Letzter Castor-Transport aus England erreicht Brunsbüttel – Behälter sollen am Mittwoch nach Brokdorf
Brunsbüttel, 16. Juni 2026
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Kurzfassung
Das Spezialschiff "Pacific Grebe" hat am frühen Dienstagmorgen sieben Castor-Behälter mit radioaktiven Abfällen aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield im Elbhafen Brunsbüttel angelandet. Die Behälter sollen am Mittwoch in das Zwischenlager am stillgelegten Kernkraftwerk Brokdorf an der Elbe transportiert werden – es ist der letzte Castor-Transport aus Großbritannien nach Deutschland und zugleich der erste seiner Art nach Schleswig-Holstein.
Das Spezialschiff "Pacific Grebe" mit den letzten sieben Castor-Behältern aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield hat am frühen Dienstagmorgen, 16. Juni 2026, im Elbhafen Brunsbüttel in Schleswig-Holstein festgemacht.
Nach Angaben der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) transportiert das Schiff sieben Behälter mit radioaktivem Müll – sogenannte Castoren. Wie ein Sprecher der GNS mitteilte, erreichten die sieben Castoren den Elbhafen von Brunsbüttel. Es handele sich um den ersten Transport von radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufbereitung nach Schleswig-Holstein überhaupt, sagte der Sprecher. Damit wäre es die bislang einzige Rückführung hin zu einem schleswig-holsteinischen Standort.
Bei dem Atommüll handelt es sich um Überreste von Brennelementen aus deutschen Kernkraftwerken, die in England aufgearbeitet wurden. In den Behältern befinden sich Brennelemente, die vor 2005 aus deutschen Kernkraftwerfen ins britische Sellafield transportiert worden sind. Dort sind sie aufbereitet worden. Der atomare Abfall stammt aus einer Wiederaufbereitungsanlage in England.
Hintergrund: Wiederaufbereitung in Sellafield
Die heute angekommene Ladung der "Pacific Grebe" ist der letzte Castor-Transport von England nach Deutschland – und auch der letzte radioaktive Abfall, der in Brokdorf ankommt. Insgesamt fanden in den letzten 30 Jahren fünfzehn Rückführungen statt. Bis zum Jahr 2005 wurden laut GNS verbrauchte Brennelemente aus deutschen Kernkraftwerken zur Wiederaufarbeitung nach England und Frankreich transportiert. Die Praxis der Wiederaufarbeitung wurde von der Bundesregierung im Jahr 2005 gesetzlich beendet.
Deutschland hat sich völkerrechtlich zur Rücknahme dieses Mülls verpflichtet. Zur Rücknahme der radioaktiven Abfälle haben sich sowohl die Betreiber der Kernkraftwerke privatrechtlich als auch die Bundesrepublik Deutschland völkerrechtlich verpflichtet. Diese wiederaufbereiteten Brennelemente muss Deutschland wieder zurücknehmen. Die meisten befinden sich schon in anderen Zwischenlagern in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Niedersachsen.
2015 hatte die Bundesregierung ein Konzept für die Aufbewahrung der noch übrigen 24 deutschen Castoren festgelegt. Neben den Standorten Biblis (Hessen), Philippsburg (Baden-Württemberg) und Isar (Bayern) geht der letzte geplante Transport nach Brokdorf. Die Rückführung von deutschem Atommüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague war bereits 2024 abgeschlossen worden. 108 Castoren aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague sind ins zentrale Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben gebracht und dort eingelagert worden.
Lagerort Brokdorf: 75 Behälter sind schon da
Dort lagern bereits rund 75 Behälter mit radioaktivem Abfall. Mit den sieben neuen Castoren wären somit 83 von 100 Stellplätze in der Anlage belegt. Allein ein solcher Behälter wiegt über einhundert Tonnen. In den Röhren sind laut Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH (BGZ) die hochradioaktiven Abfälle in Glas eingeschmolzen und in Edelstahlgussformen gefüllt.
Diese sollen so lange dort bleiben, bis es ein Endlager gebe, teilt die BGZ mit. Dies könne mehrere Jahrzehnte dauern, so die Gesellschaft. Bislang wird sämtlicher Atommüll in oberirdischen Zwischenlagern aufbewahrt. 16 solche Zwischenlager gibt es in mehreren Bundesländern in Deutschland.
Vom Hafen auf Spezial-Lkw
Im Hafen von Brunsbüttel haben am Montag und Dienstag die Vorbereitungen für den Weitertransport begonnen. Das Spezialschiff liegt im Hafen in Brunsbüttel. Am Hafen Brunsbüttel war am Montag die Wasserschutzpolizei in der Nähe von Kränen unterwegs. Dort hat bereits das Verladen auf Spezial-Lkw begonnen. Geplant ist, die Castor-Behälter heute im Laufe des Tages auf Spezial-Lkw umzuladen.
