HBL: Wetzlar rettet sich durch Leipzigs Sieg gegen Minden in die Handball-Bundesliga
Wetzlar, 08 Juni 2026
Max Petershans / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Die HSG Wetzlar hat am letzten Spieltag der Handball-Bundesliga den Klassenerhalt geschafft, weil der SC DHfK Leipzig GWD Minden mit 26:25 besiegte. GWD Minden steigt damit neben dem bereits feststehenden Absteiger Leipzig in die 2. Bundesliga ab.
Wetzlar, 08 Juni 2026
Die HSG Wetzlar hat am letzten Spieltag der Handball-Bundesliga den Klassenerhalt gesichert, nachdem der bereits abgestiegene SC DHfK Leipzig GWD Minden am Sonntag mit 26:25 (18:14) besiegte und damit den Konkurrenten aus Ostwestfalen in die 2. Bundesliga schickte.
Spielverlauf in Leipzig: Vom 3:0 zur knappen Entscheidung
Die Entscheidung fiel am Sonntagabend in der ausverkauften Leipziger Heimhalle vor 6000 Zuschauern, die einen spannenden letzten Bundesligaspieltag erlebten. Wetzlar hatte zeitgleich sein eigenes Spiel gegen den deutschen Meister SC Magdeburg mit 30:31 (17:17) verloren, blieb aber durch das Resultat in Sachsen dennoch in der Liga. GWD Minden, das nach dem Aufstieg im Vorjahr nur ein Jahr in der höchsten deutschen Spielklasse verbracht hatte, steigt damit zum sechsten Mal in der Vereinsgeschichte ab.
In Leipzig entwickelte sich von Beginn an ein ausgeglichenes Duell. Die Gastgeber um Trainer Frank Carstens gingen früh mit 3:0 in Führung, doch Minden antwortete in der siebten Minute mit einem 4:0-Lauf und übernahm die Kontrolle. Franz Semper brachte Leipzig in der zwölften Minute mit 8:7 wieder in Front, danach blieben die Gastgeber knapp vorn. Bis zur 26. Minute baute Leipzig den Vorsprung nach einem Fünf-Tore-Lauf auf 18:12 aus, doch Minden kämpfte sich zurück.
Nach dem Seitenwechsel stockte der Leipziger Angriff, in den ersten 20 Minuten der zweiten Hälfte gelangen nur fünf Tore. Minden glich in der 45. Minute zum 22:22 und in der 52. Minute zum 23:23 aus. Als Staffan Peters in der 59. Minute das 26:24 für Leipzig erzielte, schien die Vorentscheidung gefallen, doch der frühere Leipziger Niclas Heitkamp brachte Minden nur zehn Sekunden später auf 25:26 heran. Auf der anderen Seite vergab Semper die Chance zur endgültigen Entscheidung. In den letzten 20 Sekunden traf der tschechische Rechtsaußen Jakub Sterba bei Mindens letztem Angriff nur den Innenpfosten.
Wetzlar: Jubel nach der Nachricht aus Sachsen
Leipzigs Schlussmann Domenico Ebner, der sein letztes Spiel für den SC DHfK bestritt, entschärfte insgesamt elf Bälle und war ein entscheidender Faktor für den Heimsieg. Semper war mit fünf Treffern aus zehn Versuchen Leipzigs bester Werfer. Für Leipzig war es nach einer enttäuschenden Saison, in der man als Tabellenletzter aus Sachsen feststand, erst der vierte Saisonsieg.
In Wetzlar verfolgten 4421 Zuschauer in der ausverkauften Buderus Arena das eigene Spiel gegen Magdeburg, das die HSG knapp verlor. Als rund drei Minuten vor dem Ende die Nachricht aus Leipzig kam, brach in der Halle Jubel aus. Kapitän Dominik Mappes, der mit neun Treffern bester Torschütze der Partie war, sprach hinterher von einem unglaublichen Gefühl. «Es war brutal Gänsehaut. Ein unglaubliches Gefühl, das kann man nicht beschreiben», sagte Mappes. «Ich hatte sofort Gänsehaut. Es ist alles abgefallen. Das war ein schönes Gefühl.»
Reaktionen: Gänsehaut und Mallorca-Trip
Sportdirektor Michael Allendorf, der das Bangen in den Schlussminuten miterlebte, betonte, dass die Mannschaft auch ohne die Leipziger Hilfe in der Lage gewesen wäre, das Spiel zu gewinnen. «Bis zum Ende hätte es ja in beide Richtungen ausgehen können», sagte Allendorf. «Ich glaube, wenn die Nachricht aus Leipzig nicht gekommen wäre, wären die Jungs auch in der Lage gewesen, das Ding zu ziehen. Die Jungs haben das sensationell gemacht. Sie haben von der ersten Minute an daran geglaubt.»
