Israel erobert Burg Beaufort im Libanon – Waffenruhe brüchig | finanz360
Israel erobert Kreuzfahrerfestung Beaufort im Libanon – Netanjahu spricht von „dramatischem Kurswechsel“
Jerusalem/Beirut, 31. Mai 2026
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Kurzfassung
Israelische Truppen haben am Wochenende die strategisch wichtige Kreuzfahrerfestung Beaufort im Südlibanon eingenommen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von einem „dramatischen Kurswechsel“, während der Libanon eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats beantragte.
Jerusalem/Beirut, 31. Mai 2026
Israelische Soldaten haben am Wochenende die mittelalterliche Burg Beaufort nahe der Stadt Nabatieh im Südlibanon erobert und damit den tiefsten Vorstoß auf libanesisches Gebiet seit über 25 Jahren vollzogen.
Die Einnahme der in rund 700 Metern Höhe gelegenen Festung erfolgte nach schweren Gefechten mit der pro-iranischen Hisbollah-Miliz, die von dort aus immer wieder Angriffe auf Nordisrael verübt haben soll. Das israelische Militär veröffentlichte Bilder von Soldaten auf dem Höhenrücken oberhalb von Nabatiyeh und hisste nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz die israelische Flagge auf der Burg.
Netanjahu bezeichnete die Eroberung in einer Videoansprache als „dramatischen Kurswechsel“ in der Sicherheitspolitik seines Landes. Israel sei „vereint, entschlossen und stärker als jemals zuvor“ zur Burg zurückgekehrt. „Wir haben die Barriere der Angst durchbrochen“, sagte der Regierungschef. Israel habe „Sicherheitszonen“ jenseits seiner Grenzen errichtet, um die Bevölkerung zu schützen.
Internationale Reaktionen: Frankreich fordert UN-Sitzung
Verteidigungsminister Katz sandte eine Drohung an die Gegner Israels: „Dies ist eine klare Botschaft an unsere Feinde: Wer die Bürger Israels bedroht, wird seine strategischen Positionen eine nach der anderen verlieren.“ Laut israelischen Medien kündigte Katz an, die Soldaten würden dort bleiben; die Festung sei Teil der sogenannten Sicherheitszone Israels im Libanon.
Die libanesische Regierung verurteilte den Vormarsch scharf. Ministerpräsident Nawaf Salam warf Israel in einer Fernsehansprache eine Strategie der „verbrannten Erde und der Kollektivstrafe“ vor. Die Angriffe seien ein „Versuch, die Geschichte auszuradieren“. Diese Strategie werde Israel „weder Sicherheit noch Stabilität“ bringen, sagte Salam.
Gleichzeitig verteidigte Salam die Fortsetzung direkter Verhandlungen mit Israel als den „am wenigsten kostspieligen Weg“ für den Libanon. Eine neue Gesprächsrunde zwischen Vertretern beider Regierungen beginnt am Dienstag in Washington. Die Hisbollah, die im Libanon einen Staat im Staat bildet und deren erklärtes Ziel die Zerstörung Israels ist, lehnt diese direkten Verhandlungen ab.
Die Burg Beaufort: Ein historischer Ort mit strategischem Wert
Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot forderte wegen des israelischen Vormarsches eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Gegenüber dem Fernsehsender BFMTV erklärte er, Frankreich erkenne Israels Recht auf Selbstverteidigung gegen Hisbollah-Angriffe an, doch nichts könne die Verlängerung der israelischen Militäroperationen im Libanon rechtfertigen. Israel begehe mit seinem Vormarsch einen „schweren Fehler“ und verletze internationales Recht sowie seine Verpflichtungen aus der seit Mitte April geltenden Waffenruhe.
Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich auf der Plattform X: Die Eskalation im Südlibanon sei nicht zu rechtfertigen, die Waffen müssten sofort schweigen. Die libanesische Regierung hatte bereits zuvor eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt.
Die Burg Beaufort wurde im 12. Jahrhundert erbaut und steht auf einer Anhöhe nördlich des Litani-Flusses. Von dort aus reicht der Blick bis zu den Golanhöhen und ins tiefer gelegene Nordgaliläa in Israel. Die UNESCO führt die Festung als besonders schützenswertes Kulturerbe. Es ist unklar, ob das Bauwerk durch die jüngsten Kämpfe beschädigt wurde.
Bereits während des ersten Libanonkriegs 1982 hatten israelische Soldaten die Burg nach schweren Kämpfen eingenommen. In den folgenden rund 20 Jahren nutzte die israelische Armee die Festung als Militärstützpunkt, bevor sie sich im Jahr 2000 aus dem Libanon zurückzog. Nun sind zum ersten Mal seit 26 Jahren wieder israelische Truppen zu der mittelalterlichen Festung vorgedrungen.
Eskalation seit März: Tausende Raketen und Drohnen
Der aktuelle Krieg begann Anfang März, ausgelöst durch Raketen- und Drohnenangriffe der Hisbollah auf Nordisrael. Diese begannen kurz nach den amerikanisch-israelischen Luftschlägen gegen den Iran. Nach Armeeangaben feuerte die Hisbollah seitdem rund 2.500 Raketen auf israelisches Gebiet sowie weitere 5.500 Geschosse auf israelische Truppen im Südlibanon ab. Zudem führte die Miliz etwa 300 Drohnenangriffe durch.
Die anhaltenden Angriffe führten am Wochenende zur Schließung von Schulen in mehreren Gemeinden entlang der libanesischen Grenze. Zahlreiche Naturparks und Erholungsgebiete in Galiläa und auf den Golanhöhen wurden vorübergehend gesperrt. Am späten Samstagabend wurde ein israelischer Soldat durch Hisbollah-Drohnenbeschuss im Südlibanon getötet. Der 21-jährige Michael Tyukin ist der 25. israelische Soldat, der seit Beginn der Kämpfe im März ums Leben kam.
