Der italienische Weltranglistenerste Jannik Sinner ist am Mittwoch in der zweiten Runde der French Open in Paris überraschend am Argentinier Juan Manuel Cerundolo gescheitert.

Bei Temperaturen von über 30 Grad Celsius kämpfte der 24-jährige Südtiroler nicht nur gegen seinen Gegner, sondern auch gegen massive körperliche Probleme. Nach einer scheinbar souveränen 2:0-Satzführung brach Sinner ab dem dritten Durchgang ein und verlor die Partie noch mit 6:3, 6:2, 5:7, 1:6, 1:6.

Sinner, der mit einer beeindruckenden Serie von 30 Siegen in Folge nach Paris gereist war, wirkte zu Beginn unantastbar. Er dominierte die ersten beiden Sätze nach Belieben und ließ dem 56. der Weltrangliste keine Chance.

Der körperliche Einbruch

Doch im dritten Satz wendete sich das Blatt. Sinner, sichtlich gezeichnet von der brütenden Hitze auf dem Court Philippe Chatrier, verlor zunehmend an Kraft und Präzision. Cerundolo, der jüngere und weniger bekannte der beiden Tennis-Brüder aus Argentinien, nutzte seine Chance und kämpfte sich zurück in die Partie.

Der körperliche Verfall des Favoriten wurde im vierten Satz dramatisch deutlich. Sinner konnte kaum noch mithalten und kassierte ein schnelles 1:6. Zwischenzeitlich verließ er sogar den Platz und suchte die Kabine auf, um sich behandeln zu lassen.

Im entscheidenden fünften Satz war Sinner nur noch ein Schatten seiner selbst. Cerundolo, der 2021 bei seinem ersten ATP-Hauptfeld-Auftritt gleich das Turnier gewann und damit erst der zweite Spieler der Geschichte war, dem dies gelang, behielt die Nerven und sicherte sich mit einem weiteren 6:1 den größten Sieg seiner Karriere.

Cerundolos Sternstunde

Für Sinner endet damit eine außergewöhnliche Siegesserie abrupt. Der vierfache Grand-Slam-Champion aus Südtirol hatte zuletzt die Tenniswelt dominiert und galt als Topfavorit auf den Titel in Roland Garros.

Cerundolo hingegen feiert den Coup seines Lebens. Der 56. der Weltrangliste, der stets im Schatten seines erfolgreicheren Bruders stand, bewies auf der großen Bühne Nervenstärke und nutzte die Schwäche des Superstars eiskalt aus.

Auswirkungen auf das Turnier

Die Partie wird als eines der dramatischsten Spiele des Turniers in Erinnerung bleiben. Sie zeigte einmal mehr, wie gnadenlos die Bedingungen bei Grand-Slam-Turnieren sein können und dass selbst ein scheinbar unschlagbarer Spieler an seine Grenzen stoßen kann.

Sinner selbst äußerte sich nach der Partie nicht zu seinem körperlichen Zustand. Sein Team verwies auf die extreme Hitze, die dem Spieler massiv zugesetzt habe. Eine genauere medizinische Untersuchung soll in den kommenden Tagen Klarheit bringen.

Für das Turnier bedeutet das Aus des Weltranglistenersten eine völlig neue Ausgangslage. Die Konkurrenz wittert nun ihre Chance auf den Titel, während Sinner die nächsten Wochen nutzen muss, um sich zu erholen und die Ursachen für seinen Einbruch zu analysieren.