Israel greift Beirut an – Iran feuert Raketen auf Israel | finanz360
Israel fliegt Angriffe auf Beirut – Iran antwortet mit Raketen auf Nordisrael
Tel Aviv/Beirut/Washington, 07 Juni 2026
Israel Central Bureau of Statistics / Wikimedia Commons / Attribution
Kurzfassung
Die israelische Luftwaffe hat Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut bombardiert, woraufhin der Iran Raketen auf Nordisrael abfeuerte. Die Angriffe erfolgten trotz einer von US-Präsident Donald Trump verkündeten Waffenruhe und gefährden die laufenden Verhandlungen zwischen Washington und Teheran.
Tel Aviv/Beirut/Washington, 07 Juni 2026
Die israelische Armee hat am Sonntagabend Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen, woraufhin der Iran mit Raketen auf Nordisrael feuerte und damit eine von US-Präsident Donald Trump verkündete Waffenruhe durchbrach.
Israelischer Angriff auf Beiruter Vororte
Die israelische Armee flog am späten Sonntagabend Angriffe auf die südlichen Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut. Wie Augenzeugenvideos zeigten, stiegen dichte Rauchwolken über dem Viertel Dahiyeh auf, das als Hochburg der schiitischen Hisbollah-Miliz gilt, aber auch dicht besiedelt ist. Die israelische Armee erklärte, man habe "Terroristen-Hauptquartiere" zerstört. Bei den Angriffen wurden nach libanesischen Angaben mindestens zwei Menschen getötet, Augenzeugen berichteten von schwerer Zerstörung über mehrere Stockwerke eines Gebäudes.
Die Attacke ereignete sich nur wenige Stunden, nachdem Israel und der Libanon nach US-Angaben eine neue Waffenruhe vereinbart hatten. Am Tag zuvor hatten die israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz die Angriffe angekündigt und sie als Reaktion auf Hisbollah-Beschuss auf Israel bezeichnet. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor einen Stopp israelischer Angriffe in der Region und ein Ende der Hisbollah-Angriffe auf Israel verkündet. Zudem hatte Israel gedroht, im Falle weiterer Hisbollah-Angriffe die Vororte Beiruts erneut anzugreifen und die Bewohner zur Flucht zu drängen.
Iranische Vergeltungsschläge
Der Iran reagierte noch in der Nacht mit Raketen auf Nordisrael. Nach Angaben der israelischen Armee wurden mindestens zehn Raketen auf das Land abgefeuert, einige Quellen sprachen von insgesamt vier identifizierten Raketen. Die iranischen Revolutionsgarden bezeichneten den Angriff als Warnung nach den jüngsten israelischen Luftangriffen. In einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung begründeten die iranischen Streitkräfte die Attacke mit "wiederholten Verstößen" der israelischen Armee gegen die Waffenruhe im Libanon. Konkret reagierte der Iran damit auf neue Angriffe Israels in Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut am Sonntag trotz einer von US-Präsident Donald Trump verkündeten Waffenruhe.
Israels Raketenabwehr fing nach Angaben des Militärs alle Geschosse ab, zudem seien zwei iranische Drohnen vom US-Militär abgeschossen worden. Verletzte oder größere Schäden wurden zunächst nicht gemeldet. Der Iran hatte zuvor gewarnt, dass weitere israelische Angriffe auf den Großraum Beirut als neuer Eskalationsschritt in der regionalen Konfrontation gewertet würden. Zudem hatte der oberste iranische Unterhändler nach israelischen Angriffen auf den Libanon mit Vergeltung gedroht und ein iranischer Unterhändler drohte mit Angriffen auf US-Stützpunkte.
Israels Drohungen und militärische Reaktionen
Premierminister Netanjahu sagte zu Beginn einer Kabinettssitzung: "Wir werden nicht zulassen, dass die Hisbollah auf unser Gebiet und unsere Gemeinden schießt - und wir werden entsprechend handeln." Zudem erklärte er: "Wir greifen sie sehr hart an, und wir wissen, dass die Hisbollah auf der Flucht ist." Ein namentlich nicht genannter israelischer Regierungsvertreter kündigte an: "Der Iran kann vergessen, dass wir das hinnehmen werden – die Reaktion wird hart ausfallen." Man werde nicht zulassen, "dass sie irgendwelche neuen Spielregeln schaffen und unsere Souveränität verletzen".
