Die nächsten Schritte sollen in den kommenden Monaten sichtbar werden. Die zuständigen Behörden müssen ihre Fünfjahrespläne vorlegen, erste Beschaffungsverfahren für Quanten-Hardware werden erwartet, und die Cybersicherheitsbehörden werden prüfen, welche bestehenden Systeme als erste auf quantenresistente Verfahren umgestellt werden müssen. Bis dahin bleibt der Erlass vor allem ein politischer Rahmen, der Tempo vorgibt - und den Druck auf andere Technologienationen erhöht.
Abseits der politischen Ebene betonen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass Quantencomputer klassische Rechner nicht ersetzen, sondern ergänzen werden. Für Aufgaben wie Materialsimulation, Optimierungsprobleme oder bestimmte KI-Verfahren gelten sie als vielversprechend, während Alltagsanwendungen weiterhin auf klassischer Hardware laufen dürften. Der Erlass setzt damit einen Fokus auf jene Felder, in denen der technologische Sprung am größten ausfallen könnte.
Fragen & Antworten
Was hat US-Präsident Donald Trump per Erlass angeordnet?
Trump hat mit einer Executive Order eine beschleunigte Entwicklung von Quantencomputern sowie deren Einsatz durch US-Behörden angeordnet. Mehrere Bundesbehörden, darunter die Nasa, sollen Fünfjahrespläne für den Einsatz der Technologie ausarbeiten.
Welches Zieljahr nannte Michael Kratsios für den Quantencomputer des Energieministeriums?
Der für Wissenschafts- und Technologiepolitik zuständige Trump-Vertraute Michael Kratsios nannte das Jahr 2028 als Zielmarke. Im Erlass selbst wurde allerdings kein konkreter Zeitpunkt genannt.
Warum gelten Quantencomputer als Risiko für heutige Verschlüsselung?
Es besteht die Sorge, dass leistungsfähige Quantencomputer gängige Verschlüsselungsverfahren knacken könnten. Apple und Google führen deshalb bereits seit Jahren neue, quantenresistente Verschlüsselungstechniken ein, und Trump ordnete zusätzlich einen besseren Schutz der US-Infrastruktur an.