Hitzewelle Deutschland 2026: Vorbereitung & Maßnahmen | finanz360
Hitzewelle in Mitteleuropa: Länder und Kommunen rüsten sich für Temperaturen bis 41 Grad
Berlin, 29 Juli 2026
Kurzfassung
Eine neue Hitzewelle erfasst Deutschland und weite Teile Europas mit Temperaturen von bis zu 41 Grad. Bund, Länder und Kommunen ergreifen umfangreiche Schutzmaßnahmen für Pflegeeinrichtungen, Schulen und Obdachlose. Gleichzeitig warnen Behörden vor einer anhaltenden Belastung – das RKI zählt bereits mehr als 5.000 Hitzetote.
Berlin, 29 Juli 2026
Angesichts einer Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 41 Grad in Teilen Europas bereiten sich Bund, Länder und Kommunen in Deutschland mit Hitzeschutzplänen, mobilen Klimaanlagen und kühlen Orten auf die kommenden Tage vor.
Wetterlage: Hochsommerliche Hitze in weiten Teilen Europas
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet in weiten Teilen Deutschlands Höchstwerte von 31 bis 35 Grad, wie das ZDF berichtet. In Berlin und Brandenburg können die Temperaturen dem DWD zufolge bis Donnerstag auf bis zu 38 Grad steigen. In Sachsen sagt der DWD für Mittwoch viel Sonnenschein bei maximal 31 bis 33 Grad Celsius voraus; im Bergland ist es tagsüber auch nicht wesentlich kühler bei 29 bis 33 Grad. In Nordrhein-Westfalen rechnet der DWD in den kommenden Tagen mit bis zu 36 Grad.
Die Hitzewelle erfasst jedoch nicht nur Deutschland. In Italien wird bis Ende der Woche mit Temperaturen von 41 Grad in Florenz und Terni gerechnet. „Sono previsti entro la fine della settimana 41°C a Firenze e Terni“, heißt es in den dortigen Wetterberichten. In Rom werden 39 bis 40 Grad erwartet, in Mailand 38 bis 39 Grad. Für zahlreiche weitere Städte wie Alessandria, Cremona, Parma oder Modena sagen Meteorologen 40 Grad voraus. Das italienische Gesundheitsministerium hat daher für Donnerstag in 16 Städten die Orangefahne (bollino arancione) und in Campobasso, Perugia und Rieti die Rotfahne (bollino rosso) ausgerufen.
Kommunen rüsten auf: Von Düsseldorf bis Köln
In Österreich beginnt laut dem STANDARD die nächste Hitzewelle ab Mittwoch; ihr Höhepunkt wird am Freitag erwartet, wenn weite Landesteile 30 bis 37 Grad erreichen. Vom oberösterreichischen Zentralraum bis ins Nordburgenland sind sogar bis zu 39 Grad möglich. Die Wetterlage bringt am Mittwoch zunächst Gewitter von Vorarlberg bis in die Schladminger Tauern, die sich bis ins südliche Niederösterreich ausbreiten können und örtlich Starkregen, Hagel sowie stürmische Böen mit sich bringen. Auch am Samstag steigt die Gefahr kräftiger Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen erneut. Eine durchgreifende Abkühlung ist laut aktuellen Prognosen in Wien erst am 9. August in Sicht.
Angesichts dieser Belastung intensivieren Kommunen ihre Hitzeschutzmaßnahmen. In Düsseldorf wurden besonders hitzebelastete Kindertageseinrichtungen und das Kinderhilfezentrum für diesen Sommer mit mobilen Klimageräten ausgestattet. Darüber hinaus wird der stadteigene Brumisateur in der Innenstadt eingesetzt. Dieser soll durch die feine Wasservernebelung einen Kühleffekt auf der Haut erzeugen. Für wohnungslose Menschen will die Stadt ergänzende Standorte für Hitzeschutzräume prüfen. Köln rollt im Rahmen des Projekts „Cooling Cologne“ am Mittwoch auf dem Rudolfplatz von 13 bis 17 Uhr wieder Wasserschläuche aus, die von der RheinEnergie bereitgestellt werden und feinen Wassernebel versprühen, um besonders hitzebelastete Bereiche abzukühlen.
