Everest-Führer nach sechs Tagen lebend geborgen | finanz360
Nach sechs Tagen Vermisstheit: Everest-Führer Hillary Dawa Sherpa lebend am Basislager gefunden
Kathmandu, 04. Juni 2026
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Kurzfassung
Der nepalesische Bergführer Hillary Dawa Sherpa galt sechs Tage lang als vermisst und vermutlich tot. Nun wurde er nahe des Basislagers lebend aufgefunden. Ein Hubschrauber brachte den 57-Jährigen zur medizinischen Behandlung nach Kathmandu.
Der nepalesische Bergführer Hillary Dawa Sherpa, der sechs Tage lang am Mount Everest vermisst war und bereits tot geglaubt wurde, ist am Donnerstagmorgen nahe des Basislagers lebend gefunden worden und wurde per Hubschrauber in ein Krankenhaus in Kathmandu gebracht.
Verschollen am höchsten Berg der Welt
Hillary Dawa Sherpa, ein 57-jähriger nepalesischer Bergführer, war am 30. Mai in den oberen Höhenlagen des Mount Everest verschwunden, nachdem er am Vortag einen polnischen Bergsteiger in Richtung Gipfel geführt hatte. Zuletzt gesehen wurde er am 29. Mai im Bereich von Camp III auf etwa 7.100 Metern Höhe beim Abstieg vom 8.849 Meter hohen Berg.
Mehrere Tage blieb sein Aufenthaltsort unbekannt. Am Mittwoch, dem 3. Juni, blieb eine Hubschraubersuche, die sich bis zum Camp III erstreckte, erfolglos. Am darauffolgenden Morgen entdeckten ihn Bergführer, die damit beschäftigt waren, für das Saisonende Seile und Leitern abzubauen, in der Nähe des Khumbu-Eisbruchs unweit des Basislagers auf 5.364 Metern Höhe zwischen Spalten gehend.
Zum Zeitpunkt der Entdeckung sei er den Berg hinuntergekrochen, sagte Pemba Sherpa, Leiter des Reiseanbieters 8K Expeditions, der die Rettungsmaßnahmen koordinierte, und beschrieb die Lage mit den Worten: "Er kroch den Berg hinunter." Die Organisation sprach von einer "Selbstrettung": "Ich denke, man kann dies wohl als eine 'Selbstrettung' bezeichnen."
Rettung durch das Sagarmatha Pollution Control Committee
Auch ein Sprecher von 8K Expeditions äußerte sich zur Rettung. Die Überlebenschance sei "ein Wunder". Gegenüber AFP erklärte er zudem, Dawa Sherpa habe berichtet, am Vortag einen Hubschrauber gesehen zu haben, sei erschöpft gewesen und habe sich daraufhin ausgeruht: "Er erzählte uns, dass er gestern den Hubschrauber gesehen habe. Es scheint, als sei er erschöpft gewesen und habe sich daraufhin ausgeruht."
Gefunden wurde der Vermisste am Donnerstagmorgen von Mitgliedern des Sagarmatha Pollution Control Committee (SPCC), einer nepalesischen Organisation, die auf dem Everest bei der Wegemarkierung hilft und zugleich zurückgelassenen Abfall beseitigt. Das SPCC war im Rahmen seiner routinemäßigen Einsätze in der Region unterwegs, als die Helfer auf den schwer gezeichneten Bergführer aufmerksam wurden.
Unmittelbar nach dem Fund wurde ein Hubschrauber entsandt, um Hillary Dawa Sherpa in ein Krankenhaus in Kathmandu zu bringen. Behördenvertreter und Expeditionsveranstalter erklärten anschließend, er sei bei guter Gesundheit. Dort erhält er nach Angaben von 8K Expeditions derzeit medizinische Behandlung.
