Kushner-Resort in Albanien: Proteste und | finanz360
Proteste in Albanien gegen Luxusresort von Kushner und Trump weiten sich aus
Tirana, 04. Juni 2026
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Kurzfassung
In Albanien weiten sich die Proteste gegen ein geplantes Luxusresort von Jared Kushner und Ivanka Trump aus. Tausende Demonstranten gingen in Tirana auf die Straße, während die Anti-Korruptionsbehörde SPAK Ermittlungen gegen das Projekt aufnahm. Umweltschützer kritisieren die Eingriffe in ein sensibles Feuchtgebiet an der Adria.
Tausende Menschen haben in Tirana und anderen albanischen Städten gegen ein milliardenschweres Luxusresortprojekt von Jared Kushner und Ivanka Trump auf der Insel Sazan und an der Narta-Lagune an der Adria protestiert, während die albanische Anti-Korruptionsbehörde SPAK Ermittlungen zu dem Vorhaben aufnahm.
Ausmaß der Demonstrationen
Das geplante Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von rund 1,4 Milliarden Euro für die Sazan-Insel sowie weiteren Komponenten an der Festlandlagune sorgt seit Wochen für wachsenden Widerstand. Allein am Mittwochabend versammelten sich nach Schätzungen von Veranstaltern mehrere Tausend Menschen auf dem zentralen Boulevård in Tirana, es war die vierte Großdemonstration in Folge.
Die Protestierenden trugen albanische Flaggen, Plakate mit Slogans wie „Albanien ist nicht zu verkaufen“ und „Ivanka, geh nach Hause“ sowie auffällige, auf Stöcke montierte rosa Flamingo-Figuren aus Pappe. Der Flamingo ist zum Symbol der Bewegung geworden, weil das Schutzgebiet an der Narta-Lagune ein wichtiger Nist- und Rastplatz für die geschützte Vogelart ist.
Das Projekt auf Sazan und an der Narta-Lagune
Hintergrund des Konflikts ist ein Plan des US-Investors Jared Kushner, des Schwiegersohns von US-Präsident Donald Trump, gemeinsam mit dessen Ehefrau Ivanka Trump ein Luxusresort auf der unbewohnten Adriainsel Sazan und an der gegenüberliegenden Narta-Lagune zu errichten. Die Anlage soll nach bisherigen Angaben Hotels, Villen, Apartments, eine Marina und insgesamt 10.000 Gästezimmer umfassen.
Die Insel Sazan war jahrzehntelang ein Militärstützpunkt aus der Zeit der kommunistischen Herrschaft und wurde erst 2024 für die zivile Nutzung freigegeben. Sie liegt am Übergang von der Adria zum Ionischen Meer und gehört zum Karaburun-Sazan-Meeresnationalpark. Das Festlandareal an der Narta-Lagune ist Teil des Vjosa-Narta-Schutzgebiets, das als Delta des Vjosa-Flusses Lebensraum für Flamingos, Pelikane, Robben und Meeresschildkröten bietet.
Bauarbeiten in einem Schutzgebiet
Seit Ende April beziehungsweise Anfang Mai sind Bagger, Bulldozer und schwere Lastwagen in dem Küstengebiet im Einsatz. Sie roden Pinienwälder, entfernen Dünen, bauen Zufahrtsstraßen und stellen Stacheldrahtzäune auf, die Anwohnern und Touristen den Zugang zum Strand versperren. Die Bauarbeiten haben scharfe Kritik von Umweltverbänden aus Albanien und anderen europäischen Ländern hervorgerufen.
Ivanka Trump hatte das Projekt in einem Podcast-Interview mit David Senra als „außergewöhnliches Projekt auf einer 1.400 Hektar großen privaten Insel mitten im Mittelmeer“ beschrieben. Sie schilderte, wie sie und andere die Insel bei einem Bootsausflug entdeckt hätten: „We were on a friend's boat, and we stopped for a swim. Effectively, that's how we found it. We swam to the island. We went on a hike, barefoot all the way up to the top, and we were just captivated.“ In einer anderen Version des Zitats sagte sie auf Deutsch: „Wir sind auf die Insel geschwommen, barfuss über den weissen Sand gegangen und waren fasziniert.“ Allerdings ist Sazan keine Privatinsel, sondern Teil eines Nationalparks.
Ivanka Trump und die Entdeckung der Insel
Der albanische Ministerpräsident Edi Rama, der die Sozialistische Partei seit Jahren anführt, verteidigt das Vorhaben. Er sagte, die Investition sei für das Land von strategischer Bedeutung und verwies auf das Gesamtvolumen: „Albania should not be a country that fears an extraordinary project like this one, where exceptional partners have come together to invest 4 billion euros ($4.6 billion)“. Auf Deutsch formulierte er zudem: „Es gibt absolut keine Chance, dass die Investition gestoppt wird, solange ich hier bin.“ Rama betont, die endgültigen Pläne seien noch nicht eingereicht und die Umweltverträglichkeitsprüfung nicht abgeschlossen, das Projekt halte alle Auflagen ein.
