Die österreichische Regierung will bis 2027 ein Recht auf längeren Schulbesuch für Kinder mit Behinderungen einführen, wie Bildungsminister Christoph Wiederkehr ankündigte.
Hintergrund
Derzeit besuchen mehr als ein Drittel der Kinder mit Behinderungen in Österreich separate Sonderschulklassen. Laut aktuellen Statistiken haben rund 5% der Schülerinnen und Schüler einen diagnostizierten sonderpädagogischen Förderbedarf, doch nur 2,7% erhalten zusätzliche Ressourcen.
Kritiker wie Karin Riebenbauer von Inklusion Österreich bemängeln, dass das derzeitige System Kinder mit Behinderungen benachteilige. "Kinder mit Behinderungen haben weniger Bildungschancen und sind dadurch später auch am Arbeitsmarkt benachteiligt", sagte Riebenbauer.
Kritik und Forderungen
Elke Larcher von der Arbeiterkammer Wien warnt vor langfristigen Folgen der Trennung von Kindern mit und ohne Behinderungen. "Die Separierung kann zu reduzierten Beschäftigungschancen und sozialer Ausgrenzung führen", so Larcher.
Bildungsforscher Tobias Buchner kritisiert zudem, dass die Ressourcenverteilung für sonderpädagogischen Förderbedarf fehlerhaft sei. Er fordert, die Mittel nach dem tatsächlichen Bedarf der Schülerinnen und Schüler zu vergeben, nicht nach Diagnosen.
Regierungspläne
Bildungsminister Christoph Wiederkehr verspricht Reformen für mehr Inklusion. "Inklusion ist ein Menschenrecht und kein Nice-to-have", betonte Wiederkehr. Geplant sind unter anderem einheitliche Schulassistenz, multiprofessionelle Teams und kleinere Klassen für autistische Schüler.