Drohnenangriff Rumänien: Russische Drohne schlägt in Galați | finanz360
Russische Drohne trifft Hochhaus in rumänischer Grenzstadt Galați – zwei Leichtverletzte
Galați, 29. Mai 2026
AI-generated image (google/gemini-3.1-flash-image-preview via OpenRouter)
Kurzfassung
In der rumänischen Stadt Galați nahe der ukrainischen Grenze ist eine Drohne in ein Wohnhochhaus eingeschlagen. Zwei Menschen wurden leicht verletzt, rund 70 Bewohner in Sicherheit gebracht.
Galați, 29. Mai 2026
In der Nacht zum Freitag ist eine Drohne in ein zehnstöckiges Wohnhaus in der rumänischen Stadt Galați an der Grenze zur Ukraine eingeschlagen und hat einen Brand ausgelöst.
Einschlag und Rettungseinsatz
Der Einschlag ereignete sich kurz nach 1:00 Uhr Ortszeit und löste einen Brand im zehnten Stock des Gebäudes aus. Nach Angaben der rumänischen Behörden wurden zwei Personen leicht verletzt und vor Ort versorgt. Eine Frau und ihr Kind wurden mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht, wie der staatliche Nachrichtendienst Agerpres unter Berufung auf Rettungsdienste meldete. Zwei weitere Menschen wurden wegen Panikattacken behandelt.
Rund 70 Bewohnerinnen und Bewohner des Gebäudes wurden von den Einsatzkräften in Sicherheit gebracht. Das Feuer, das durch die Explosion ausgelöst worden war, konnte inzwischen gelöscht werden. Nach Angaben des stellvertretenden Innenministers Raed Arafat wurden zwei Treppenhäuser und fünf vor dem Gebäude geparkte Autos beschädigt.
Die Trümmerteile am Einschlagsort deuten nach Einschätzung von Analysten auf eine russische Geran-2-Drohne hin, die üblicherweise mit 60 bis 90 Kilogramm Sprengstoff bestückt ist. Die gesamte Sprengladung der Drohne sei detoniert, hieß es. Ein auf Explosionen spezialisiertes Ermittlerteam wurde noch in der Nacht zum Einsatzort entsandt.
Das rumänische Verteidigungsministerium teilte mit, dass der Vorfall sich während eines russischen Angriffs auf zivile Ziele und Infrastruktur in der Ukraine ereignete. Eine der Drohnen sei in den rumänischen Luftraum eingedrungen und über dem Hochhaus in Galați abgestürzt. Die Drohne befand sich etwa vier Minuten lang im rumänischen Luftraum, bevor sie einschlug.
Militärische Reaktion und Luftraumüberwachung
Zwei rumänische F-16-Kampfjets starteten um 1:19 Uhr vom Militärstützpunkt Fetești und wurden von einem Hubschrauber der Luftwaffe unterstützt. Die Piloten waren autorisiert, die Drohne abzuschießen. Allerdings flog die Drohne so niedrig, dass das Radar sie kaum erfassen konnte. Rumänien verfügt seit Ende 2025 über das US-amerikanische Drohnenabwehrsystem Merops mit KI-gestützten AS3-Surveyor-Abfangdrohnen, doch das Militär entschied sich gegen deren Einsatz, weil das Risiko über dicht besiedeltem Gebiet als zu hoch eingestuft wurde.
Das rumänische Außenministerium bestellte den russischen Botschafter in Bukarest ein und warf Moskau eine „schwere und unverantwortliche Eskalation“ vor. Außenministerin Oana-Silvia Țoiu sprach von einer schweren Verletzung des Völkerrechts. Präsident Nicușor Dan erklärte, sein Land werde nicht hinnehmen, dass der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine auf die eigene Bevölkerung übergreife. Er wies das Außenministerium an, umgehend ein Maßnahmenpaket für die Beziehungen zu Russland vorzulegen.
Internationale Verurteilung
NATO-Generalsekretär Mark Rutte sicherte Rumänien auf der Plattform X „uneingeschränkte Solidarität“ zu und kündigte weitere Anstrengungen des Bündnisses bei der Drohnenabwehr an. „Russlands rücksichtsloses Verhalten ist eine Gefahr für alle“, schrieb Rutte. „Dieser Vorfall zeigt, dass die Folgen des illegalen Angriffskrieges nicht an Grenzen haltmachen.“ Die NATO-Sprecherin Allison Hart erklärte: „Wir verurteilen Russlands Rücksichtslosigkeit, und die NATO wird ihre Verteidigung gegen alle Bedrohungen weiter stärken - auch gegen Drohnen.“
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte den Drohneneinschlag scharf. „Russlands Angriffskrieg hat eine weitere Grenze überschritten. Ein russischer Drohnenangriff traf ein dicht besiedeltes Gebiet in Rumänien und verletzte Zivilisten. Auf EU-Gebiet“, schrieb sie auf X. Die EU werde die Sicherheit entlang ihrer Ostgrenze weiter stärken und arbeite aktiv an einem weiteren Sanktionspaket gegen Russland.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bezeichnete den Vorfall als „eklatante und schwerwiegende Verletzung der Souveränität eines NATO- und EU-Staates und des europäischen Luftraums“. Sie telefonierte mit der rumänischen Außenministerin Oana Toiu, um Rumänien die Solidarität der EU zuzusichern. Auch der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) verurteilte das Vorgehen Russlands und kündigte zusätzliche Anstrengungen zur Stärkung der ukrainischen Verteidigungsfähigkeit und der europäischen Verteidigung innerhalb der NATO an.
Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha beschrieb das Eindringen der Drohne in den rumänischen Luftraum als Bedrohung für die gesamte Schwarzmeerregion und Europa. Frankreich bestellte ebenfalls den russischen Botschafter ein. Außenminister Jean-Noël Barrot nannte den Vorfall unverantwortlich. Der französische Europaminister Benjamin Haddad betonte, dass Russland eine Bedrohung für die europäische Sicherheit darstelle, und verwies auf die unter NATO-Sicherheitsmissionen in Rumänien stationierten französischen Truppen.
Vorgeschichte und Grenzlage
Der US-Botschafter bei der NATO, Matthew Whitaker, verurteilte das Eindringen der Drohne in rumänisches Territorium auf X, ohne Russland ausdrücklich beim Namen zu nennen. Er erklärte, die USA würden „jeden Zentimeter des Nato-Territoriums verteidigen“. Rumänien hat seine Verbündeten und NATO-Generalsekretär Rutte über den Vorfall informiert und um eine Beschleunigung der Lieferung von Drohnenabwehrsystemen gebeten.
Es ist das erste Mal seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine, dass eine Drohne ein dicht besiedeltes Gebiet in Rumänien getroffen hat. Bereits vor einem Monat war eine russische Drohne über Galați abgestürzt und hatte nach Behördenangaben das Nebengebäude eines Wohnhauses getroffen. Verletzt wurde damals niemand. Seit Beginn des Krieges wurden immer wieder Trümmer russischer Drohnen im rumänisch-ukrainischen Grenzgebiet gefunden.
Nach Angaben des rumänischen Verteidigungsministeriums haben russische Drohnen den rumänischen Luftraum seit Beginn der Angriffe auf ukrainische Donauhäfen 28 Mal verletzt. Auch Drohnen oder Geschosse aus der Ukraine drangen vereinzelt in den Luftraum von NATO-Staaten ein. In den vergangenen Wochen waren ukrainische Drohnen in den Luftraum baltischer Staaten eingedrungen und hatten für Unruhe und wachsende Spannungen mit Russland gesorgt.
Die Stadt Galați mit rund 200.000 Einwohnern liegt an der Donau im Dreiländereck zwischen Rumänien, der Republik Moldau und der Ukraine. Die Grenzen zur Republik Moldau und zur Ukraine sind jeweils nur einige Kilometer entfernt. Der ukrainische Donauhafen Reni liegt unweit von Galați, wobei die Donau die NATO-Außengrenze bildet. Auch der strategisch wichtige Hafen Ismajil, etwa 90 Kilometer entfernt, wurde in der Nacht erneut mit Drohnen angegriffen.
Hintergrund: Der Krieg in der Ukraine
Russland greift die Ukraine fast täglich mit zahlreichen Drohnen und Raketen an. Analyst Markus Reisner, Oberst des österreichischen Bundesheeres an der Theresianischen Militärakademie, erklärte, beide Seiten könnten derzeit eigentlich nur noch mit gegenseitigen Luftangriffen eskalieren. Russland setze fast täglich 150 bis 200 Drohnen gegen die Ukraine ein. Eine Stellungnahme aus Moskau lag zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht vor.
Das rumänische Innenministerium teilte auf Facebook mit, dass zunächst keine weiteren Drohnen gesichtet worden seien. Die Behörden riefen die Bewohner der Grenzregionen Brăila, Galați und Tulcea auf, Schutz zu suchen. Für die kommenden Tage sind Gespräche mit Rumänien und dem Militärbündnis geplant, um den Vorfall zu bewerten. Das Vereinigte Königreich unterstützt die rumänische Luftverteidigung aufgrund des Ukraine-Krieges mit Typhoon-Kampfjets.
Weitere Vorfälle und Ausblick
Am Donnerstagabend war zudem im Raum der Ortschaft Bașești im Nordwesten Rumäniens eine Drohne gefunden worden, wie der rumänische Sender TVR berichtete. Deren Herkunft muss noch geklärt werden. Das Innenministerium machte zunächst keine Angaben zum vermuteten Ursprung der in Galați eingeschlagenen Drohne, doch Bukarest beschuldigt Russland, für den Vorfall verantwortlich zu sein.
Fragen & Antworten
Was ist in der Nacht zum 29. Mai 2026 in Galați passiert?
Eine Drohne schlug kurz nach 1:00 Uhr in ein zehnstöckiges Wohnhaus in der rumänischen Stadt Galați ein und löste einen Brand im zehnten Stock aus. Zwei Menschen wurden leicht verletzt, rund 70 Bewohner in Sicherheit gebracht.
Warum wird Russland für den Drohneneinschlag in Rumänien verantwortlich gemacht?
Der Vorfall ereignete sich während eines russischen Drohnenangriffs auf zivile Ziele in der benachbarten Ukraine, und Trümmerteile deuten auf eine russische Geran-2-Drohne hin. Rumänien hat den russischen Botschafter einbestellt und Moskau eine „schwere und unverantwortliche Eskalation“ vorgeworfen.
Wie haben NATO und EU auf den Drohnenangriff in Galați reagiert?
NATO-Generalsekretär Mark Rutte sicherte Rumänien „uneingeschränkte Solidarität“ zu, und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte den Einschlag als Grenzüberschreitung des russischen Angriffskrieges. Beide kündigten weitere Maßnahmen zur Stärkung der Drohnenabwehr und zusätzliche Sanktionen gegen Russland an.