Treffen im Weißen Haus: Selenskyj spricht mit Trump über Luftabwehr und Kriegsende
Washington, 28. Juli 2026
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Kurzfassung
US-Präsident Donald Trump hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus empfangen. Im Mittelpunkt des gut einstündigen Gesprächs standen nach Angaben Selenskyjs die Stärkung der ukrainischen Luftabwehr gegen russische Angriffe und weitere US-Unterstützung für ein Ende des russischen Angriffskriegs.
US-Präsident Donald Trump hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am 28. Juli 2026 zu einem rund einstündigen Gespräch im Weißen Haus empfangen, bei dem es laut Selenskyj vor allem um die Stärkung der ukrainischen Flugabwehr und um weitere US-Unterstützung für ein Ende des russischen Angriffskriegs ging.
Das Treffen begann nach Angaben des Weißen Hauses um 9.47 Uhr Ortszeit (15.47 Uhr MESZ) und fand hinter verschlossenen Türen statt. Nach rund einer guten Stunde endete die Begegnung, wie US-Medien übereinstimmend berichteten. Im Anschluss stand eine Gedenkveranstaltung für den kürzlich verstorbenen republikanischen US-Senator Lindsey Graham auf dem Programm, an der laut Berichten alle drei Staatsgäste teilnehmen wollten.
Der ukrainische Präsident hatte das Treffen bereits im Vorfeld auf der Plattform X angekündigt und als Schwerpunkt die Stärkung der ukrainischen Luftabwehr gegen russische Raketenangriffe genannt. Auch eine Stärkung der Flugabwehr habe Priorität, sagte er im Vorfeld. Selenskyj sprach zudem davon, dass es um die Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen gegangen sei. „Der Präsident und ich haben über Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen gesprochen und andere Dinge, die helfen können“, erklärte er nach dem Gespräch.
Schwerpunkt Luftabwehr und Patriot-Lizenzen
Nach ukrainischen Angaben wurde bei dem Treffen auch über die Wiederbelebung diplomatischer Bemühungen zur Beendigung des Kriegs gesprochen. Laut Selenskyj sollte es bei dem Gespräch vor allem um weitere US-amerikanische Unterstützung für ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gehen. Beide Seiten hätten zudem „andere Dinge, die helfen können“ erörtert.
Selenskyj äußerte sich anschließend dankbar und lobte die Begegnung als ein „guten Treffen mit Präsident Donald J. Trump im Oval Office“. „Ich bin den Vereinigten Staaten dankbar für ihre feste Unterstützung“, sagte er. Außerdem dankte er den USA für die gemeinsamen Anstrengungen zum Schutz ukrainischer Leben und zur Förderung des Friedens: „Vielen Dank für alles, was wir gemeinsam tun, um das Leben der Ukrainer zu schützen und den Frieden voranzubringen.
Die Beziehung zwischen Trump und Selenskyj hatte sich nach einem heftigen öffentlichen Wortwechsel im Oval Office kurz nach Trumps Amtsantritt deutlich abgekühlt. Erst nach einer kurzen Unterredung im Vatikan im April 2025 habe es laut Selenskyj eine Wende gegeben. In der Folge hätten sich die Beziehungen zwischen den beiden Präsidenten wieder verbessert.
Vom Konflikt im Oval Office zur Annäherung
Bereits Anfang des Monats waren Trump und Selenskyj beim NATO-Gipfel in Ankara zusammengetroffen, Mitte Juni hatten sie sich beim G7-Gipfel im französischen Évian abgestimmt. Bei beiden Gipfeln trugen die USA auch gemeinsame Positionen zum Ukraine-Krieg mit. In Ankara hatte Trump zudem betont, dass er ein gutes Verhältnis zu seinem ukrainischen Amtskollegen habe.
Neben der Unterstützung der Ukraine bemühen sich die USA nach eigener Darstellung auch weiterhin als Vermittler im russisch-ukrainischen Krieg. Allerdings sind ihre Bemühungen für ein Kriegsende zuletzt aber auch infolge des eigenen Kriegs gegen den Iran in den Hintergrund geraten. Der Ukraine-Krieg sei in den USA seit Längerem vom Krieg mit dem Iran überlagert, hieß es in Berichten.
USA als Vermittler – Bemühungen im Schatten des Iran-Kriegs
Trump steht zudem wegen seiner Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin seit Längerem in der Kritik. Auch der Ukraine-Krieg und der Iran-Krieg stehen zugleich auf Trumps Agenda. Für die Unterstützung der Ukraine gilt der jüngst verstorbene Senator Lindsey Graham als einer der wichtigsten Fürsprecher in Washington. „Dieser galt sowohl als wichtiger Unterstützer der Ukraine als auch Israels im US-Kongress“, hieß es dazu.
