"Perla" triumphiert beim Österreichischen Filmpreis und erhält acht Auszeichnungen
Wien, 18 Juni 2026
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Kurzfassung
Beim Österreichischen Filmpreis in den Wiener HQ7-Studios ist Alexandra Makarovás Einwandererdrama „Perla" mit acht Auszeichnungen als großer Gewinner hervorgegangen, darunter Bester Spielfilm und Beste Kamera. Das Trauerdrama „Vier minus drei" von Adrian Goiginger folgte mit fünf Trophäen, darunter Beste Regie und Beste Hauptdarstellerin für Valerie Pachner.
Wien, 18 Juni 2026
Das autobiografisch gefärbte Einwandererdrama „Perla" der Regisseurin Alexandra Makarová ist am Donnerstagabend beim Österreichischen Filmpreis in den neuen Wiener HQ7-Filmstudios in Simmering mit acht Auszeichnungen als großer Gewinner hervorgegangen.
Die 16. Ausgabe des Österreichischen Filmpreises wurde am Donnerstagabend in den Wiener HQ7-Filmstudios in Simmering verliehen. Durch die Gala führten die Schauspielerin Julia Edtmeier und Alexander Pschill. Insgesamt wurden Preise in 18 Kategorien vergeben, die Entscheidungen in den übrigen Sparten hatten die gut 700 Mitglieder der Akademie des Österreichischen Films gefällt. 73 Filme waren nominiert.
Der große Gewinner: „Perla"
Den Abend dominierte „Perla", das vor der Gala mit 13 Nominierungen als meistnominierter Film galt. Die österreichisch-slowakische Koproduktion, die im April 2025 in die Kinos kam, wandelte acht Nominierungen in Auszeichnungen um. Neben dem Hauptpreis als Bester Spielfilm sicherte sich das zwischen dem früheren Ostblock und Wien der 1980er Jahre spielende Drama auch in den Sparten Kamera, Kostüm, Maske (ex aequo mit „Welcome Home Baby"), Szenenbild, Musik und Tongestaltung den Sieg. Zudem erhielt Simon Schwarz die Trophäe als bester Hauptdarsteller für seine Rolle als Perlas Ehemann. Den Wiener Filmpreis hatte der Film bereits im Herbst 2025 auf der Viennale entgegengenommen.
Platz zwei für „Vier minus drei"
Hinter „Perla" landete Adrian Goigingers Trauerdrama „Vier minus drei" auf dem zweiten Platz. Bei acht Nominierungen gewann die Verfilmung von Barbara Pachl-Eberharts Autobiografie fünf Auszeichnungen, darunter die für das beste Drehbuch (Senad Halilbašić), das Casting (Angela Kropej) sowie für die Haupt- und Nebenrollen von Valerie Pachner und Robert Stadlober. Pachner erhielt den Preis als beste Hauptdarstellerin, Stadlober als bester Nebendarsteller für die Rolle des verunglückten Ehemanns und Profi-Clowns, der in Rückblenden gezeigt wird. Regisseur Goiginger, der aus Salzburg stammt, wurde für die beste Regie ausgezeichnet. „Vier minus drei" basiert auf Pachl-Eberharts Buch über den Verlust ihres Mannes und ihrer beiden kleinen Kinder bei einem Unfall.
Für ihre Nebenrolle als gestresste Mutter einer jungen, mental instabilen Frau in Florian Pochlatkos Debüt „How to Be Normal and the Oddness of the Other World" gewann Elke Winken den Preis als beste Nebendarstellerin. Neben ihr wurde auch Julia Drack für ihre Montage zu Pochlatkos mitreißender Debüt-Dramödie prämiert. Winken berichtete, ihr sei nach dem Film oft zu ihrem „Mut zur Hässlichkeit" gratuliert worden: „Dabei war ich einfach ungeschminkt!" Laudator Michael Maertens hatte in seiner Rede angemerkt: „Nebenrolle ist schwerer als Hauptrolle" – alleine wenn man an die schlechtere Bezahlung und den schlechteren Trailer am Set dächte.
Dokumentation, Kurzfilm und Publikumshit
Den Preis für die beste Dokumentation erhielt Olga Kosanović für ihren Film „Noch lange keine Lipizzaner", eine autobiografisch-humorvolle Auseinandersetzung mit dem österreichischen Einbürgerungssystem. Die in Wien geborene Serbin erklärte, Österreicherin sei sie aber noch immer nicht. Der beste Kurzfilm ging an das Fluchtdrama „Night of Passage" des iranischen Filmemachers Reza Rasouli, der nicht vor allzu langer Zeit nach Österreich kam und hier „bei null" anfing, wie er sagte, und nun hoffe, seinen ersten Langspielfilm realisieren zu können.
