SAP hebt nach starkem Cloud-Wachstum ab und korrigiert Jahresprognose leicht nach unten
Frankfurt, 24. Juli 2026
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Kurzfassung
SAP hat im zweiten Quartal 2026 vor allem mit einem überraschend starken Cloud-Geschäft überzeugt: Der Current Cloud Backlog stieg um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Wegen der Übernahmen von Dremio und Prior Labs senkte der Konzern jedoch seine Prognose für das bereinigte operative Ergebnis leicht auf 13 bis 17 Prozent.
Der Walldorfer Softwarekonzern SAP hat am späten Abend des 23. Juli 2026 nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026 vorgelegt und dabei vor allem mit einem überraschend starken Cloud-Geschäft sowie einer leicht gesenkten Jahresprognose auf sich aufmerksam gemacht.
Im zweiten Quartal 2026 stieg der Gesamtumsatz von SAP im Jahresvergleich um 9 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro. Der Nettogewinn in den drei Monaten bis Ende Juni belief sich auf 2,21 Milliarden Euro und lag damit mehr als ein Viertel über dem Vorjahreswert. In der ersten Jahreshälfte erzielte der Konzern rund 4,2 Milliarden Euro Gewinn.
Das bereinigte operative Ergebnis wuchs im Quartal um 7 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro und blieb damit hinter den Erwartungen zurück. Mit dem Cloud-Geschäft allein erlöste SAP zwischen April und Juni fast 6,3 Milliarden Euro. Der Cloud-Vertragsbestand für die kommenden zwölf Monate, der sogenannte Current Cloud Backlog, legte um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro zu und wuchs damit schneller als im ersten Quartal.
Quartalszahlen im Überblick
Wegen der Übernahmen der Softwarefirmen Dremio und Prior Labs senkte SAP die Prognose für das bereinigte operative Ergebnis leicht. Der Konzern rechnet nun mit einem Wachstum von 13 bis 17 Prozent, zuvor waren 14 bis 18 Prozent erwartet worden. Die übrigen Jahresziele, darunter die Umsatzkennzahlen und ein erwarteter Free Cashflow von rund 10 Milliarden Euro, wurden bestätigt.
Die Übernahmen sind nach Angaben von Finanzvorstand Dominik Asam der einzige Grund für die Anpassung des Ausblicks. Beide Firmen würden im zweiten Halbjahr Verluste einbringen, sagte Asam in einer Telefonkonferenz mit Journalistinnen und Journalisten. Als weiteren Belastungsfaktor nannte er höhere Marketingkosten für die KI-Produktangebote.
Leicht gesenkte Jahresprognose
SAP-Chef Christian Klein verwies auf eine starke Nachfrage nach Angeboten rund um Künstliche Intelligenz. „Dieses Ergebnis wird durch unsere Strategie für das autonome Unternehmen gestützt, in deren Rahmen unsere SAP Autonomous Suite und SAP Business AI Platform auf große Resonanz stoßen“, sagte Klein. Auch in diesem Quartal habe man ein starkes Wachstum beim Current Cloud Backlog erzielt.
Klein sieht im aktuellen Geschäft einen Beleg dafür, dass Kundinnen und Kunden SAP-Produkte wählten, weil diese präzise und rechtskonforme KI-Ergebnisse auf Basis der eigenen Geschäftsprozesse und Daten lieferten. Aktuelle KI-Modelle seien allein noch nicht zuverlässig genug, um Unternehmensprozesse darauf aufzubauen. Der Konzern setze „alles auf KI“, sagte Klein auf der Hauptversammlung.
KI als strategischer Mittelpunkt
Hintergrund der KI-Strategie ist ein globaler Trend: Unternehmen investieren in moderne cloudbasierte Softwaresysteme, um KI-Funktionen zu integrieren und Kosten zu senken. KI-Anwendungen werden verstärkt zur Analyse großer Datenmengen sowie zur automatisierten Erstellung von Texten und Programmiercode eingesetzt. Kunden zahlen Software zunehmend über laufende Abonnements statt einmaliger Käufe.
Gleichzeitig wächst die Sorge, dass generative KI künftig selbst Software schreiben könnte und damit klassische Softwareanbieter unter Druck geraten. SAP stellt sich dem nach eigenem Bekunden durch Übernahmen, interne Restrukturierung und den Aufbau sicherer, präziser und nachvollziehbarer KI-Lösungen entgegen. Beschäftigte müssten neue Fähigkeiten erlernen oder würden schrittweise ersetzt, wenn KI intern stärker zum Einsatz komme.
Übernahmen Dremio und Prior Labs
Im Mai hatte SAP zwei neue Übernahmen angekündigt, darunter das Freiburger Forschungs-Startup Prior Labs. Prior Labs ist auf Tabular Foundation Models spezialisiert, also KI-Modelle für tabellarische, finanzielle und geschäftliche Daten, und hat Standorte in Freiburg im Breisgau, Berlin und New York. Dremio ist ein US-Unternehmen, das eine Plattform zur Analyse großer Datensätze auf Basis offener Standards wie Apache Iceberg und Apache Arrow entwickelt.