Wien: Grüne Infrastruktur als Schutzschild
Auch in Wien werden Vorkehrungen getroffen. Vier Bäder verlängern ihre Öffnungszeiten, denn sie sind „wichtige Hitzeschutzpartner“. Außerdem werden zwei zusätzliche Coole Zonen auch am Wochenende geöffnet haben. Allein in der Thaliastraße wurden zuletzt etwa 240 Bäume gepflanzt und 26 Trinkbrunnen aufgestellt. Die Stadt hat in den vergangenen fünf Jahren rund 30.000 neue Stadtbäume gepflanzt, 85.000 Quadratmeter Fläche entsiegelt und 50 Hektar Parks neu- und umgestaltet. Der Grünraumanteil liegt seit Jahrzehnten bei über 50 Prozent – obwohl die Stadt stark gewachsen ist. Wiens Grünflächenanteil pro Bewohner ist viermal so hoch wie in Paris. Im Vorjahr sind rund 10.000 neue Wohneinheiten ans Fernwärmenetz angeschlossen worden; knapp weniger als mit Fernwärme (47,1 Prozent) wurden so beheizt.
Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) sagt im Gespräch mit dem STANDARD: „Ich bin zuversichtlich, dass das in den nächsten sechs Monaten geschafft ist“ – mit Blick auf ein Klimaschutzgesetz mit Roadmap zur Klimaneutralität Wiens bis 2040. Sein politischer Ton gegenüber dem Bund ist deutlich: „Niemand hindert ÖVP-Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, die Gasnetze stillzulegen“. Gleichzeitig formuliert er programmatisch: „Der Klimaschutz braucht nicht Samthandschuhe, sondern den Vorschlaghammer“. Auf Bundesebene steht Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) einem Tempolimit von 100 km/h ablehnend gegenüber und kann sich eine Wiedereinführung der Agrardieselvergütung und geringere CO2-Bepreisung vorstellen. Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos) hat vorgeschlagen, die Sommerferien vorzuverlegen.
Sachsen: Trockenheit und steigende Waldbrandgefahr
In Sachsen steigt die Waldbrandgefahr – zuerst in Nordsachsen, ab Donnerstag auch in Zwickau und Westsachsen. Am Freitag selbst sind bei unbeständigerem Wetter Höchsttemperaturen von 30 bis 34 Grad zu erwarten. Gegen Abend ziehen von West nach Ost mehr Wolken und in der Westhälfte örtlich Schauer sowie einzelne Gewitter mit Starkregen und Hagel. In der Nacht zum Freitag sollen vereinzelte Schauer und Gewitter gen Osten abziehen bei mäßigem, teils böigem Westwind. Laut Meteorologen soll es so auch am Wochenende werden. MDR-Meteorologin Michaela Koschak bringt die Lage auf den Punkt: „Auch wir werden ordentlich ins Schwitzen kommen“. Nachts sinken die Temperaturen demnach auf 20 bis 15 Grad. Zwar wird es in Sachsen voraussichtlich nicht so heiß wie im Südwesten Deutschlands, wo 40 Grad und mehr erwartet werden.
In Nordrhein-Westfalen richten sich Städte und Einrichtungen auf die kommenden heißen Tage ein. Schulen und Kindergärten in Münster, im Kreis Viersen und im Kreis Gütersloh wurden mit Hitzewarner-Aufklebern ausgestattet, die ihre Farbe verändern, wenn die Raumtemperatur auf mehr als 28 Grad Celsius steigt. In Münster endet der Wochenmarkt auf dem Domplatz an diesem Mittwoch zwei Stunden früher als üblich: Wegen der vorhergesagten Temperaturen von etwa 35 Grad werden die Händlerinnen und Händler ihre Stände bereits um 12.30 Uhr abbauen. Das NRW-Gesundheitsministerium hat angekündigt, dass die amtlichen Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) „flächendeckend und ohne Verzögerung von allen Akteuren entgegengenommen werden müssen“ und Hitzewarnungen automatisch die Aktivierung von Hitzeschutzplänen auslösen sollen.
