Papst Leo XIV. in Spanien: Völkerrecht, Ukraine und | finanz360
Papst Leo XIV. beginnt mehrtägige Spanien-Reise mit Appell an Völkerrecht und Multilateralismus
5.6.2026
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Kurzfassung
Papst Leo XIV. ist zu einer siebentägigen Visite in Spanien eingetroffen und wurde in Madrid von König Felipe VI. und Königin Letizia empfangen. Im Mittelpunkt seiner Reise stehen Appelle für Frieden, die Einhaltung des Völkerrechts sowie Begegnungen mit Missbrauchsopfern und Migranten.
Papst Leo XIV. ist am Samstagmorgen zu einer siebentägigen Reise nach Spanien eingetroffen und in Madrid am Flughafen Barajas empfangen worden, wo König Felipe VI. und Königin Letizia den ersten Besuch des Papstes in einem großen europäischen Land außerhalb Italiens einleiteten.
Empfang in Madrid und Beginn der Reise
Papst Leo XIV. landete am Samstagmorgen in Madrid-Barajas. Am Königspalast wurde er von König Felipe VI. und Königin Letizia empfangen. Damit begann die erste Reise des Papstes in ein großes europäisches Land außerhalb Italiens seit seinem Amtsantritt im Mai des vergangenen Jahres; zuvor hatte er lediglich Monaco für einen halben Tag besucht. Die Organisation der Reise liegt beim Organisationskomitee im Auftrag der Erzdiözese Madrid und der Spanischen Bischofskonferenz.
Zum Auftakt traf der Papst in Madrid mit Vertretern des Staates, der Zivilgesellschaft und des diplomatischen Korps zusammen. Dabei dankte er für die „Treue zum Völkerrecht und zum Multilateralismus“ – ein Wortlaut, der von drei Quellen bestätigt wurde. In seiner Rede räumte er zugleich ein, dass „die Botschaft des Friedens in diesen Zeiten leider für manche naiv und für andere provokativ klingt“ – eine Formulierung, die direkt aus seinen Bemerkungen auf dem Flug nach Madrid übernommen ist.
Appell an Völkerrecht und Multilateralismus
An Bord seines Flugzeugs hatte Leo XIV. zudem seine Kritik an „spaltender und polarisierender Äußerungen über die Gegenwart“ erneuert und gefordert, man müsse „von fruchtlosen Vereinfachungen zu einer fruchtbaren Anerkennung ihrer Komplexität gelangen“. Diese Worte waren von der italienischen Nachrichtenagentur ANSA wiedergegeben worden und sind in mehreren Berichten zitiert.
Auf die Frage nach dem seit viereinhalb Jahren andauernden Krieg in der Ukraine erneuerte der Papst an Bord seine Forderung nach einem Ende der Gewalt. „Man muss wirklich darauf drängen, dass die Gewalt ein Ende findet. Die Lage verschlechtert sich immer weiter. Es sind bereits viereinhalb Jahre vergangen. Es muss eine Lösung gefunden werden“, sagte er wörtlich. Damit bezog er sich auf den von Russland begonnenen Krieg.
Missbrauch als „offene Wunde“
Ein weiteres zentrales Thema der Reise ist der Umgang mit sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche. Der Vatikan kündigte an, der Papst werde Opfer sexuellen Missbrauchs in katholischen Einrichtungen treffen. Betroffenenverbände hatten ein solches Treffen zuvor gefordert. Leo XIV. bezeichnete die Missbrauchsskandale auf dem Hinflug als eine „offene Wunde“ der katholischen Kirche.
Das Reiseprogramm führt den Papst durch mehrere spanische Regionen. Geplant sind Stationen in Madrid, Barcelona und auf den Kanarischen Inseln. In Madrid wird er unter anderem eine Obdachloseneinrichtung besuchen. Am Abend ist auf der Plaza de Lima in Madrid eine Gebetswache mit jungen Menschen aus ganz Spanien vorgesehen, zu der mehr als 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet werden. Junge Menschen sollen dem Papst bei dieser Vigilfeier Fragen stellen können.
Programm in Madrid, Barcelona und auf den Kanarischen Inseln
Für die Sicherheit des Papstes in Madrid allein sind nach Angaben der Veranstalter mehr als 14.000 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte im Einsatz. In dem überwiegend katholischen Land werden bei Open-Air-Gottesdiensten insgesamt Hunderttausende Gläubige erwartet, darunter eine Abendmesse vor dem Bernabéu-Stadion.
Am Mittwoch wird der Papst in Barcelona den Jesus-Turm der Basilika Sagrada Família segnen. Der Termin fällt mit dem 100. Todestag des Architekten Antoni Gaudí zusammen, der an diesem Tag in Barcelona verstarb. In Barcelona sind zudem Begegnungen mit Häftlingen vorgesehen.
Auf den Kanarischen Inseln stehen zwei Treffen mit Migranten aus Afrika auf dem Programm. Außerdem soll der Papst dort Aufnahmelager für Migranten besuchen. Damit greift die Reise ein Thema auf, das in der spanischen Innenpolitik und der europäischen Migrationsdebatte eine zentrale Rolle spielt.
