Sané nach Karl-Verletzung: Stammplatz vor WM | finanz360
Nach Karls Verletzung: Sané rückt in den Fokus – Ouédraogo nachnominiert
Frankfurt am Main, 06 Juni 2026
Rolle Rygin. / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
Nach dem Muskelbündelriss von Bayern-Youngster Lennart Karl vor dem Länderspiel gegen die USA in Chicago rückt Leroy Sané auf den rechten Flügel. Bundestrainer Julian Nagelsmann nominierte Assan Ouédraogo von RB Leipzig als Ersatz nach, der jedoch erst einen einzigen Einsatz in der A-Nationalmannschaft vorzuweisen hat.
Frankfurt am Main, 06 Juni 2026
Der Ausfall von Bayern-München-Talent Lennart Karl durch einen Muskelbündelriss im linken Oberschenkel unmittelbar vor dem Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die USA in Chicago hat die Personalsituation im deutschen WM-Kader kurzfristig verändert und eröffnet Leroy Sané unerwartete Chancen auf einen Stammplatz.
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft steht wenige Tage vor dem Start der Weltmeisterschaft in den USA vor einer unerwarteten personellen Hürde. Beim letzten Training vor dem freundschaftlichen Vergleich mit dem Co-Gastgeber am Samstagabend (Anpfiff 21 Uhr MESZ/23 Uhr Ortszeit) im Soldier Field in Chicago riss bei dem 18-jährigen Lennart Karl ein Muskelbündel im linken Oberschenkel. Damit ist die WM für den Youngster des FC Bayern München bereits beendet, noch bevor sie begonnen hat. Karl ist bereits nach Deutschland zurückgeflogen, wie DFB-Sportdirektor Rudi Völler vor dem Spiel im RTL-Interview bestätigte.
Die Nachricht vom Ausfall des Offensivtalents schlug im deutschen Lager tief ein. „Wir waren alle ein bisschen schockiert“, sagte Völler mit Blick auf die Mannschaft. „Aber wir raufen uns noch mal zusammen“, fügte der Sportdirektor hinzu und beschrieb damit die unmittelbare Reaktion der Mannschaft auf den Schockmoment. Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann sprach von „einem großen Schock“ für Spieler und Team gleichermaßen.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der sich ebenfalls gegenüber RTL äußerte, bewertete den Verlust doppelt: persönlich und sportlich. „Das ist sicherlich ein Verlust und auch für den Jungen selber absolut tragisch, wie ich finde“, sagte Neuendorf. Zugleich richtete er den Blick nach vorn: „Man kann ihm jetzt auch nicht tagelang nachtrauern. Ich glaube, jeder spielt auch ein Stück für ihn und will das auf jeden Fall, dass das gut kompensiert wird.“ Der DFB-Präsident formulierte zudem eine klare Erwartung an die Mannschaft: „Ich glaube, das Gefühl, das sich so entwickelt, ist, dass man jetzt sagt: 'Jetzt erst recht'. Das ist die richtige Reaktion, wie ich finde. So eine Trotzreaktion, die erhoffen wir uns alle.“
Reaktionen aus dem DFB-Lager
Sportlich eröffnet der Ausfall eine Chance für den 30-jährigen Leroy Sané, der seit Sommer für Galatasaray Istanbul spielt und als früherer Profi des FC Bayern München bestens mit dem Münchner Umfeld vertraut ist. Im Spiel gegen die USA übernahm Sané den rechten Flügel, den Karl ursprünglich hätte bekleiden sollen. Nagelsmann erklärte, Sané solle gegen die USA zeigen, in welchem Umfang er Karl ersetzen könne. Sané gilt als linksfüßig, schnell und dribbelstark – ein Profil, das dem von Karl ähnelt.
Auf der Ersatzbank steht ein anderer Name, der in den kommenden Tagen an Bedeutung gewinnen dürfte: Assan Ouédraogo. Der 20-Jährige, der im Sommer 2024 vom FC Schalke 04 zu RB Leipzig gewechselt ist, wurde von Nagelsmann nachnominiert. Allerdings ist seine internationale Erfahrung begrenzt: Erst ein Länderspiel hat Ouédraogo bislang für Deutschland bestritten. Sein Debüt gab er im November in der WM-Qualifikation gegen die Slowakei, als er in der 77. Minute eingewechselt wurde und nur zwei Minuten später das zwischenzeitliche 6:0 erzielte. In der Bundesliga kam er für Leipzig seit seinem Wechsel lediglich zu 22 Einsätzen.
