Wien, 03 August 2026
Eine neue Ipsos-Umfrage im Auftrag der APA zeigt, dass die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung zwar für ein Handyverbot an Schulen ist, ein Bann von Künstlicher Intelligenz im Unterricht aber klar abgelehnt wird.
Klare Mehrheit für Handyverbot
Die im August 2026 veröffentlichte Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zeichnet ein differenziertes Bild der Einstellungen zu digitalen Technologien an Schulen. Während Mobiltelefone im Unterricht und auf dem Schulgelände nach dem Willen der Befragten keine Rolle mehr spielen sollen, sehen sie den Einsatz von Künstlicher Intelligenz durch Schülerinnen und Schüler überwiegend als lernförderlich an.
In den offenen Antworten der Studie benennen die Teilnehmenden eine Reihe von Problemen, die sie für die heimische Jugend als besonders drängend einschätzen. Neben dem Umgang mit Migration und steigenden Lebenshaltungskosten wurden Mobbing und Gruppenzwang, digitale Abhängigkeit sowie die Auswirkungen von Social Media und KI genannt.
Verbatim heißt es in der Studie: „Insgesamt sehen die Befragten für die hiesige Jugend viele Herausforderungen, vor allem den Umgang mit Migration, steigende Lebenshaltungskosten, Mobbing und Gruppenzwang, digitale Abhängigkeit und Auswirkungen von Social Media und KI".
Mehrheit gegen KI-Bann
Die Detailergebnisse zu den Regelungen an Schulen zeigen: 71 Prozent der Befragten sprechen sich für ein Verbot von Handys im Unterricht aus, 26 Prozent sind dagegen, der Rest ist unentschieden. Die Zustimmung ist dabei über alle im Datensatz ausgewerteten Alters- und Bildungsgruppen hinweg mehrheitlich gegeben.
Anders fällt die Antwort auf den Umgang mit KI aus: 53 Prozent der Befragten halten einen KI-Bann an Schulen für den falschen Weg, nur 21 Prozent befürworten ein Verbot. 26 Prozent zeigen sich unentschieden. Damit ist die Skepsis gegenüber einem pauschalen Verbot deutlich ausgeprägter als beim Thema Handy.
Sorgen: Migration, Kosten, Mobbing
Alexander Zeh, Ipsos, ordnet die Ergebnisse im Gespräch mit der APA als Hinweis auf eine ausdifferenzierte Haltung der Bevölkerung ein. Während Mobiltelefone als Quelle von Ablenkung und sozialem Druck gelten, werde KI überwiegend als pädagogisch nutzbares Werkzeug verstanden, dem man mit Regulierung und Kompetenzvermittlung statt mit Verboten begegnen sollte.
Schon bisher haben einzelne Bundesländer in Österreich restriktivere Regeln für den Handynutzung an Schulen erlassen, die teils in der laufenden politischen Debatte auf Bundesebene aufgegriffen wurden. Die neuen Zahlen gelten Beobachtern als Bestätigung des Kurses, greifen aber zugleich die Forderung auf, den KI-Einsatz nicht zu blockieren, sondern zu begleiten.
Was die Ergebnisse nicht beantworten
Bildungspolitisch verweisen die Daten auf einen Spagat: Einerseits wünscht sich die Bevölkerung klare Regeln gegen Ablenkung, andererseits soll der Unterricht mit modernen Technologien Schritt halten. Die Kombination aus Handyverbot und erlaubter KI-Nutzung ist laut Ipsos-Auswertung der mehrheitlich präferierte Mittelweg.
Die Befragten sehen zugleich die sozialen Rahmenbedingungen als entscheidend an. Migration, steigende Lebenshaltungskosten und Mobbing rangieren vor den digitalen Themen, wenn es um die größten Sorgen für die junge Generation geht. Digitale Abhängigkeit und Social Media stehen zwar im Mittelfeld, werden aber nicht isoliert, sondern im Kontext sozialer Belastungen wahrgenommen.
Die Studienautoren weisen darauf hin, dass es sich um eine Momentaufnahme der öffentlichen Meinung handelt. Über die konkrete Umsetzung der Forderungen – etwa über neue Lehrpläne, Schulregeln oder bundesweite Rahmengesetze – sagen die Zahlen nichts aus. Entsprechende Entscheidungen bleiben demnach politisch zu treffen.
Übergeordnet liefert die Umfrage Material für die bildungspolitische Debatte im Spätsommer 2026. Sowohl die Erwartung an Schulen, Ablenkung zu begrenzen, als auch der Wunsch, KI im Unterricht nicht zu verteufeln, treffen sich in einem Bild, das laut Ipsos auf mehr Differenzierung hoffen lässt als auf einfache Verbote.
