Rumänische Luftwaffe schießt erstmals Drohne im eigenen Luftraum ab
Bukarest, 24. Juli 2026
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Kurzfassung
Erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs hat Rumänien eine Drohne über seinem Luftraum abgeschossen. Ein F-16-Kampfjet der rumänischen Luftwaffe eliminierte das unbemannte Flugobjekt am Freitagvormittag über unbewohntem Gebiet nahe der Grenze zur Ukraine.
Die rumänische Luftwaffe hat am Freitagvormittag erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs eine in den Luftraum des Landes eingedrungene Drohne mit einer F-16 abgeschossen, wie das Verteidigungsministerium in Bukarest mitteilte.
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in dem Nato-Land geschah dies wie zuvor über unbewohntem Gebiet nahe der Grenze zur Ukraine. Der Pilot des F-16-Kampfjets habe das eingedrungene Objekt über unbewohntem Gebiet nahe Padina im ostrumänischen Kreis Buzau mit einer Rakete eliminiert. Bereits am Vortag sei eine Drohne im rumänischen Luftraum auf diese Weise unschädlich gemacht worden.
Einsatz über unbewohntem Gebiet
Wie das Verteidigungsministerium weiter mitteilte, waren im Rahmen des Einsatzes am Freitag auch zwei italienische Kampfflugzeuge sowie eine weitere rumänische F-16 von der Luftwaffenbasis Fetesti im Südosten des Landes aufgestiegen. Davor hatten die Behörden für drei Landeskreise – Buzau, Prahova und Braila – offizielle Luftschutzwarnungen (RO-Alert) herausgegeben.
Wie Staatspräsident Nicusor Dan am Freitagvormittag bekannt gab, hat ein F16-Kampfjet der rumänischen Luftwaffe gegen 11.00 Uhr eine in den Luftraum des Landes eingedrungene Drohne abgeschossen. Damit schoss das NATO-Land zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen eine Drohne ab. Nach Angaben des Präsidenten sei der Abschuss erfolgt, als die Drohne gerade über unbewohntem Gebiet flog.
Die Bevölkerung am Boden sei vor der Gefahr herabfallender Trümmerteile gewarnt worden. Die Trümmerteile sollen nun eingehend untersucht werden. Nach Angaben der rumänischen Behörden sollen die Drohnenüberreste eingehend untersucht werden, einschließlich in puncto ihrer Bauart.
Reaktion aus dem Verteidigungsministerium
Radu Miruta gratulierte den Piloten zu dem Einsatz. Er schrieb auf seiner Facebook-Seite: „Durch ihre Professionalität, Besonnenheit und schnelle Reaktion haben sie eine Drohne neutralisiert, die unbefugt in den rumänischen Luftraum eingedrungen ist." Untersuchungsteams seien beauftragt worden, Details zu dem Vorfall zu liefern.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Mediafax handelte es sich um den ersten Abschuss einer Drohne im rumänischen Luftraum. Zuvor waren bereits wiederholt Drohnen in den rumänischen Luftraum eingedrungen, keine wurde jedoch abgeschossen. Einige davon stürzten ab.
In der Vergangenheit waren mehrere Dutzend russische Drohnen in den rumänischen Luftraum eingedrungen. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der benachbarten Ukraine wurden in Rumänien bis dato knapp 30 Luftraumverletzungen durch Drohnen verzeichnet.
Rechtliche Grundlage erst seit dem Vorjahr
Um sie abschießen zu können, hatte Bukarest erst im Vorjahr gesetzliche Grundlagen geschaffen. Das rumänische Verteidigungsministerium hatte zunächst keine Angaben zur Herkunft des Flugobjekts gemacht. Die abgeschossene Drohne war nach derzeitigem Ermittlungsstand aller Wahrscheinlichkeit nach russischer Herkunft.
Die Drohne war in Richtung der südöstlichen Kleinstadt Buzau unterwegs. Es ist dies bereits der zweite gravierende Drohnenvorfall seit Jahresbeginn, nachdem Ende Mai eine russische Kampfdrohne vom Typ Geran 2 in ein Hochhaus der ostrumänischen Hafenstadt Galati eingeschlagen war – dabei wurden zwei Menschen verletzt.
Zweiter schwerer Drohnenvorfall des Jahres
Rumänien hat eine rund 600 Kilometer lange Grenze zur Ukraine, die von Russland angegriffen wird. Der rumänische Luftraum war bereits zuvor mehrmals verletzt worden. Es blieb zunächst unklar, ob es sich bei dem unbemannten Flugobjekt um eine mit Sprengstoff beladene Kampf- oder um eine Aufklärungsdrohne gehandelt hat.