Geschäftsführer Björn Seipp sprach von einer Welt-Bedeutung des Leipziger Erfolgs für Wetzlar: «Der Sieg von Leipzig bedeutet für uns die Welt.» Seipp zeigte sich gleichzeitig selbstkritisch: «Wir wissen, dass es eine sehr schwere Saison für uns war, in der wir auch Fehler gemacht haben. Dennoch werden wir jetzt feiern und die Hütte abreißen.» Mappes kündigte an: «Wir fliegen morgen nach Malle.»
Ausgangslage: Punktgleich und zitternd
Die Ausgangslage vor dem finalen Spieltag war für die Mittelhessen denkbar knapp gewesen. Wetzlar lag punktgleich mit Minden (17:51) nur dank des besseren Torverhältnisses vorne. Am vorletzten Spieltag hatte Minden überraschend Kiel geschlagen, während Wetzlar knapp in Hamburg verlor und damit in akute Abstiegsgefahr geriet. «Das muss man dann erstmal schaffen, so wieder aufzustehen», beschrieb Allendorf die mentale Herausforderung nach diesem Rückschlag.
Mappes räumte ein, dass der enorme Druck vor dem entscheidenden Spiel zu innerer Anspannung geführt hatte. «Es war so viel Druck, es war Kopfkino. Wir haben das ausgeschaltet und eine unserer besten Saisonleistungen gezeigt», sagte der Kapitän. Mappes bezeichnete die Leistung gegen Magdeburg im Gespräch mit dem Streaminganbieter Dyn als eine der besten der Saison.
Minden: Sechster Abstieg trotz Punktgleichheit
Für GWD Minden, das im vergangenen Jahrzehnt zweimal die deutsche Meisterschaft gewonnen hatte, ist die Rückkehr in die zweite Liga ein herber Rückschlag. Ein Unentschieden in Leipzig hätte den Ostwestfalen zum Ligaverbleib gereicht, doch stattdessen verpasste das Team den Klassenverbleib. Der TSV Hannover-Burgdorf trennte sich am letzten Spieltag 32:32 (15:16) von MT Melsungen, das als Sieger der European League die Saison auf Rang sieben beendete.
Neben Leipzig und Minden steigen in der nächsten Saison der HBW Balingen-Weilstetten und die SG BBM Bietigheim in die Handball-Bundesliga auf. Balingen-Weilstetten sicherte sich am letzten Spieltag mit einem 36:22 (17:19) gegen Bietigheim die Zweitliga-Meisterschaft.
Kaderumbruch bei der HSG Wetzlar
Bei der HSG Wetzlar steht unterdessen ein größere Kaderumbruch bevor. Die Verträge von Filip Vistorup, Justin Müller und dem schwedischen Torhüter Andreas Palicka laufen aus, ein Abgang von Philipp Ahouansou zu TVB Stuttgart zeichnet sich ab. Als Neuzugänge stehen Petter Överby (THW Kiel), Marti Soler und Laszlo Bartucz (beide MT Melsungen), Doruk Pehlivan (HC Elbflorenz) sowie Paul Komenhans (TV Hüttenberg) fest. Insgesamt haben neun neue Spieler ligaunabhängige Verträge bei der HSG unterzeichnet. Wetzlar geht damit im 29. Jahr in Folge in der Handball-Bundesliga an den Start.
Die Feierlichkeiten zum Klassenerhalt begannen am Sonntagabend, und das Team kündigte unmittelbar nach dem Spiel den angekündigten Mallorca-Trip an. Schon am Tag nach dem entscheidenden Spiel wollte die Mannschaft von Bord gehen, um den Ligaverbleib in vollen Zügen zu genießen.
Fragen & Antworten
Warum steigt GWD Minden in die 2. Bundesliga ab?
GWD Minden verlor am letzten Spieltag der Handball-Bundesliga beim bereits abgestiegenen SC DHfK Leipzig mit 25:26 und schloss die Saison damit punktgleich (17:51) mit der HSG Wetzlar auf einem Abstiegsplatz ab. Wetzlar rettete sich durch das bessere Torverhältnis.
Wie hat die HSG Wetzlar den Klassenerhalt geschafft?
Die HSG Wetzlar verlor ihr eigenes Spiel gegen den SC Magdeburg mit 30:31, profitierte aber davon, dass Leipzig GWD Minden besiegte. Wetzlar steht damit weiter in der 1. Bundesliga und geht im 29. Jahr in Folge in der höchsten deutschen Spielklasse an den Start.
Wer steigt zur neuen Saison in die Handball-Bundesliga auf?
Der HBW Balingen-Weilstetten und die SG BBM Bietigheim steigen in die Handball-Bundesliga auf und ersetzen die Absteiger SC DHfK Leipzig und GWD Minden. Balingen-Weilstetten sicherte sich am letzten Spieltag mit einem 36:22 gegen Bietigheim die Zweitliga-Meisterschaft.
HBL-Klassenerhalt: Wetzlar profitiert von Leipzig gegen | finanz360