Als besonders zugkräftig an der Kinokasse erwies sich im vergangenen Winter die Weihnachtskomödie „Aufputzt is'" von Claudia Jüptner-Jonstorff mit Gery Seidl. Seit „Hinterholz 8" im Jahr 1998 hat ein heimischer Film nicht mehr so viele Leute in die Kinos gelockt: nämlich circa 440.000. Dafür erhielt die Komödie nicht nur ein Golden Ticket, sondern auch den Publikumspreis. Johanna Moders Psychothriller „Mother's Baby" blieb trotz sechs Nominierungen ohne Auszeichnung.
Die Trophäen, die an diesem Abend verliehen wurden, tragen künftig einen neuen Namen: „Valie". Damit ehrt die Akademie des Österreichischen Films die jüngst verstorbene Künstlerin VALIE EXPORT, die die geschwungene Stufenstatuette im Jahr 2021 entworfen hatte. Mit der Umbenennung würdigte die Akademie eine zentrale Figur der heimischen Film- und Kunstgeschichte.
Trophäe heißt nun „Valie"
Regisseurin Makarová zeigte sich angesichts der Ehrung ihrer Arbeit als Regisseurin bewegt und sagte: „Ich frage mich jedes Mal: Warum tue ich mir das an? Die Antwort ist: Ich liebe Film, ich liebe Kino." Simon Schwarz, der in „Perla" eine für ihn ungewohnt ernste Rolle verkörperte, sagte bei der Entgegennahme seines Preises: „Für mich ist Aufmerksamkeit negativ besetzt" und „Ich freue mich sehr, auch wenn Sie es nicht sehen können". Er dankte der Regisseurin für Regie, Drehbuch und dafür, dass sie in ihm nicht nur den „Kasperl" gesehen habe, als der er meist besetzt werde.
Valerie Pachner bedankte sich bei ihrem Team: „Alleine schafft man's, aber nicht so schön. Und nicht mit so viel Liebe und Tiefe." Die Bestsellerautorin Barbara Pachl-Eberhart, die bei der Gala von Goiginger auf die Bühne geholt wurde, sagte: „Ich freue mich unglaublich, dass mein Leben hier so viele Menschen glücklich macht" und fügte hinzu: „Und ich weiß, mein Leben ist ein Geschenk mit zwei Seiten."
Politische Töne bei der Gala
Der Abend verlief politisch eher farblos, doch das Präsidentenduo der Österreichischen Filmakademie, die Schauspielerin Verena Altenberger und der Produzent Arash T. Riahi, fanden in ihrer Moderation klare Worte zur aktuellen budgetären Lage. Altenberger kritisierte insbesondere das Aufschieben der Streamingabgabe im diesjährigen Kulturbudget trotz Versprechen und Koalitionsvertrag. Die nominierten 73 Filme seien „die Ausbeute der fetten Jahre, als Österreich noch das beste Fördermodell Europas hatte", so Altenberger.
Auch Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) sprach ein Grußwort und gratulierte den Preisträgerinnen und Preisträgern: „Sie zeigen einmal mehr, dass der österreichische Film vielsprachig, vielstimmig und visuell facettenreich ist." Der Oscar-nominierte Regisseur Stefan Ruzowitzky wandte sich direkt an das ÖVP-geführte Wirtschaftsministerium: „Der heimische Film könnte ein blühender Wirtschaftszweig sein, wenn man uns lassen würde." Riahi lenkte den Blick auf die Bedeutung von Koproduktionen für den Filmstandort Österreich, wie nicht zuletzt der Gewinnerfilm des Abends beweise.
Ein Abend mit Signalwirkung
Mit der Gala in den HQ7-Studios, den neuen Wiener Filmstudios in Simmering, erhielt die Verleihung zudem eine neue Spielstätte. Die Veranstaltung setzte damit auch räumlich ein Zeichen für die Bedeutung, die der heimischen Filmwirtschaft beigemessen wird – in einer Zeit, in der die Branche um ihre finanziellen Rahmenbedingungen ringt.
Mit acht Trophäen für „Perla", fünf für „Vier minus drei" und weiteren Auszeichnungen für Dokumentarfilm, Kurzfilm und Publikumshit blickt die Akademie des Österreichischen Films auf einen Abend zurück, an dem die Vielfalt des heimischen Filmschaffens sichtbar wurde – und zugleich die Sorge um dessen künftige Förderung deutlich mitschwang.
Fragen & Antworten
Welche politischen Forderungen wurden bei der Gala geäußert?
Das Präsidentenduo der Filmakademie, Verena Altenberger und Arash T. Riahi, kritisierte die Verschiebung der Streamingabgabe im Kulturbudget. Vizekanzler Andreas Babler gratulierte, und Regisseur Stefan Ruzowitzky forderte mehr Freiheit für die heimische Filmwirtschaft.
Österreichischer Filmpreis 2026: „Perla" holt acht Trophäen | finanz360