Der israelische TV-Sender N12 sowie das Nachrichtenportal ynet berichteten dies unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten israelischen Regierungsvertreter. Netanjahu führte nach den iranischen Angriffen eine Sicherheitsberatung mit Vertretern von Militär und Geheimdiensten durch. Der israelische Armeechef Samir drohte dem Iran mit einer harten Reaktion, sobald es dafür grünes Licht gebe. Die israelische Armee hatte zudem in der Woche zuvor 350 "Terroristen" im Libanon getötet.
Der Hisbollah-Anführer Naim Qassem lehnte das zwischen der libanesischen Regierung und Israel vereinbarte Abkommen ab. Die vom Iran unterstützte Hisbollah, die nicht an den Verhandlungen beteiligt war, lehnte die Bedingungen jedoch ab. Daraufhin kam es kurz darauf zu neuen Angriffen. Im Libanon gehen die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz weiter. Die Hisbollah ist der wichtigste nichtstaatliche Verbündete des Iran.
Trumps Vermittlungsversuche
US-Präsident Trump drängte allerdings den israelischen Premier Netanjahu, von Gegenangriffen auf den Iran abzusehen. Er forderte stattdessen gegenüber dem US-Nachrichtenmagazin "Axios" die Rückkehr beider Seiten an den Verhandlungstisch. Trump wollte anschließend mit Netanjahu telefonieren. Trump sagte dem israelischen Journalisten Barak Ravid, er werde den Premierminister "sofort anrufen" und zur Zurückhaltung mahnen. Trump erklärte zudem: "Beide haben ihren Schlag gehabt — wir brauchen keinen weiteren." Er sei "nicht glücklich" über die israelischen Luftangriffe in Beirut. Trump sagte zudem gegenüber Fox News, die iranischen Angriffe auf Nordisrael würden den Verhandlungen mit Teheran "nicht helfen".
Trump erklärte, die USA seien einer Einigung sehr nahe gewesen und hätten mit einer Unterzeichnung noch in derselben Woche gerechnet. Er stellte zugleich klar, dass es ohne ein Friedensabkommen keine Aufhebung der Iran-Sanktionen geben werde. Trump knüpfte die Waffenruhe-Verlängerung auch an die Öffnung der Straße von Hormus. Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über eine dauerhafte Beendigung des Kriegs haben aber bisher keine Einigung gebracht.
Reaktionen aus dem Libanon
Der libanesische Präsident Joseph Aoun sprach von einem eklatanten Verstoß gegen die libanesische Souveränität sowie internationale Gesetze und Normen. Aoun erklärte auf der Plattform X, die Eskalation erfolge trotz der Bemühungen des Libanons, in Verhandlungen den israelischen Angriffen ohne Abschreckung ein Ende zu setzen. Die libanesische Armee ist in dem Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz keine aktive Kriegspartei und verhält sich neutral. Die libanesische Armeeführung warf Israel vor, anhaltend den Libanon und seine Bevölkerung anzugreifen, mit dem Ziel, alle Bemühungen um eine Wiederherstellung der Stabilität, einen umfassenden Waffenstillstand und den Rückzug Israels aus den besetzten libanesischen Gebieten zu vereiteln.
Bei einem israelischen Angriff auf ein Militärfahrzeug im Südlibanon sind nach Angaben der libanesischen Armee zwei Offiziere und ein Soldat getötet worden. Die israelische Armee bestätigte den Angriff, bestritt jedoch die libanesische Darstellung. Das Fahrzeug habe sich "verdächtig" auf israelische Soldaten zubewegt und sei in einer zuvor evakuierten Kampfzone unterwegs gewesen. Bewegungen in solchen Zonen müssten mit der israelischen Armee abgestimmt werden. Zudem lagen nach Armeeangaben konkrete Hinweise vor, dass die Hisbollah aus diesem Gebiet Feuer auf israelische Soldaten eröffnen wollte. Nach der Identifizierung des Fahrzeugs und angesichts dieser Lageeinschätzung sei der Befehl zum Beschuss erteilt worden. Der Vorfall werde untersucht.
Am vorhergehenden Samstag hatte die israelische Armee alle Bewohner von fünf Städten und Dörfern im Südlibanon zur sofortigen Evakuierung aufgerufen. Armeesprecher Avichay Adraee erklärte auf X, die Bewohner sollten zu ihrer eigenen Sicherheit sofort ihre Häuser verlassen und sich nördlich des Sahrani-Flusses begeben. Der Sahrani-Fluss ist etwa 30 Kilometer lang, entspringt im Libanongebirge und mündet rund sieben Kilometer südlich der Hafenstadt Sidon ins Mittelmeer. Der Armeesprecher begründete die Evakuierungsanordnung auf X mit Verstößen der libanesischen Hisbollah-Miliz gegen die Waffenruhe. Avichay Adraee warnte, jeder in der Nähe von Hisbollah-Kämpfern, deren Einrichtungen und Kampfmitteln gefährde sein Leben.