Israel reagierte auf die Angriffe mit einer Luft- und Bodenoffensive gegen Hisbollah-Stellungen im Libanon. Seit Beginn der Offensive hatte die Armee vor allem Gebiete südlich des Litani-Flusses unter ihre Kontrolle gebracht, um eine Sicherheitszone zu schaffen, die Angriffe auf die Grenzregion erschweren soll. Mit dem Vorstoß zur Burg Beaufort operieren israelische Truppen nun deutlich weiter im Landesinneren und rücken vom Litani-Fluss in Richtung des Sahrani-Flusses vor, etwa 40 Kilometer nördlich der israelischen Grenze.
Ein israelischer Militärsprecher rief am Sonntagmorgen einen großen Teil der Bewohner im Südlibanon dazu auf, sich in das Gebiet nördlich des Sahrani-Flusses zu begeben. Die Einnahme der Burg Beaufort markiert die tiefste Ausdehnung der israelischen Bodenoffensive seit der Wiederaufnahme der Kämpfe mit der Hisbollah im März.
Geopolitische Dimension: Atomverhandlungen und die Straße von Hormus
Der in Beirut ansässige geopolitische Analyst Joe Macaron sagte zur Lage: „Wir befinden uns an einem Wendepunkt.“ Es sei noch zu früh, um zu sagen, wie die Hisbollah auf den Gebietsverlust reagieren werde. Je mehr Territorium das israelische Militär vor einer möglichen Waffenruhe einnehmen könne, desto mehr Bedingungen könne Israel der Hisbollah aufzuerlegen versuchen.
Die seit Mitte April formal geltende Waffenruhe zwischen Israel und der libanesischen Regierung existiert Beobachtern zufolge nur auf dem Papier. Sie wurde bereits zweimal verlängert. Netanjahu ordnete die Ausweitung der Bodenoffensive trotz der seit mehr als sechs Wochen vereinbarten Feuerpause an.
Parallel zu den Kämpfen im Libanon verhandeln Washington und Teheran über ein Memorandum of Understanding, das eine 60-tägige Verlängerung der Waffenruhe vorsieht und ein langfristiges Atomabkommen ermöglichen soll. Präsident Donald Trump hat die Zustimmung zu dem Entwurf bisher verweigert und weitere Zugeständnisse gefordert. „Wir werden einen großen Deal machen – oder wir kehren zurück und beenden es militärisch“, sagte Trump am Sonntag.
Verteidigungsminister Pete Hegseth bekräftigte in Singapur, die USA seien „mehr als in der Lage“, die Angriffe auf den Iran wieder aufzunehmen. Teheran soll inzwischen eine Menge an hochangereichertem Uran angehäuft haben, die für etwa zehn Atomsprengköpfe ausreicht. Iran hatte nach Beginn der Angriffe am 28. Februar die Straße von Hormus faktisch geschlossen, mit schwerwiegenden Folgen für die globalen Energiemärkte.
Symbolik und Strategie: Was die Einnahme bedeutet
US-Streitkräfte beschossen im Golf von Oman ein Schiff, das versuchte, die amerikanische Seeblockade zu umgehen. Irans Chefunterhändler Ghalibaf erklärte, der Iran lehne ein Abkommen mit den USA ab, solange die Rechte der Bevölkerung nicht gesichert seien. Teheran besteht auf der Freigabe eingefrorener Auslandsguthaben und hat die Gasproduktion auf drei Plattformen wieder aufgenommen.
Israels Finanzminister Bezalel Smotrich bezeichnete die Einnahme der Burg Beaufort als „Wiedergutmachung alter Sünden“. Die Festung war bis in die frühen 1980er Jahre eine Bastion palästinensischen Widerstands und Terrorismus; von dort aus wurden seit den frühen 1970er Jahren immer wieder Siedlungen in Nordgaliläa beschossen.
Die israelische Nachrichtenseite Walla analysierte, das Militär könne von der Festung aus Hisbollah-Bewegungen schnell erkennen und die Miliz angreifen. Der Verlust dieses strategischen Punktes sei schmerzhaft für die Hisbollah. Israel bereitet sich unterdessen auf weitere Angriffe der Miliz vor.
Fragen & Antworten
Warum ist die Einnahme der Burg Beaufort so bedeutsam?
Die Burg liegt auf 700 Metern Höhe und bietet einen weiten Blick bis nach Nordisrael; von dort aus kann die israelische Armee Hisbollah-Bewegungen früh erkennen und bekämpfen. Zudem markiert der Vorstoß den tiefsten israelischen Vormarsch in den Libanon seit über 25 Jahren.
Wie reagiert die libanesische Regierung auf den israelischen Vormarsch?
Ministerpräsident Nawaf Salam warf Israel eine Strategie der „verbrannten Erde“ vor und beantragte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Gleichzeitig hält er an direkten Verhandlungen mit Israel fest, die er als den „am wenigsten kostspieligen Weg“ für den Libanon bezeichnet.
Welche Rolle spielen die USA und der Iran in dem Konflikt?
Washington und Teheran verhandeln über eine Verlängerung der Waffenruhe und ein mögliches Atomabkommen, während Präsident Trump mit einem militärischen Ende droht, sollte kein „großer Deal“ zustande kommen. Der Iran hat nach den US-geführten Angriffen die Straße von Hormus faktisch geschlossen und verfügt über ausreichend angereichertes Uran für etwa zehn Atomsprengköpfe.