Auf Spezial-LKW sollen die Castor-Behälter jetzt in das gut 15 Kilometer entfernte Zwischenlager am stillgelegten Atomkraftwerk Brokdorf transportiert werden. Die Behälter sollen voraussichtlich am Mittwoch in das Zwischenlager des stillgelegten Kernkraftwerks Brokdorf (Kreis Steinburg) an der Elbe transportiert werden. Voraussichtlich morgen werden die Castoren dann ins Zwischenlager von Brokdorf gebracht.
Sicherheitsvorkehrungen durch die BGZ
Laut dem Inhaber der Zwischenlager, der Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH (BGZ), führen Fachkräfte nach der Ankunft des Transports letzte Sicherheitsvorkehrungen an den Behältern durch. Außerdem wird nach Angaben der Gesellschaft der Hohlraum zwischen beiden Deckeln mit Helium gefüllt. Dies ermögliche es, bei Druckverlust Mängel an der Dichtungsabsicherung zu finden. Wann die Umladearbeiten und der Weitertransport beginnen, ist laut GNS weiterhin ungewiss.
Die Polizei sichert das Gelände weiträumig ab. Einsatzkräfte haben zudem das Gelände im Hafen von Brunsbüttel abgeriegelt, wie eine Polizeisprecherin sagte. Die Polizei sperrt derzeit mit mehreren Einsatzfahrzeugen die Zufahrten zum Hafen ab. Es sind mehrere Einsatzkräfte vor Ort und sichern das Gelände des Hafens ab, wie eine Polizeisprecherin sagte.
Proteste und Polizeieinsatz
Die genaue Route ist geheim. Damit wollen die Behörden Proteste entlang des Transportwegs erschweren. Im Vorfeld hatten Atomkraftgegner und Aktivisten Mahnwachen und andere Proteste angekündigt. Das Bündnis "Castor-Stoppen" hatte im Vorfeld für Mittwoch eine Mahnwache am S-Bahnhof Hamburg-Barmbek und an anderen Orten entlang einer möglichen Transportstrecke sowie am Kernkraftwerk Brunsbüttel Protestaktionen abgekündigt. Das Bündnis Castor-Stoppen kündigte eine Kundgebung vor dem AKW an.
Zum Zeitpunkt der Berichterstattung blieb es jedoch ruhig. Bislang habe es keine Demonstration gegeben, sagte die Polizeisprecherin. Die Aktivisten kritisieren, dass hochradioaktiver Abfall auf der Straße transportiert wird. Dies sei mit Gefahren verbunden. Außerdem beklagen sie, dass es in Deutschland nach wie vor kein Konzept für die Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll gibt.
Ausblick: Warten auf ein Endlager
In Brokdorf soll der Müll zwischengelagert werden, bis es einen Ort für die Endlagerung von hochradioaktivem Müll in Deutschland gibt. Der Standort Brokdorf hat in der Geschichte der bundesdeutschen Atomkraft eine besondere Symbolkraft: Am 7. Juni 1986 demonstrierten in Brokdorf 30.000 Menschen gegen die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks. Das Spezialschiff "Pacific Grebe" hat am Dienstagmorgen am Elbehafen Brunsbüttel im nördlichen Bundesland Schleswig-Holstein festgemacht. Ein Transport mit radioaktiven Abfällen hat am frühen Morgen Brunsbüttel erreicht. Der letzte Transport mit radioaktiven Abfällen aus der Aufarbeitungsanlage Sellafield in Großbritannien hat Deutschland erreicht.
Diese Nachricht wurde am 17.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Zuvor hatten Medien berichtet. Das Schiff war in England gestartet. Ziel ist das Zwischenlager Brokdorf.
Fragen & Antworten
Was befindet sich in den sieben Castor-Behältern an Bord der "Pacific Grebe"?
In den Behältern befinden sich Brennelemente aus deutschen Kernkraftwerken, die vor 2005 zur Wiederaufbereitung ins britische Sellafield transportiert und dort aufbereitet wurden. Laut BGZ sind die hochradioaktiven Abfälle in Glas eingeschmolzen und in Edelstahlgussformen gefüllt.
Warum ist die genaue Transportroute von Brunsbüttel nach Brokdorf geheim?
Die Behörden halten die Route geheim, um Protestaktionen entlang des Transportwegs zu erschweren. Atomkraftgegner und Aktivisten wie das Bündnis "Castor-Stoppen" hatten im Vorfeld Mahnwachen und Demonstrationen angekündigt.
Wie lange sollen die Castoren in Brokdorf bleiben?
Laut der BGZ sollen die Castoren so lange im Zwischenlager am stillgelegten Kernkraftwerk Brokdorf bleiben, bis ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll in Deutschland gefunden ist. Dies könne mehrere Jahrzehnte dauern.
Letzter Castor aus Sellafield in Brunsbüttel | finanz360