Stephen Colbert moderiert heute Abend zum letzten Mal die "Late Show", nachdem CBS die seit 33 Jahren laufende Sendung aus finanziellen Gründen abgesetzt hat.
Mehr als zehn Jahre lang begrüßte Stephen Colbert Gäste und Publikum der berühmten "Late Show" im US-Fernsehen - heute Abend allerdings zum letzten Mal. "Ich dachte eigentlich, dass der heutige Abend vielleicht ein bisschen traurig wird, weil deine Zeit hier zu Ende geht. Aber das erfüllt mein Herz mit wahrer Freude", erklärte David Letterman, der frühere Moderator der Show.
In diesem New Yorker Gebäude wird die legendäre "Late Show" seit fast 33 Jahren produziert. Doch nun ist Schluss: "Denn die 'Late Show' wird vom Sender abgesetzt", so Colbert. Der Sender CBS spricht von einer "rein finanziellen Entscheidung". Fakt ist: Die Sendung hat 40 bis 50 Millionen Dollar Verlust pro Jahr gemacht.
Das sieht man an den Zahlen: 2018 haben sie noch etwa 450 Millionen an Werbebudgets eingespielt, 2024 sind es noch 220 Millionen. Der CBS-Mutterkonzern Paramount hatte im vergangenen Sommer das Ende der Sendung angekündigt.
Finanzielle Gründe
Für die letzte Show hatte Colbert besondere Gäste eingeladen. Paul McCartney, die Beatles-Legende, war einer davon. "Du bist der perfekte letzte Gast", sagte Colbert bei dessen Begrüßung schmeichelnd. "Ich war gerade in der Gegend und musste ein paar Besorgungen erledigen", antwortete McCartney nur.
Es war eine hübsche Pointe von Colbert, ausgerechnet den 83-jährigen Beatles-Veteranen einzuladen, hatte doch seine Band im Februar 1964 im selben New Yorker Studio in der Ed Sullivan Show ihren ersten Auftritt in den Vereinigten Staaten. Damals hätte die Band von allen Seiten gesagt bekommen, welche große Chance sich ihnen dort biete und tatsächlich sollen mehr als 70 Millionen Menschen zugeschaut haben. "Aber um ehrlich zu sein, hatten wir nie von ihm gehört", sagte McCartney.
Colbert eröffnete die Show mit seinem gewohnten Monolog und teilte dem Publikum mit, dass es sich um einen ganz normalen Ablauf handeln werde und nicht um eine "spezielle" Abschiedsfolge. Während der letzten Ausgabe der "Late Show" wurde viel spekuliert, wer Colberts letzter Stargast werden würde.
Besondere Gäste
Die 83-jährige Beatles-Legende sagte zu dem Late-Night-Talker: "Ich war gerade in der Gegend. Ich hatte ein paar Besorgungen zu erledigen." Colbert scherzt über Zukunftspläne Der Sänger sang den Beatles-Klassiker "Hello, Goodbye" und plauderte mit Colbert über frühere Auftritte, dann wurde es ein wenig politisch.
McCartney sagte auf Colberts Frage, wie der Brite Amerika vor Jahrzehnten bei Auftritten wahrgenommen habe: "Als das Land der Freiheit, die größte Demokratie." Er setzte fort: "Hoffentlich ist es das immer noch." Auch andere Late-Night-Moderatoren zeigten sich in Sketches.
Zu seinen Zukunftsplänen scherzte Colbert, viele fragten ihn, was er nun tun werde: "Die Antwort ist: Drogen." Bekannt ist bisher, dass er am Drehbuch eines künftigen "Herr der Ringe"-Films mitschreiben soll.
"Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe es auf jeden Fall gespürt." Colbert hatte "The Late Show" im Jahr 2015 von David Letterman übernommen, nachdem er sich durch seine Zusammenarbeit mit Jon Stewart bei der "Daily Show" und als Moderator von "The Colbert Report", einer Parodie auf rechtsgerichtete Talkshows, einen Namen gemacht hatte.
Politische Kontroversen
Der CBS-Mutterkonzern Paramount zahlte Trump 16 Millionen Dollar in einem Rechtsstreit über ein Interview mit dessen demokratischer Rivalin Kamala Harris. Der Präsident hatte der CBS-Sendung "60 Minutes" vorgeworfen, ein langes Interview mit Harris so geschnitten zu haben, dass es eine schwache Antwort kaschiert habe. "60 Minutes" bestritt das und veröffentlichte auch ein Transkript, um die Vorwürfe zu widerlegen.
Colbert – ein scharfer Kritiker Trumps – kommentierte den Vergleich in seiner Sendung damals als "eine große, fette Schmiergeldzahlung". Paramount bemühte sich zu diesem Zeitpunkt um die Zustimmung der Regierung zu einer 8,4 Milliarden Dollar schweren Fusion mit Skydance Media. Sie habe "in keiner Weise" mit dem Inhalt der Sendung "oder anderen Angelegenheiten bei Paramount zu tun", hieß es damals.
Nach einer Phase der Transformation könnte die Late Night im Internet - in Video-Podcasts oder auf YouTube - eine Zukunft haben, glaubt Jason Zinoman: "Vielleicht wird das Interesse der Menschen mit dem Vormarsch der KI sogar noch größer. Und genau darum geht es im Kern bei diesem Genre."
Zukunft der Late Night
Für den "Tag danach" hat US-Moderator Colbert bereits einen wichtigen Termin: die Hochzeit seines Bruders. Aber auch beruflich wird der beim Publikum beliebte 62-Jährige sicher nicht von der Bildfläche verschwinden. Zuerst aber arbeitet er an einem Drehbuch für einen neuen "Herr der Ringe"-Film mit.
