In der slowakischen Hauptstadt Bratislava haben am Sonntag Tausende Menschen gegen die geplante Abschaffung des Briefwahlrechts für im Ausland lebende Slowaken demonstriert. Die Regierung unter Ministerpräsident Robert Fico plant, die Möglichkeit der postalischen Stimmabgabe aus dem Ausland zu streichen, was künftig eine persönliche Abstimmung in offiziellen Vertretungen oder speziellen Wahllokalen erfordern würde.

Hintergrund der geplanten Wahlrechtsänderung

Die Regierung begründet den Vorstoß mit angeblichen Sicherheitsbedenken und dem Ziel, Wahlbetrug zu verhindern. Kritiker sehen darin jedoch einen gezielten Versuch, die Wahlbeteiligung von Auslandsslowaken zu erschweren. Bei den Parlamentswahlen im Oktober 2023 hatte eine große Mehrheit der im Ausland lebenden Slowaken für die oppositionellen Parteien gestimmt.

Besonders betroffen wären Slowaken in Ländern wie den USA, Brüssel oder Prag, wo bisher die Briefwahl stark genutzt wurde. Die Opposition wirft der Regierung vor, mit der geplanten Änderung gezielt ihre Wählerschaft zu benachteiligen. "Das ist ein klarer Angriff auf demokratische Rechte", sagte ein Sprecher der oppositionellen Demokratischen Partei.

Reaktionen und Proteste

Die Ankündigung der Regierung löste breite Empörung aus. Neben der Demonstration in Bratislava gab es auch in anderen europäischen Städten Solidaritätskundgebungen. Teilnehmer der Proteste betonten, dass die Briefwahl für viele im Ausland lebende Slowaken die einzige praktikable Möglichkeit sei, ihr Wahlrecht auszuüben.