Norwegen schlägt Brasilien mit 2:1 und steht erstmals im WM-Viertelfinale
New York/East Rutherford, 06. Juli 2026
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Kurzfassung
Norwegen hat Rekordweltmeister Brasilien im WM-Achtelfinale mit 2:1 (0:0) besiegt und steht damit erstmals in seiner Geschichte in einem WM-Viertelfinale. Erling Haaland (25) entschied die Partie mit zwei späten Toren in der 79. und 90. Minute, Neymar traf in der Nachspielzeit nur noch zum 1:2-Anschluss.
New York/East Rutherford, 06. Juli 2026
Norwegen hat Brasilien im WM-Achtelfinal in East Rutherford bei New York mit 2:1 (0:0) besiegt und damit den fünfmaligen Weltmeister aus dem Turnier geworfen.
Vor 80 663 Zuschauerinnen und Zuschauern im New-York-New-Jersey-Stadion, das in zwei Wochen auch das WM-Finale am 19. Juli beherbergen wird, entschied Erling Haaland die Partie mit einem Doppelpack. Der 25 Jahre alte Stürmer von Manchester City traf per Kopf nach einer Flanke von Andreas Schjelderup (79.) und mit einem Flachschuss von der Strafraumkante, der mit 126 km/h in der unteren rechten Ecke einschlug (90.). Es waren seine Tore sechs und sieben bei diesem Turnier, womit er mit Kylian Mbappé und Lionel Messi an der Spitze der WM-Torschützenliste gleichzog.
Haaland entscheidet mit zwei späten Toren
Dabei war Norwegen über weite Strecken die passivere Mannschaft gewesen. Brasilien, trainiert von Carlo Ancelotti, dem ersten nicht-brasilianischen Coach der Seleção, hatte schon in der 3. Minute Glück, als ein Treffer von Patrick Berg nach Abseitsstellung von Alexander Sörloth zurückgenommen wurde. In der 10. Minute foulte Kristoffer Ajer Matheus Cunha im Strafraum; Schiedsrichter Ismail Elfath (USA) zeigte nach Videobeweis auf den Elfmeterpunkt. Bruno Guimarães trat schwach an, der vereinslose norwegische Torhüter Örjan Nyland, 35 Jahre alt und zuvor bei Sevilla und RB Leipzig unter Vertrag, parierte.
Nyland, der nach Ablauf seines Vertrags beim spanischen Erstligisten ohne Klub ist, avancierte überhaupt zum Helden des Abends. Der frühere Bundesliga-Profi entschärfte auch Großchancen von Vinicius Júnior (40.), Gabriel (62.) und vereitelte in der 85. Minute beinahe ein Eigentor Kristoffer Ajers, dessen verunglückte Klärungsaktion er noch artistisch an den Pfosten lenkte. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte (45.+3) wehrte Alisson Becker einen Schuss von Kapitän Martin Ödegaard aus 16 Metern stark ab.
Nyland wird zum brasilianischen Albtraum
Nach dem Seitenwechsel wechselte Norwegens Trainer Ståle Solbakken überraschend zweimal: Oscar Bobb und Andreas Schjelderup kamen für Sörloth und Antonio Nusa. Die Skandinavier, die in einem 4-2-3-1 angetreten waren, wirkten nun bissiger. Brasilien brachte in der 58. Minute Endrick für Matheus Cunha, doch der 19-Jährige, von Ancelotti bislang nur als Einwechselspieler eingesetzt, lupfte den Ball in der 59. Minute freistehend über Nyland, aber eben auch am Tor vorbei. Wenig später rettete der norwegische Keeper auch gegen Gabriel.
In der 67. Minute reagierte Ancelotti erneut, brachte Neymar und Danilo für Rayan und Gabriel Martinelli. Neymar, 34, saß zunächst auf der Bank, Raphinha war nach zweiwöchiger Verletzungspause wieder in die Startelf zurückgekehrt. Eine taktische Umstellung auf eine offensivere Formation verhalf den Südamerikanern jedoch kaum zu klaren Chancen. Haaland, bis dahin "praktisch unsichtbar" wie die Deutsche Presse-Agentur notierte, nutzte seine beiden einzigen echten Abschlüsse eiskalt.
Ancelotti bringt Neymar und Endrick – ohne Erfolg
Andreas Schjelderup, der beide Tore Haalands vorbereitete, war damit der entscheidende Assistgeber. Für den fast zwei Meter großen Mittelstürmer waren die Treffer gegen Brasilien sein dritter Doppelpack bei diesem Turnier; insgesamt steht der norwegische Kapitän der WM-Torjägerliste nun bei 62 Treffern in 54 Länderspielen. "Es gab schon einige Höhepunkte in diesem Turnier von mir, das war heute ein weiterer Höhepunkt", sagte Haaland im Interview: "Wenn ich ein oder zwei Chancen habe, dann treffe ich meistens. Das ist einfach das, was ich mache."