Sané übernimmt auf dem rechten Flügel
Nagelsmann betonte vor dem Anpfiff den Charakter des Neulings. Er beschrieb ihn als „super freundlich“, „sehr, sehr offen“ und als „bescheidenen jungen Mann, der keine Allüren“ habe. Auch sportlich sieht der Bundestrainer vielversprechende Anlagen: „Er hat einen sehr guten Speed, einen super interessanten Körper, eine gute Torgefahr, einen intelligenten Torabschluss und ein interessantes Mindset.“ Die Personalie Ouédraogo war nicht alternativlos: Mit Said El Mala vom 1. FC Köln und Chris Führich vom VfB Stuttgart standen weitere Kandidaten bereit, die Nagelsmann jedoch nicht berücksichtigte.
Abseits der Personalrochade um Karl richtete sich der Blick im Lager der Mannschaft auch auf andere Personalfragen. Im Angriff begann Kai Havertz vom FC Arsenal als Mittelstürmer, da Deniz Undav, der im vorherigen Spiel gegen Finnland noch zwei Tore erzielt hatte, leicht angeschlagen ausfiel. Auf der linken Abwehrseite setzte Nagelsmann erneut auf Nathaniel Brown, der bereits sechs Tage zuvor gegen Finnland den Vorzug vor David Raum erhalten hatte.
Offensive und Defensive: weitere Personalien
Auch die Torhüterfrage bleibt im deutschen Team ein Dauerthema. Manuel Neuer wartet weiterhin auf seinen 125. Länderspieleinsatz. Sein letztes Spiel im DFB-Trikot liegt mehr als 22 Monate zurück: Es war das verlorene EM-Viertelfinale im Juli 2024. Der mittlerweile 40-Jährige soll in der folgenden Woche (Montag) ins Mannschaftstraining zurückkehren und nach Möglichkeit im WM-Eröffnungsspiel der deutschen Mannschaft am 14. Juni gegen Curaçao zwischen den Pfosten stehen. Nagelsmann zeigte sich gelassen: „Ihm geht's gut“, sagte der Bundestrainer. „Die Situation, die er jetzt hat, kennt er auch von den Bayern. Das hat er letztes Jahr fünf-, sechsmal gehabt.“
Das Testspiel gegen die USA war der letzte Härtetest vor dem WM-Start, an dem die USA als einer der drei Co-Gastgeber (zusammen mit Kanada und Mexiko) selbst beteiligt sind. In Chicago, am traditionsreichen Soldier Field, wollte Nagelsmann die letzten taktischen und personellen Schlüsse ziehen – der Ausfall Karls durchkreuzte diese Planungen zumindest teilweise. Doch die Richtung, in die das deutsche Team gehen will, formulierte Neuendorf deutlich: nicht hadern, sondern Trotz zeigen. „Jetzt erst recht“, so der Präsident.
Letzter Härtetest gegen Co-Gastgeber
Mit Ouédraogo stößt ein Spieler zum Kader, der das Vertrauen des Bundestrainers offensichtlich genießt, bislang aber auf internationalem Parkett ein unbeschriebenes Blatt ist. Sané hingegen bringt die Erfahrung aus Hunderten Bundesliga- und Champions-League-Einsätzen mit, ist allerdings seit seinem Wechsel in die türkische Süper Lig in einem anderen Wettbewerbsrhythmus unterwegs. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die deutsche Mannschaft die personelle Lücke, die der 18-jährige Karl hinterlässt, mit dem veränderten Personalgefüge schließen kann.
Dass Karl nach seinem Riss im linken Oberschenkel bereits den Rückflug angetreten hat, unterstreicht den Ernst der Verletzung. Ein Muskelbündelriss bedeutet in der Regel eine Pause von mehreren Wochen, sodass eine Teilnahme am Turnier in den USA ausgeschlossen ist. Für den Youngster, der als Ausnahmetalent bei Bayern München gilt, ist die verpasste WM ein herber Rückschlag in einer bislang aufstrebenden Karriere.