Videobotschaft löst Suchaktion aus
Vorausgegangen war eine dramatische öffentliche Suche, nachdem der britische Bergsteiger Chris Thrall am Mittwoch über ein Video auf Instagram den Tod des Sherpa-Führers bekannt gegeben hatte. Thrall schilderte darin, dass er den Sherpa auf dem Berg zurückgelassen habe, nachdem dieser ihn gebeten habe, allein weiterzugehen. Er erklärte zudem, mit dem Sherpa am 29. Mai gegen 17 Uhr den Gipfel erfolgreich erreicht zu haben.
Nach Thralls Video wurden umgehend Rettungsteams aktiviert, die in den Folgetagen auf dem Berg nach dem Vermissten suchten. Der Aufstieg, bei dem Hillary Dawa Sherpa zuletzt als Führer im Einsatz war, gehörte bereits zu den letzten der diesjährigen Frühlingssaison am höchsten Berg der Welt.
Laut Khimlal Gautam, Leiter des Büros am Everest-Basislager des nepalesischen Tourismusministeriums, erreichten in der Frühjahrssaison 2026 nach vorläufigen Schätzungen mindestens 1.000 Bergsteigerinnen und Bergsteiger einschließlich der Guides den Gipfel des Mount Everest. Im Vorjahr waren es 866 erfolgreiche Gipfelbesteigungen gewesen.
Rekordsaison mit mindestens 1.000 Gipfelerfolgen
Die Saison 2026 verlief allerdings nicht ohne Verluste: Nach ersten Angaben nepalesischer Behörden starben mindestens fünf Menschen – zwei indische und drei nepalesische Bergsteiger – auf dem Weg zum oder vom Gipfel. Die tibetische Seite des Berges, die von China aus bestiegen werden kann, war in dieser Saison geschlossen.
Die genauen Umstände, warum Hillary Dawa Sherpa plötzlich vom Kurs abkam und wie er fast eine Woche lang allein in großer Höhe am Berg überleben konnte, blieben zunächst unklar. Auch warum er sich von seinem Klienten trennte und abwärts kroch, ist bislang nicht im Detail bekannt.
Fest steht, dass der Fall die Risiken des Höhenbergsteigens am Everest erneut in den Blick rückt. Der Khumbu-Eisbruch, in dessen Nähe der Vermisste gefunden wurde, gilt als einer der gefährlichsten Abschnitte der Südroute. Spalten, sich ständig verschiebende Eistürme und Lawinengefahr machen den Bereich besonders tückisch.
Risiken am Khumbu-Eisbruch
Die nepalesische Tourismusbranche steht zugleich vor einer Rekordsaison. Die Marke von 1.000 erfolgreichen Gipfelbesteigungen übertraf frühere Werte und stellt die logistischen Kapazitäten der Expeditionsveranstalter, Behörden und Rettungsdienste vor wachsende Herausforderungen. Die Bergführer tragen dabei den Großteil der Last – sie sichern Routen, tragen Lasten, setzen Fixseile und begleiten internationale Klienten.
Pemba Sherpa von 8K Expeditions äußerte sich erleichtert über den Ausgang der Suche. Er betonte, dass Hillary Dawa Sherpa zu den erfahrenen Bergführern gehöre und die Organisation stets auf die Sicherheit ihrer Teams achte. Die kommenden Tage sollen nach Angaben des Unternehmens der medizinischen Versorgung und Erholung des Geretteten dienen.
Der Fall erinnert zugleich an frühere Vorfälle, bei denen Sherpas am Everest verschollen waren und nur durch Zufall oder langwierige Suchaktionen gefunden wurden. Die Rolle des SPCC, das ursprünglich zur Abfallbeseitigung gegründet wurde, hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend auch auf sicherheitsrelevante Aufgaben wie Wegemarkierung und Sucheinsätze erweitert.
Bedeutung für die Sherpa-Gemeinschaft und den nepalesischen Tourismus
Beobachter werten die Rettung von Hillary Dawa Sherpa als seltenes Beispiel einer geglückten Eigenrettung in extremer Höhe. Ohne die Hilfe seiner Kameraden, die in der Endphase der Saison Seile und Leitern abmontierten, wäre der Vermisste vermutlich erst spät oder gar nicht entdeckt worden.