NRW: Förderprogramme, Hitzeaktionspläne und Pflege
Zugleich richtet die NRW-Landesregierung ein Förderprogramm zur Teilklimatisierung stationärer Pflegeeinrichtungen ein. Außerdem soll die Förderung von Klimaanlagen für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe geprüft werden. CDU und Grüne haben im NRW-Landtag einen Entschließungsantrag für besseren Hitzeschutz eingebracht. Die Stadt Leverkusen hat einen Hitzekrisenplan mit einem Warnsystem aus fünf Stufen etabliert – von Stufe 1 (erhöhte Aufmerksamkeit) bis Stufe 5 (Krisensituation). Der Kreis Mettmann errichtete während der vergangenen Hitzewelle eine Notfallversorgungsstelle in Erkrath und setzte zehn zusätzliche medizinische Einsatzfahrzeuge ein.
Die Pflegeeinrichtungen reagieren mit konkreten Maßnahmen. Die Alloheim-Gruppe, Betreiberin eines Seniorenheims in Dormagen, erklärte, dass seit der letzten Hitzeperiode die Hitzeschutzmaßnahmen weiter ausgebaut und zusätzliche Vorkehrungen getroffen wurden. An besonders wärmebelasteten Zimmern seien nun Hitzeschutzfolien angebracht und die bereits vorhandenen Thermovorhänge auf weitere Zimmer verteilt worden. Die Kursana-Gruppe, Betreiberin eines Seniorenheims in Krefeld, berichtete, dass zum besseren Schutz der Heimbewohner die Ausstattung mit mobilen Kühlgeräten verdoppelt und Kühlmanschetten neu angeschafft wurden. Kursana zufolge würden, wie zuvor auch, mobile Kälteinseln geschaffen und neben den Raumtemperaturen auch das Wohlbefinden und die Körpertemperaturen der Bewohnerinnen und Bewohner überwacht werden.
Dass diese Vorsorge nicht abstrakt bleibt, belegen die Folgen der Juni-Hitze: Mehr als 1.200 Menschen in NRW verloren bis Ende Juni ihr Leben. Auch das Robert Koch-Institut (RKI) zählt über 5.000 Menschen, die wegen der Hitze laut RKI schon gestorben sind. Das italienische Gesundheitsministerium empfiehlt, nicht zwischen 11 und 18 Uhr ins Freie zu gehen, viel Wasser zu trinken, sich in den kühlsten Räumen des Hauses aufzuhalten und intensive körperliche Aktivität im Freien während der heißesten Stunden zu vermeiden. Die Orangefahne (Risikostufe 2) weist auf Temperaturen und starke Sonne hin, die bei fragilen Gruppen – älteren Menschen, kleinen Kindern und Personen mit chronischen Erkrankungen – gesundheitliche Probleme verursachen können.
Gesundheit: Tausende Hitzetote und Schutzempfehlungen
Mittelfristig setzen Städte wie Wien auf strukturelle Anpassungen. Eine Großwärmepumpe bei der Kläranlage versorgt so viele Haushalte wie es in Linz gibt. Der Wohnpark Alterlaa mit seinen über 9000 Bewohnerinnen und Bewohnern soll in den nächsten Jahren aus der Gasversorgung herausgeführt werden. Paris verfolgt das Ziel, 170.000 neue Bäume von 2020 bis 2026 zu pflanzen; bis 2025 waren es 113.000. Der Wiener Grünausbau und die konsequente Fernwärme-Anbindung gelten als Bausteine einer langfristigen Klimaanpassung, ergänzt durch Sofortmaßnahmen in Bädern, Hitzeschutzräumen und Trinkbrunnen.