Die Vorfälle fallen in eine Phase verstärkter russischer Angriffe auf die Ukraine. Bei einem Raketenangriff in der Region Kiew sind am Vortag zehn Menschen gestorben, nach ukrainischen Angaben fast 100 weitere verletzt worden. Bei neuen russischen Angriffen auf Sumy sind nach Angaben örtlicher Behörden drei Menschen getötet worden. Schon am Vortag waren zwei Todesopfer in der Stadt im Nordosten der Ukraine gemeldet worden.
Angriffe auf die Ukraine und Vergeltungsschläge
Die Ukraine meldete unterdessen einen eigenen Angriff: Die Ukraine nahm erneut ein Lagerhaus des größten russischen Online-Versandhändlers „Wildberries" ins Visier und traf diesmal bei Sankt Petersburg. Dort brach ein Brand aus, drei Menschen wurden verletzt. Die Wildberries-Gründerin Tatjana Kim erklärte, neben diesem Standort seien zwei weitere im Umland und auf der Krim angegriffen worden.
Im Verlauf des seit fast viereinhalb Jahren andauernden Ukraine-Kriegs hat die ukrainische Regierung ihre Verteidigungsanstrengungen ausgeweitet. Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte an: „Wir werden eine große Fabrik in den USA bauen". Ein mit den USA getroffenes Drohnen-Abkommen sei ein Gewinn für beide Seiten, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem Interview mit der X-Bloggerin Laura Loomer. Aus Kreisen in Washington heißt es jedoch, die Einzelheiten des Abkommens würden derzeit noch ausgearbeitet.
Zudem gehe aus Informationen der Geheimdienste hervor, dass Russland seine Truppen aufstocken wolle. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rechnet in den kommenden Tagen mit neuen russischen Raketenangriffen auf die Ukraine. Er forderte die Ukrainer auf, Luftalarme nicht zu ignorieren.
Befestigung an der Grenze zu Belarus
Auch an der belarusisch-ukrainischen Grenze werden die Verteidigungsanlagen ausgebaut. Stacheldraht und Beton-Panzersperren bestimmen das Bild. Grenzstreifen sind vermint und Straßen an der mehr als 1.000 Kilometer langen Grenze mit Netzen gegen Drohnen eingehüllt. Ukrainische Stellen sehen zwar aktuell keine neuen russischen Truppen in Belarus. Gleichwohl werde die Grenze weiter befestigt, da Belarus nach wie vor der engste militärische Verbündete von Russland sei.
Die politischen Diskussionen über den EU-Beitritt der Ukraine dauern an. Claudia Bauer (ÖVP) wandte sich gegen einen schnellen Beitritt: „Ein Turbo-Beitritt auf Antrag, das geht natürlich nicht." Der Beitritt eines Landes mit 39 Millionen Menschen und einer ganz anderen Agrarstruktur würde die EU maßgeblich verändern. Bauer warnte auch vor einer „Zweiklassen-Gesellschaft": Alle Beitritte müssten den gleichen Regeln folgen und jedes Land, das neues Mitglied der EU werden wolle, sich den „Beitritt durch Leistung verdienen".
In Kiew halten unterdessen Demonstrationen für eine Wiedereinsetzung Mychajlo Fedorow an. Auch gestern hieß es von Teilnehmern, dass sie so lange auf der Straße bleiben wollten, bis ihre Forderung erfüllt sei. Vertreter der ukrainischen Rüstungsindustrie erklärten, der Angriff habe einer angekündigten Fachausstellung der Branche gegolten.
Fragen & Antworten
Wer hat den Abschuss der Drohne über Rumänien angeordnet?
Den Abschuss am Freitagvormittag gab Staatspräsident Nicusor Dan bekannt; das Verteidigungsministerium in Bukarest teilte Einzelheiten zum Einsatz mit. Radu Miruta gratulierte den beteiligten Piloten.
Warum konnte Rumänien erst jetzt Drohnen abschießen?
Nach Angaben des Berichts hatte Bukarest erst im Vorjahr die gesetzlichen Grundlagen geschaffen, um in den Luftraum eingedrungene Drohnen abschießen zu können. Zuvor waren zwar Drohnen in den Luftraum eingedrungen, aber keine abgeschossen worden.
Welche Folgen hat der Vorfall für die Sicherheitslage Rumäniens?
Der Vorfall war bereits der zweite schwere Drohnenvorfall des Jahres in Rumänien, nachdem im Mai eine Drohne vom Typ Geran 2 in ein Hochhaus in Galati eingeschlagen war. Die Behörden untersuchen nun die Trümmer, unter anderem im Hinblick auf die Bauart des Flugobjekts.
Rumänien schießt Drohne ab: Erstmaliger Abschuss im Luftraum | finanz360