Die Aktie reagierte auf die Nachrichten mit deutlichen Kursgewinnen. Im vorbörslichen Handel legte das Papier kräftig zu, nachdem Europas größter Softwarekonzern robuste Geschäftszahlen vorgelegt hatte. Die in New York gehandelten Hinterlegungsscheine von SAP stiegen im nachbörslichen Handel um 6 Prozent. Am Mittag des 24. Juli 2026 gewannen die SAP-Papiere im Frankfurter Handel knapp sieben Prozent und erholten sich damit von ihrem niedrigsten Stand seit November 2023, den sie am Vortag erreicht hatten.
Kursreaktion und DAX-Umfeld
SAP gehört zu den Schwergewichten im DAX. Seit seinem Rekordhoch im Februar 2025 hat das Papier deutlich an Wert verloren und gehörte 2026 bislang zu den schwächsten DAX-Titeln. Im vergangenen anderthalb Jahren hatte sich der Kurs von mehr als 280 Euro auf zeitweise unter 130 Euro etwa halbiert. Der DAX selbst präsentierte sich am Freitagvormittag freundlich und legte im frühen Handel moderat zu; auf Wochensicht deutete sich ein moderates Plus an.
Auch andere deutsche Softwarewerte profitierten. Aktien von Nemetschek, Teamviewer und Atoss Software legten zu. Mit zwischenzeitlichen Anstiegen von drei bis sechs Prozent gehörten sie zu den größten Gewinnern im MDAX und SDAX. Der Münchner Spezialist für Personalmanagement Atoss steigerte im zweiten Quartal Umsatz und Gewinn und profitierte dabei von einer hohen Nachfrage nach Cloud-Lösungen; der Cloud-Vertragsbestand erhöhte sich im Jahresvergleich um 25 Prozent, zudem fiel die Profitabilität über den Erwartungen des Marktes aus.
Stimmen aus dem Markt
An der Börse wurde die Entwicklung positiv aufgenommen. Auch Charles Brennan vom Investmenthaus Jefferies wertete die Entwicklung als Signal gegen die zuletzt verbreitete Zurückhaltung der Anleger. Oliver Frey von der Privatbank Metzler sagte: „Das zweite Quartal kann die zuletzt spürbaren Bedenken rund um das Trendthema Künstliche Intelligenz etwas mildern.“ Der Euro Stoxx 50 notierte ebenfalls im Plus, die US-Börsen wurden vor Handelsbeginn höher erwartet.
Asam bilanzierte: „Wir haben im zweiten Quartal erneut starke Ergebnisse geliefert und trotz eines unbeständigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds ein kontinuierliches Wachstum beim Current Cloud Backlog und Free Cashflow erzielt.“ Die Jahresprognose von SAP setzt unter anderem eine kurzfristige Deeskalation im Nahost-Krieg voraus. Gleichzeitig hielt sich der Brent-Ölpreis über der Marke von 100 US-Dollar, während der japanische Nikkei 225 den Handel in Asien leicht im Minus beendete.
Am selben Tag musste allerdings Volkswagen einen Dämpfer vermelden: Der Autobauer verdiente im zweiten Quartal nochmals weniger als im ohnehin schwachen Vorjahreszeitraum und senkte zugleich den Umsatzausblick. Damit blieb SAP in einem insgesamt freundlichen Börsenumfeld der positive Ausreißer unter den deutschen Standardwerten.
Der Artikel wurde am 24.07.2026 um 10:15 Uhr veröffentlicht. Hinweis: Im Durchschnitt erleiden 7 von 10 Kleinanlegern Verluste beim Handel mit Turbozertifikaten. Das öffentliche Angebot der genannten derivativen Produkte erfolgt ausschließlich auf Grundlage eines Wertpapierprospekts, der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gebilligt wurde.
Fragen & Antworten
Wie hat SAP im zweiten Quartal 2026 abgeschnitten?
Der Gesamtumsatz stieg um 9 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro, der Nettogewinn lag mit 2,21 Milliarden Euro mehr als ein Viertel über dem Vorjahreswert. Das bereinigte operative Ergebnis wuchs um 7 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro und blieb damit hinter den Erwartungen zurück.
Warum hat SAP seine Jahresprognose gesenkt?
SAP senkte die Prognose für das bereinigte operative Ergebnis auf 13 bis 17 Prozent Wachstum, weil die übernommenen Softwarefirmen Dremio und Prior Labs im zweiten Halbjahr Verluste einbringen werden. Nach Angaben von Finanzvorstand Dominik Asam sind die Übernahmen der einzige Grund für die Anpassung.
Wie reagierten Anleger und Analysten auf die Zahlen?
Die SAP-Aktie legte vorbörslich und im nachbörslichen US-Handel deutlich zu und stieg im Frankfurter Mittagshandel um knapp sieben Prozent. Analyst Charles Brennan von Jefferies wertete die Entwicklung als Signal gegen die zuletzt verbreitete Zurückhaltung der Anleger, Oliver Frey von Metzler sprach von einer Milderung der jüngsten KI-Bedenken.
SAP Aktie Q2 2026: Cloud-Backlog wächst 27%, Prognose | finanz360