Ausblick auf die WM-Generalprobe
Die Reaktion aus dem DFB-Lager fiel gleichzeitig betroffen und nach vorn gewandt aus. Völler sprach von einem kollektiven Schock, Neuendorf appellierte an die Trotzreaktion, Nagelsmann versuchte Zuversicht zu verbreiten. Ob die Mannschaft diese Stimmung in Leistung auf dem Platz umsetzen kann, wird sich am Samstagabend in Chicago zeigen – und spätestens am 14. Juni beim WM-Auftakt gegen Curaçao.
Gleichzeitig bleibt abzuwarten, welche Rolle Ouédraogo in der verbleibenden WM-Vorbereitung spielen wird. Mit nur einem Länderspiel und überschaubarer Bundesliga-Erfahrung bei RB Leipzig ist er unbestritten ein Projekt für die Zukunft. Dass Nagelsmann ihn dennoch nachnominierte und öffentlich lobte, deutet darauf hin, dass der Bundestrainer in ihm mehr sieht als eine reine Notlösung. Ob Sané indes dauerhaft auf der rechten Außenbahn zum Einsatz kommt, hängt auch davon ab, wie er sich am Samstagabend gegen die USA präsentiert.
Das Testspiel gegen die WM-Co-Gastgeber ist für die deutsche Mannschaft auch ein Stimmungsbarometer. Nach dem Schock um Karl, der bereits abgereist ist, will das Team um Kapitän und Trainer den Blick nach vorn richten. Wie gut das gelingt, werden die kommenden Tage und der WM-Auftakt gegen Curaçao zeigen.
Die deutsche Mannschaft reist nach dem Spiel in Chicago weiter in die USA, wo am 14. Juni in einem der Austragungsorte der erste WM-Gegner Curaçao wartet. Bis dahin muss Nagelsmann entscheiden, ob er Sané auf der rechten Außenbahn das Vertrauen schenkt – oder ob der Bundestrainer auf andere Optionen in seinem Kader zurückgreift, um die Lücke zu füllen, die der 18-jährige Karl hinterlässt.
Beobachter werten den Schritt, Sané in Chicago starten zu lassen, auch als taktisches Signal. Der gebürtige Essener, der über Stationen wie Schalke 04, Manchester City und den FC Bayern München zu Galatasaray Istanbul kam, bringt internationales Top-Niveau mit und kennt die Anforderungen großer Turniere. Dass Nagelsmann ihm gegen die USA die Möglichkeit gibt, sich für eine Stammrolle zu empfehlen, ist auch eine Bewertung der Trainingsleistungen der vergangenen Tage.
Nicht zuletzt zeigt der Vorgang, wie dünn die Personaldecke im deutschen Kader auf der rechten Außenbahn besetzt ist. Mit dem Ausfall Karls und der Nicht-Berücksichtigung von El Mala und Führich bleiben nur wenige Alternativen – ein Umstand, der die Bedeutung von Sanés Auftritt in Chicago noch erhöht.
Fragen & Antworten
Was ist Lennart Karl passiert?
Der 18-jährige Offensivspieler des FC Bayern München erlitt im letzten Training vor dem Länderspiel gegen die USA in Chicago einen Muskelbündelriss im linken Oberschenkel, flog daraufhin nach Deutschland zurück und wird die WM verpassen.
Wer ersetzt Karl im deutschen Kader?
Bundestrainer Julian Nagelsmann nominierte Assan Ouédraogo von RB Leipzig nach; auf dem Platz übernahm der 30-jährige Leroy Sané, der für Galatasaray Istanbul spielt und früher beim FC Bayern München aktiv war, den rechten Flügel.
Wie reagierten DFB-Verantwortliche auf den Ausfall?
DFB-Sportdirektor Rudi Völler sprach von einem kollektiven Schock, Präsident Bernd Neuendorf forderte eine Trotzreaktion im Sinne von „Jetzt erst recht“, und Bundestrainer Julian Nagelsmann versuchte, Zuversicht auszustrahlen und gleichzeitig den Neuling Ouédraogo öffentlich zu loben.