In Kiew soll Selenskyj zudem kurz vor Grahams Tod mit dem Trump-Verbündeten gesprochen haben, der dabei die Unterstützung des Weißen Hauses für ein neues Sanktionspaket gegen Russland ankündigte. Dieses Sanktionspaket richtet sich unter anderem gegen Staaten, die russische Energiequellen importieren und so den Krieg gegen die Ukraine mitfinanzieren. Es liegt allerdings seit Längerem im US-Senat fest.
Sanktionspaket gegen Russland und Grahams Vermächtnis
Nach dem Tod Grahams versuchen dem Bericht zufolge mehrere Senatoren, das zentrale Anliegen ihres verstorbenen Kollegen zu einem Abschluss zu bringen. Der Anlass für die Reise nach Washington ist die Trauerfeier für Graham, zu der neben Selenskyj auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erwartet wurde.
Nach Selenskyj empfing Trump am selben Tag auch noch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Washington. Netanjahu reist als Gast von US-Präsident Donald Trump in die US-Hauptstadt. Wichtigstes Thema bei dem Treffen mit Trump werde Iran sein, sagte Netanjahu zu Beginn seiner US-Reise.
Israel und Iran auf der Tagesordnung
Israelische Medien wie der Sender N12 berichteten, Netanjahu wolle Trump mit Geheimdiensterkenntnissen über die angeblichen iranischen Bemühungen zum Wiederaufbau militärischer Kapazitäten versorgen, einschließlich des Baus einer Atombombe. Teheran weist solche Berichte seit Jahren zurück. Allerdings war das Verhältnis zwischen Trump und Netanjahu in den vergangenen Monaten wegen Differenzen über den Iran-Krieg angespannt.
Israel habe den Krieg Medienberichten zufolge offenbar fortsetzen wollen, während Trump lange auf eine diplomatische Lösung setzte. Nahost-Experte Bauke Baumann sagte auf ZDFheute live, das Verhältnis zwischen USA und Israel sei beschädigt. „Das Verhältnis zwischen USA und Israel sei beschädigt, sagt Nahost-Experte Bauke Baumann über das einseitige Abkommen mit Iran. Es gebe einen Bruch, der Israel schade“, hieß es.
Die Zeitung „Times of Israel“ schrieb zudem, Trump davon zu überzeugen, einen ins Stocken geratenen diplomatischen Prozess zugunsten eines großangelegten Militäreinsatzes aufzugeben, dürfte eine große Herausforderung sein. Netanjahus letzter Besuch im Weißen Haus datiert auf Februar; damals ging es ebenfalls um den Umgang mit dem Iran. Etwa zweieinhalb Wochen nach jenem Februar-Treffen hatten die USA und Israel ihre gemeinsamen Angriffe gegen die Islamische Republik Iran begonnen.
Israel stehe im Oktober vor einer entscheidenden Wahl. Der Bericht wurde am 28. Juli 2026 im Programm Deutschlandfunk ausgestrahlt. Grundlage war unter anderem eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Am 27. Juli 2026 hatten die Ukraine und Russland gegenseitige Angriffe gemeldet; in der Ukraine kam demnach ein Mann ums Leben, Russland meldete zwei Tote durch ukrainische Angriffe in mehreren Regionen.
Gleichzeitig bahnt sich für die Ukraine eine Ausweitung der eigenen Rüstungsproduktion an: Das Land soll künftig Patriot-Raketen selbst herstellen dürfen. Das Gespräch zwischen Trump und Selenskyj habe nach ukrainischer Darstellung diesen Aspekt ausdrücklich eingeschlossen. Damit rückt eine bislang vor allem von den USA betriebene Komponente der ukrainischen Verteidigung näher an eine europäisch-ukrainische Eigenproduktion.
Fragen & Antworten
Was war das wichtigste Thema des Treffens von Selenskyj mit Trump?
Laut Selenskyj standen die Stärkung der ukrainischen Flugabwehr gegen russische Angriffe und weitere US-Unterstützung für ein Ende des russischen Angriffskriegs im Mittelpunkt. Er sprach zudem über Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen.
Wer war Lindsey Graham und warum war die Gedenkveranstaltung relevant?
Lindsey Graham war ein republikanischer US-Senator, der als wichtiger Unterstützer der Ukraine und Israels im US-Kongress galt. Die Trauerfeier für Graham war der Anlass für die Washington-Reise von Selenskyj und Netanjahu.
Was steht beim anschließenden Treffen zwischen Trump und Netanjahu im Mittelpunkt?
Nach eigenen Angaben Netanjahus soll es bei seinem Treffen mit Trump vor allem um den Iran gehen. Berichten zufolge will er US-Geheimdiensterkenntnisse über angebliche iranische Rüstungs- und Atomprogramme vorlegen.
Selenskyj bei Trump: Luftabwehr und Ukraine-Krieg im Fokus | finanz360