Dem stellte sich Nyland zur Seite, der beste Torhüter des Abends. Der Norweger, dessen Vertrag bei Sevilla ausgelaufen ist und der sich aktuell vereinslos auf Vereinssuche befindet, hatte schon in der 14. Minute den Strafstoß von Guimarães gehalten und damit den Grundstein für den historischen Erfolg gelegt. Guimarães wurde damit der erste Brasilianer seit Zico 1986, der im WM-Rahmen einen Elfmeter verschoss.
Der Anschlusstreffer von Neymar, der per Strafstoß in der 10. Minute der Nachspielzeit traf, kam für Brasilien zu spät. Es war Neymars 80. Tor im Trikot der Seleção, sein letztes – "Nun ist es vorbei. Es hat hier begonnen, es hört hier auf", sagte der 34-Jährige, der nach dem Schlusspfiff weinend auf dem Rasen stand.
Damit scheitert Brasilien zum sechsten Mal hintereinander in einer Weltmeisterschaft an einer europäischen Mannschaft. Seit dem Titelgewinn 2002 in jenem legendären Endspiel gegen Deutschland haben die Südamerikaner kein K.-o.-Duell gegen einen europäischen Gegner mehr gewonnen. "Es ist das schlechteste Abschneiden eines brasilianischen Teams seit 1990", hielt die Agentur fest. Es ist zudem die früheste WM-Absage für die Seleção seit 36 Jahren.
Sechste Euro-Pleite in Folge: Die Seleção am Boden
Carlo Ancelotti, vor diesem Turnier als erster ausländischer Coach der Brasilianer überhaupt verpflichtet, steht nun vor einer sportlichen Bewertung. Der Italiener hatte vor dem Anpfiff mehrere offensive Wechsel vorgenommen, unter anderem Neymar und Endrick gebracht, doch das Bild änderte sich nicht entscheidend. Vinicius Júnior, diesmal ohne Torerfolg, traf in der 40. Minute aus kurzer Distanz nur Nyland. Auch ein Schuss von ihm in der 59. Minute nach Vorlage des eingewechselten Endrick ging am Tor vorbei.
Die Norweger feiern derweil einen historischen Erfolg. Erstmals in der Geschichte steht eine norwegische Auswahl in einem WM-Viertelfinale. Solbakkens Mannschaft überstand zum ersten Mal zwei K.-o.-Runden einer WM. Im Viertelfinal am Samstag, dem 11. Juli, trifft Norwegen in Miami entweder auf Co-Gastgeber Mexiko oder auf England. Im Stadion verfolgten unter anderem die norwegischen Royals Kronprinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus das Geschehen.
Historischer Abend für Norwegen und Solbakken
Die Schiedsrichterleistung indes wurde von Patrick Ittrich, einst Bundesliga-Referee und heute Experte bei MagentaTV, kritisch gesehen. Der VAR habe Elfath "ein vorangegangenes Foul an Norwegens Antonio Nusa" nicht gezeigt, sagte Ittrich: "Ich finde, dass die Entscheidungsqualität der Schiedsrichter auf dem Platz nachlässt." Elfath griff in der hitzigen Schlussphase mehrfach auf den Videoassistenten zurück.
Für Norwegen beginnt nun eine neue Zeitrechnung. Die Mannschaft um den in den letzten 14 Länderspielen 27-mal erfolgreichen Haaland hat mit dem Sieg über Brasilien – Statistik: fünf Spiele, drei Siege, zwei Remis, nie verloren – Geschichte geschrieben. Trainer Solbakken sprach von einem "echten Thriller, es hätte in beide Richtungen gehen können" und lobte: "Wir haben einen überragenden Stürmer, der zwei fantastische Tore gemacht hat."
VAR und Schiedsrichter in der Kritik
Haaland selbst blickte mit einem Doppel aus Demut und Stolz Richtung Heimat: "Wir haben immer weiter nach vorne gespielt. Und ich hoffe, dass alle jungen Menschen, die dieses Interview sehen, eines Tages erkennen werden: Für Norwegen zu spielen, ist das Größte und Erfüllendste, was man als Fußballer erleben kann. Es macht einen unglaublich stolz." Brasilien tritt die Heimreise an, während Norwegen am Wochenende nach Miami reist.
Fragen & Antworten
Wie hat Norwegen den Sieg gegen Brasilien geschafft?
Norwegen gewann durch zwei späte Tore von Erling Haaland in der 79. und 90. Minute. Torhüter Örjan Nyland avancierte mit einer Parade gegen den Elfmeter von Bruno Guimarães in der 14. Minute zum Matchwinner.
Wer ist Carlo Ancelotti und welche Rolle spielt er bei Brasilien?
Carlo Ancelotti ist der erste nicht-brasilianische Trainer in der Geschichte der Seleção und betreute die Mannschaft bei dieser WM. Er brachte im Spiel gegen Norwegen unter anderem Neymar und den 19-jährigen Endrick.
Was bedeutet das WM-Aus für Brasilien historisch?
Brasilien scheidet erstmals seit 1990 so früh aus einer Weltmeisterschaft aus. Es ist die sechste Niederlage in einer K.-o.-Runde gegen ein europäisches Team in Folge – zuletzt hatte die Seleção 2002 gegen Deutschland einen WM-Titel geholt.