Auswirkungen auf die Region
Bei dem iranischen Angriff drangen mehrere Raketen auch in den Luftraum Jordaniens ein, wie dessen Regierung mitteilte. Im iranischen Nachbarstaat Irak und in Syrien wurde jeweils der Luftraum vorerst gesperrt. Nach Angaben amerikanischer Informationen feuerte Teheran in den vergangenen Tagen auch Raketen auf Kuwait und Bahrain, die beide Golfstaaten die Angriffe als Verletzung ihrer Souveränität verurteilten. Die meisten der auf Kuwait und Bahrain abgefeuerten Projektile wurden abgefangen.
Der iranische Parlamentsausschuss-Sprecher für Außenpolitik, Ebrahim Rezaei, schrieb auf X: "Beobachtet heute Nacht den Himmel über den besetzten Gebieten" – eine iranische Umschreibung für Israel. Jerusalem wertete den Beschuss als direkten Bruch der Waffenruhe. Die iranischen Staatsmedien meldeten zwei Raketensalven auf Israel, das israelische Militär sprach von identifizierten Raketen aus dem Iran. Abwehrsysteme seien im Einsatz, um die Bedrohung abzufangen, teilte das israelische Militär mit.
Israels Heimatschutzkommando verschärfte die Sicherheitsmaßnahmen im ganzen Land, hielt Schulen für die kommenden Tage geschlossen, schränkte Versammlungen ein und forderte die Bevölkerung auf, Schutzräume zugänglich zu halten. Das Heimatschutzkommando habe eine vorsorgliche Anweisung direkt an Mobiltelefone in den betroffenen Gebieten gesendet. Der Unterricht in allen Schulen Israels wurde laut dem Zivilschutz für Montag abgesagt. Der internationale Flughafen bei Tel Aviv blieb nach Medienberichten zunächst geöffnet.
Hintergrund: Der Irankrieg und seine Folgen
Hintergrund des Konflikts ist der Krieg, den Israel und die USA am 28. Februar gegen den Iran begonnen hatten. Der Libanon war Anfang März 2026 in den Irankrieg hineingezogen worden. Nach der Tötung des iranischen Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei hat die Hisbollah seither wiederholt Raketen auf Israel abgefeuert. Israel hat zahlreiche Ziele im Libanon mit Luftangriffen attackiert und Bodentruppen über die Grenze entsandt. Zuletzt hatte der Iran in der Nacht auf den 8. April Raketen auf Israel abgefeuert. Am selben Tag einigten sich die USA und der Iran auf eine zunächst zweiwöchige Waffenruhe, die anschließend verlängert wurde.
Seit Kriegsbeginn Ende Februar mit US-israelischen Angriffen auf den Iran hatte dieser die weltweit für den Öltransport wichtige Meerenge vor seiner Küste blockiert. Die Durchfahrt von Tankern kam quasi zum Erliegen. Auch nach Beginn einer Seeblockade vonseiten der USA in der Straße von Hormus hatte es bereits Warnungen vor einer Wiederaufnahme der iranischen Angriffe auf Israel gegeben. In der Folge stiegen die Energiepreise weltweit deutlich an – was auch Trump innenpolitisch unter Druck setzte. Diese Nachricht wurde am 08.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Wer ist Benjamin Netanjahu in diesem Konflikt?
Benjamin Netanjahu ist der Premierminister Israels. Er kündigte gemeinsam mit Verteidigungsminister Israel Katz die Angriffe auf Beirut an und erklärte, man werde Hisbollah-Beschuss auf Israel nicht zulassen.
Warum hat der Iran Israel mit Raketen angegriffen?
Der Iran begründete die Raketenangriffe als Reaktion auf israelische Luftschläge in den Vororten Beiruts, die trotz einer von US-Präsident Donald Trump verkündeten Waffenruhe erfolgten.
Welche Rolle spielt US-Präsident Donald Trump in der Krise?
Donald Trump versuchte zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln, forderte beide Seiten zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf und drängte Israel, von Gegenangriffen auf den Iran abzusehen.