Renningen, 27 Juni 2026
Nach dem Fund einer Babyleiche bei Renningen im Kreis Böblingen ermittelt die Polizei gegen die Mutter des drei Monate alten Kindes wegen des Verdachts des Vortäuschens einer Straftat.
Was ist neu
Am vergangenen Freitag war bei Renningen im Kreis Böblingen die Leiche eines drei Monate alten Kindes gefunden worden. Das Kind war zuvor als vermisst gemeldet worden, weshalb Polizei und Rettungskräfte aus ganz Baden-Württemberg eine groß angelegte Suche eingeleitet hatten. Nun hat ein DNA-Abgleich ergeben, dass es sich bei dem toten Baby zweifelsfrei um den vermisst gemeldeten Säugling handelt. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, habe ein DNA-Abgleich dies bestätigt.
Wie die Ermittler weiter mitteilten, gebe es nach eigenen Angaben keine Hinweise auf eine Entführung des Kindes. Hinweise auf eine Entführung hat die Polizei nach eigenen Angaben nicht gefunden. Stattdessen werde die Mutter des toten Kindes verdächtigt, das tote Baby mutmaßlich selbst im Bereich des Rankbachs am Ortsrand von Renningen abgelegt zu haben. Gegen sie werde nun wegen des Verdachts des Vortäuschens einer Straftat ermittelt.
Ermittlungen gegen die Mutter
Die Kriminalpolizei des Polizeipräsidiums Ludwigsburg hat für die weiteren Untersuchungen die Ermittlungsgruppe "Wagen" eingerichtet. Diese solle klären, wie es zu dem Tod des Kindes kam und unter welchen Umständen die Leiche an den Rand von Renningen gelangte. Weiter unklar ist aber, wie das Baby starb. Die genaue Todesursache ist bislang nicht bekannt.
Bereits vergangene Woche hatte die Polizei eine intensive Suche nach dem Säugling gestartet. Polizei und Rettungskräfte aus ganz Baden-Württemberg hatten mit über 40 Suchhunden sowie Drohnen mit Wärmebildkameras und einem Hubschrauber vergangene Woche nach dem drei Monate alten Kind gesucht. Auch das Deutsche Rote Kreuz war demnach in den Einsatz eingebunden.
Groß angelegte Suche im Kreis Böblingen
Mit dem neuen Ermittlungsstrang verschiebt sich der Schwerpunkt der Untersuchungen weg von einer möglichen Entführung durch Unbekannte hin zu der Frage, was sich im engsten Umfeld des Kindes abgespielt hat. Die Mutter selbst äußerte sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen. Auch über mögliche Hintergründe der mutmaßlichen Vortäuschung machte die Polizei zunächst keine weiteren Angaben.
Der Fundort am Rankbach am Ortsrand von Renningen liegt in einem Bereich, der landschaftlich eher ruhig und dünn besiedelt ist. Anwohner und Passanten hatten den leblosen Säugling nach bisherigem Stand der Ermittlungen am Freitag entdeckt. Der Fund hatte in der Region Stuttgart und im Kreis Böblingen für Bestürzung gesorgt.
Mittlerweile gehen die Ermittler davon aus, dass der vermisst gemeldete Säugling und das gefundene Baby identisch sind. Der DNA-Abgleich habe, so die Polizei, "nun klar" ergeben, "dass es sich bei dem toten Baby zweifelsfrei um den vermisst gemeldeten Säugling handelt". Damit ist eine zentrale Frage der ersten Ermittlungstage beantwortet.
Offene Fragen zur Todesursache
Die Polizei betonte zugleich, dass weiterhin einige Fragen offen seien. So sei insbesondere die Todesursache des Kindes noch nicht abschließend geklärt. Auch der genaue zeitliche Ablauf rund um das Ablegen des Kindes am Rankbach sowie mögliche weitere Beteiligte müssten noch ermittelt werden.
Zugleich suchen die Fahnder mögliche Zeugen, die am Fundort oder im Umfeld des Rankbachs am fraglichen Freitag verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Die Kriminalpolizei des Polizeipräsidiums Ludwigsburg bittet um Hinweise aus der Bevölkerung, um den Hergang rekonstruieren zu können.
Die Bevölkerung in Renningen bei Stuttgart reagierte mit Fassungslosigkeit auf den Wandel der Ermittlungen. Viele hatten zunächst an ein Entführungsgeschehen geglaubt und sich an der Suche beteiligt oder ihr Mitgefühl für die Familie bekundet. Mit Bekanntwerden der neuen Erkenntnisse wuchs die Unsicherheit, was tatsächlich geschehen ist.
Mögliche Konsequenzen und weiteres Vorgehen
Rechtlich steht die Mutter unter dem Verdacht, eine Straftat vorgetäuscht zu haben, indem sie das Verschwinden des Kindes angezeigt haben soll. Der Vorwurf des Vortäuschens einer Straftat sieht in Deutschland eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. Ob es darüber hinaus zu weiteren Anklagen kommen wird, hängt vom Ergebnis der Ermittlungen zur Todesursache ab.
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart, die in dem Fall federführend ist, äußerte sich zunächst nicht zum konkreten Stand des Verfahrens. Üblich ist in solchen Fällen, dass die Ermittler das Ergebnis der rechtsmedizinischen Untersuchung abwarten, bevor über mögliche weitere Tatvorwürfe entschieden wird.
Die Ermittlungsgruppe "Wagen" besteht nach Angaben des Polizeipräsidiums Ludwigsburg aus Kriminalbeamten und Spezialisten für Todesermittlungen. Sie soll den Fall unabhängig von einer möglichen Anklage gegen die Mutter bearbeiten, da die Umstände des Todes bislang ungeklärt sind.
Wann mit ersten belastbaren Ergebnissen zur Todesursache zu rechnen ist, blieb am Mittwoch offen. Die Polizei verwies darauf, dass die Auswertung der rechtsmedizinischen Untersuchungen Zeit in Anspruch nehme. Erst danach könnten weitere Details zum Hergang öffentlich gemacht werden.
Reaktionen und Ausblick
Bis dahin bleibt die Region Stuttgart und insbesondere der Kreis Böblingen vom Ausgang des Falls erschüttert. Die Suche nach dem Säugling hatte über mehrere Tage hinweg Schaulustige und Medienvertreter an die Einsatzorte rund um Renningen gezogen. Mit dem Wandel der Ermittlungslage dürfte das öffentliche Interesse an dem Fall hoch bleiben.
Die Polizei kündigte an, weiterhin transparent über den Stand der Ermittlungen zu informieren, sobald dies ohne Gefährdung des Verfahrens möglich sei. Hinweise aus der Bevölkerung würden weiterhin entgegengenommen.
Insgesamt verdeutlicht der Fall die Komplexität der Ermittlungen: Auch wenn die Identität des Kindes nun zweifelsfrei geklärt ist und eine Entführung ausgeschlossen werden kann, bleiben zentrale Fragen zur Todesursache und zum genauen Ablauf offen. Die Arbeit der Ermittlungsgruppe "Wagen" dürfte daher noch einige Zeit andauern.