Für die internationale Bergsteigergemeinschaft ist der Vorfall zugleich eine Mahnung: Auch erfahrene Höhenbergsteiger können am Everest in Situationen geraten, in denen jede Hilfe zu spät kommt. Die nepalesischen Behörden kündigten an, den Vorfall zu untersuchen und die gewonnenen Erkenntnisse in die Sicherheitsstandards der kommenden Saisons einfließen zu lassen.
Hillary Dawa Sherpa gehört zur Volksgruppe der Sherpa, die in der Region um den Everest seit Generationen als Träger und Bergführer tätig sind. Ihr Wissen über Wetterverhältnisse, Routen und Höhenphysiologie ist ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der Expeditionen aus aller Welt.
Am Tag nach seiner Rettung herrschte am Basislager und in Kathmandu nach Angaben von Expeditionsveranstaltern große Erleichterung. 8K Expeditions kündigte an, den Bergführer nach seiner Genesung gebührend zu empfangen und den Fall transparent aufzuarbeiten.
Der Vorfall wirft zugleich ein Schlaglicht auf die Rolle sozialer Medien in der Bergsteigerszene. Chris Thralls Video, in dem er den Tod des Sherpa-Führers meldete, verbreitete sich rasch und verstärkte den öffentlichen Druck auf die Sucheinsätze. Gleichzeitig zeigte der Fall, wie schnell Informationen aus der Hochgebirgsregion ein weltweites Publikum erreichen können.
Die nepalesischen Behörden betonten, dass die Ermittlungen zum genauen Hergang der Rettung und zu möglichen Verbesserungen der Sicherheitsprotokolle noch andauern. Man wolle aus dem Vorfall Lehren ziehen, hieß es aus dem Tourismusministerium.
In den kommenden Wochen wird Hillary Dawa Sherpa den Angaben zufolge in Kathmandu medizinisch betreut. Wann und ob er in dieser Saison noch einmal auf den Berg zurückkehren wird, blieb zunächst offen.
Die Geschichte des 57-Jährigen, der sechs Tage in einer der tödlichsten Höhenregionen der Welt verbrachte und dennoch lebend zurückkehrte, wird in der Bergsteigergemeinschaft voraussichtlich noch lange Gesprächsstoff liefern – als Beispiel für die Unberechenbarkeit des Mount Everest und zugleich für die Widerstandsfähigkeit derjenigen, die ihn Tag für Tag besteigen.
Fragen & Antworten
Wer ist Hillary Dawa Sherpa?
Hillary Dawa Sherpa ist ein 57-jähriger nepalesischer Bergführer aus dem Volk der Sherpa, der zuletzt am 29. Mai 2026 auf etwa 7.100 Metern Höhe am Mount Everest gesehen wurde, als er nach der Gipfelführung für einen polnischen Bergsteiger abstieg.
Wie wurde Hillary Dawa Sherpa nach sechs Tagen gefunden?
Am Donnerstagmorgen entdeckten Mitarbeiter des Sagarmatha Pollution Control Committee (SPCC) sowie Bergführer, die Seile und Leitern für das Saisonende abmontierten, den Vermissten in der Nähe des Khumbu-Eisbruchs unweit des Basislagers auf 5.364 Metern Höhe, von wo aus er per Hubschrauber nach Kathmandu gebracht wurde.
Warum hatte Chris Thrall den Tod des Bergführers gemeldet?
Der britische Bergsteiger Chris Thrall, ein ehemaliger Royal Marine, hatte am Mittwoch über ein Video auf Instagram erklärt, sein Sherpa habe ihn auf dem Berg gebeten, allein weiterzugehen, woraufhin er ihn zurückgelassen habe – diese Mitteilung löste die anschließende Suche aus.