Politischer Kontext: Spannungen mit den USA
In den Berichten wird zudem auf das politische Umfeld der Visite verwiesen. Papst Leo XIV. hatte im Mai Kritik am Vorgehen von US-Präsident Donald Trump im Iran-Krieg geübt; Trump hatte darauf mit scharfen Angriffen reagiert und ein Bild veröffentlicht, das ihn als Jesus zeigt. Auch die linke spanische Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte in der Vergangenheit den Unmut Trumps auf sich gezogen. Die Standhaftigkeit des Papstes gegenüber Trump wird in spanischen Kommentaren als Sympathieträger hervorgehoben.
Papst Leo XIV. selbst ist US-Amerikaner und 70 Jahre alt. Er leitete viele Jahre als Missionar und Bischof in Peru und spricht fließend Spanisch. Er steht als Oberhaupt einer Weltkirche mit rund 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken vor. Das Motto seiner Spanien-Reise lautet „Erhebt den Blick“.
Der Papst sprach an Bord zudem die Bedeutung Spaniens für die katholische Weltkirche an. Mit Blick auf die wachsende Polarisierung in vielen Gesellschaften verwies er darauf, dass die Verkündigung des Friedens in der heutigen Zeit nicht überall auf Zustimmung stoße. Er ermutigte die Anwesenden, sich für den Dialog und die Diplomatie einzusetzen und dabei die Komplexität der jeweiligen Konflikte anzuerkennen.
Am Rande des Programms wurde in spanischen Medien auch über den Besuch eines Obdachlosenheims in Madrid berichtet. Damit knüpft Leo XIV. an eine Tradition seiner Vorgänger an, die Begegnungen mit armen und ausgegrenzten Menschen in den Mittelpunkt ihrer Reisen stellten. Die Erzdiözese Madrid hatte die Visite gemeinsam mit der Spanischen Bischofskonferenz vorbereitet.
Die Reise gilt als wichtiges außenpolitisches Signal des Vatikans. Mit den Stationen in Madrid, Barcelona und auf den Kanarischen Inseln verbindet der Papst zentrale Themen seiner Amtszeit: Frieden und Völkerrecht, die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, Migration sowie die Begegnung mit jungen Menschen. Die Berichterstattung über die Reise wurde unter anderem durch Bildreihen der Nachrichtenagentur EPA begleitet.
Begegnung mit jungen Menschen und Ausblick
Mit dem Treffen mit Missbrauchsopfern und der Bezeichnung der Skandale als „offene Wunde“ setzt der Papst ein deutliches Zeichen. Betroffenenverbände hatten sich zuvor mit der Forderung an den Vatikan gewandt, die Begegnung nicht nur als symbolischen Akt, sondern als Ausgangspunkt konkreter Aufarbeitung zu verstehen. Der Vatikan kündigte an, dass das Treffen im Laufe der Reisewoche stattfinden soll.
Die siebentägige Visite endet in der kommenden Woche. Im Anschluss an den Besuch in Barcelona und auf den Kanarischen Inseln wird Papst Leo XIV. nach Rom zurückkehren. Die Nachricht über den Beginn der Reise wurde am 6. Juni 2026 unter anderem im Deutschlandfunk ausgestrahlt.
Ein Novum der Reise ist die zentrale Rolle junger Gläubiger: Bei der Vigilfeier auf der Plaza de Lima in Madrid sollen sie dem Papst direkt Fragen stellen können. Damit greift Leo XIV. die Erfahrungen der Weltjugendtage auf und richtet sich ausdrücklich an eine jüngere Generation, die in der katholischen Kirche Spaniens eine wachsende Rolle spielt.
Insgesamt zeigt die Reise das Bemühen des Papstes, in einer polarisierten Weltlage Brücken zu bauen. Die Appelle an Völkerrecht und Multilateralismus, die Erneuerung seiner Friedensbitte für die Ukraine und die Begegnungen mit Randgruppen der Gesellschaft verleihen der Visite ein breites inhaltliches Profil.
Fragen & Antworten
Wer ist Papst Leo XIV.?
Papst Leo XIV. ist ein 70-jähriger US-Amerikaner, der die katholische Weltkirche mit rund 1,4 Milliarden Gläubigen seit Mai des vergangenen Jahres leitet und zuvor viele Jahre als Missionar und Bischof in Peru tätig war.
Welche Orte besucht der Papst in Spanien?
Die siebentägige Reise führt nach Madrid, Barcelona und auf die Kanarischen Inseln; Höhepunkte sind ein Treffen mit Missbrauchsopfern, eine Vigilfeier mit Jugendlichen auf der Plaza de Lima und die Segnung des Jesus-Turms der Sagrada Família.
Was hat der Papst zum Krieg in der Ukraine gesagt?
An Bord seines Flugzeugs nach Madrid forderte Leo XIV. ein Ende der Gewalt und betonte, dass sich die Lage seit viereinhalb Jahren immer weiter verschlechtere und „eine Lösung gefunden werden müsse“.