Die albanische Regierung hatte Kushners Firma Atlantic Incubation Partners LLC, die mit seinem Investmentvehikel Affinity Partners verbunden ist und mehrheitlich mit Geld aus Saudi-Arabien finanziert wird, den Status eines „strategischen Investors“ zuerkannt. Dies beschleunigte Genehmigungsverfahren. Auch Firmen aus Katar sind an dem Vorhaben beteiligt. Die Regierung verweist darauf, dass die für das Projekt vorgesehenen Flächen in Privatbesitz seien.
Vorwürfe der Kritiker
Kritiker werfen Kushner und der Trump-Familie vor, die politischen Verbindungen des US-Präsidenten für eigene Geschäfte zu nutzen. Der Balkan-Experte Janis Fahrländer vom Schweizer Radio SRF erklärte: „Sie haben eine Geschäftsgelegenheit gesehen und beim Schopf gepackt.“ Eine satirische Sendung kommentierte Ivankas Schilderung mit dem Satz: „Im Impuls eine Insel gekauft.“
Für zusätzlichen Zündstoff sorgte ein Video, das zeigt, wie ein privater Sicherheitsmitarbeiter eine Demonstrantin oder einen Demonstranten am Baugelände an einem Kliff entlang zerrt. Die albanischen Behörden entzogen zwei privaten Sicherheitsfirmen die Lizenzen, ein Wachmann wurde festgenommen. Ein lokaler Polizeichef wurde suspendiert, gegen rund 15 Demonstranten wurden Anklagen erhoben. Die Bilder heizten die Proteste weiter an.
Antisemitische Auswüchse und Sicherheitsvorfall
Unter den Demonstrierenden gab es nach Berichten auch antisemitische Auswüchse: Einige zeigten stereotype Darstellungen eines Juden mit Schläfenlocken und Davidstern. Jared Kushner ist jüdisch. Solche Plakate wurden von Organisatoren und Beobachtern scharf verurteilt, werfen aber ein Schlaglicht auf die aufgeheizte Stimmung.
Am Montag bestätigte die albanische Sonderstaatsanwaltschaft gegen Korruption und organisierte Kriminalität (SPAK), dass sie Ermittlungen zu Änderungen des Schutzstatus und der Eigentumsverhältnisse aufgenommen habe, die das Tourismusprojekt ermöglichten. Bereits im vergangenen Jahr waren die Schutzauflagen für das Naturgebiet überraschend gelockert worden.
Ermittlungen und Belgrader Vergleich
Der Fall weckt Erinnerungen an ein ähnliches Projekt Kushners in Serbien. In Belgrad sollte auf dem Gelände des 1999 von der NATO bombardierten früheren Generalstabsgebäudes der Armee ein Hotelkomplex mit einem Trump-Tower entstehen. Das serbische Parlament verabschiedete eigens ein Sondergesetz. Der Kulturstatus des Geländes, das 2005 zum Kulturdenkmal erklärt worden war, wurde aufgehoben, Affinity Partners schloss einen 99-jährigen Pachtvertrag. Nach Korruptionsermittlungen, in denen unter anderem Kulturminister Nikola Selakovic wegen Amtsmissbrauchs angeklagt wurde, zog Kushner sich aus dem Vorhaben zurück.
Albanien, das seit Jahrzehnten eine weitgehend unerschlossene 450 Kilometer lange Adriaküste hat und den EU-Beitritt anstrebt, erhofft sich von Großprojekten wie dem Sazan-Resort einen wirtschaftlichen Aufschwung und neue Arbeitsplätze. Umweltschützer, Anwohner und Kommunalpolitiker sehen indes Natur, Lebensgrundlagen und den Zugang zu öffentlichen Stränden bedroht. Der Streit um den Flamingo, die Lagune und die Insel ist damit zu einem Lackmustest für den Umgang des Landes mit Investitionen, Naturschutz und Transparenz geworden.
Fragen & Antworten
Wer plant das Luxusresort auf Sazan und an der Narta-Lagune?
Das Projekt wird von Atlantic Incubation Partners LLC vorangetrieben, einer Firma, die mit dem Investmentvehikel Affinity Partners von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, verbunden ist. Beteiligt sind auch Firmen aus Katar, an der Spitze stehen Kushner und seine Ehefrau Ivanka Trump.
Warum gibt es so heftige Proteste gegen das Vorhaben?
Kritiker verweisen darauf, dass Bagger in einem Schutzgebiet mit Flamingos, Pelikanen, Robben und Schildkröten Pinienwälder roden und Strände abriegeln. Zudem werfen sie der Regierung um Edi Rama mangelnde Transparenz und Korruption bei der Vergabe des Status eines strategischen Investors vor.
Was haben die albanischen Behörden bislang unternommen?
Die Sonderstaatsanwaltschaft SPAK hat Ermittlungen zu Änderungen des Schutzstatus und der Eigentumsverhältnisse aufgenommen, zwei privaten Sicherheitsfirmen wurden Lizenzen entzogen, ein Wachmann wurde festgenommen, und ein lokaler Polizeichef wurde suspendiert.