In Berlin und Brandenburg bleibt es am Mittwoch zunächst wolkig, später heiter bis sonnig mit Höchstwerten von 29 bis 32 Grad. Am Donnerstag steigen die Temperaturen laut DWD auf bis zu 38 Grad; abends ziehen von West nach Ost Schauer und Gewitter mit Starkregen, Hagel und schweren Sturmböen. In der Nacht zum Samstag bleibt es in der Region unbeständig, örtlich kann es regnen, Gewitter sind nicht ausgeschlossen. An den Küsten wird es bei auflandigem Wind nicht ganz so warm. Meist bleibt es überall sonnig, nur an den Alpen können sich mehr Quellwolken bilden; zum Abend hin sind einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen.
Marco Schmitz, CDU-Gesundheitspolitiker, wies mit Blick auf die Geschwindigkeit der Nachrüstung auf den Planungsaufwand hin: „Es ist natürlich noch keine Klimaanlage jetzt in den letzten drei Wochen gebaut worden, sondern da geht es jetzt darum, die Planungen durchzuführen“. Das Solinger Gesundheitsamt bereitet eine Öffentlichkeitskampagne vor, die ihren Fokus besonders auf gefährdete Personengruppen legt – etwa alleinlebende ältere, kranke Menschen, die nicht in Pflegeeinrichtungen leben – und hat nach der vergangenen Hitzewelle einen Krisenstab mit Vertretern aus Kliniken, Rettungsdiensten und der Ärzteschaft einberufen.
Berlin und Brandenburg: Bis 38 Grad und Gewitter am Abend
Übergeordnet verdeutlicht die aktuelle Wetterlage die Verbindung zwischen Sommerhitze und Klimawandel: Der Klimawandel hatte durch Fridays For Future Ende der 2010er-Jahre sein Themenhoch. Mit den jetzt gemeldeten Temperaturen – teils sieben Grad über dem saisonalen Mittel – und lokalen Spitzenwerten von 40 bis 41 Grad zeigt sich, dass Hitzeschutz zunehmend zur kommunalen Daueraufgabe wird, die weit über das Aufstellen einzelner Wasserschläuche hinausgeht.
In den Wiener Ballungszentren im Westen und Südwesten sinken die Temperaturen laut DWD teils nur auf 24 bis 20 Grad; auch dadurch bleibt die nächtliche Erholung begrenzt. Insgesamt verdeutlicht die Berichterstattung aus Deutschland, Österreich und Italien, dass Hitzeschutz inzwischen eine ressortübergreifende Querschnittsaufgabe zwischen Gesundheit, Pflege, Bildung, Stadtplanung und Katastrophenschutz geworden ist.
Die Bilder aus den europäischen Städten gleichen sich: kühle Brunnen, Schattenplätze, verlängerte Badezeiten, Warnaufkleber in Schulen und Pflegeheimen. Mit dem nahenden Höhepunkt der Hitzewelle in dieser Woche wächst der Druck, gewonnene Erkenntnisse aus der Juni-Hitze in konkrete, dauerhafte Strukturen zu übersetzen – von der Hitzewarnung bis zur Klimaanlage im Krankenzimmer.
Fragen & Antworten
Welche Temperaturen werden in Deutschland in dieser Woche erwartet?
Der Deutsche Wetterdienst erwartet verbreitet 31 bis 35 Grad, in Berlin und Brandenburg bis zu 38 Grad. In Sachsen liegen die Höchstwerte laut DWD zwischen 29 und 33 Grad, in NRW bis zu 36 Grad.
Welche Maßnahmen ergreifen Kommunen gegen die Hitze?
Städte wie Düsseldorf statten Kitas und Pflegeeinrichtungen mit mobilen Klimageräten aus, Köln betreibt das Projekt „Cooling Cologne“ mit Wasserschläuchen, und Leverkusen hat einen Hitzekrisenplan mit fünf Warnstufen eingeführt. NRW plant zudem ein Förderprogramm zur Teilklimatisierung stationärer Pflegeeinrichtungen.
Wie viele Menschen sind in Deutschland bereits an den Folgen der Hitze gestorben?
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind über 5.000 Menschen wegen der Hitze gestorben. Allein in Nordrhein-Westfalen verloren bis Ende Juni mehr als 1.200 Menschen ihr Leben.