Ebola-Ausbruch im Kongo: Behörden sprechen vom schnellsten Anstieg der Fallzahlen aller Zeiten
Genf, 10 Juli 2026
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Kurzfassung
Im Kongo breitet sich das Ebola-Virus schneller aus als je zuvor. Die Africa CDC spricht vom am schnellsten wachsenden Ausbruch seit Bestehen der Krankheit; 600 Menschen sind bereits gestorben. Helfer warnen, dass Betten, Tests und Impfstoffe gegen die aktuelle Variante fehlen.
Genf, 10 Juli 2026
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo breitet sich der seit Mai laufende Ebola-Ausbruch nach Angaben der Africa CDC schneller aus als jeder zuvor dokumentierte Ausbruch des Virus.
Ein Ausbruch auf Rekordtempo
Die Africa CDC sprach am Donnerstag vom am schnellsten wachsenden Ebola-Ausbruch, der je registriert wurde. Wessam Mankoula, Leiter der Abteilung für Notfallvorsorge und Reaktion bei der Africa CDC, erklärte: "This is the fastest growing Ebola outbreak ever, not only among the previous Bundibugyo outbreaks, but all the different viruses that are causing Ebola" und fügte hinzu, das Virus eile der Reaktion der Helfer weiterhin voraus: "Unfortunately the virus is still ahead of our response. It's moving faster than deploying the resources to control the situation". Nach CDC-Angaben erhalten die Gesundheitsbehörden in mehr als der Hälfte der Fälle erst 72 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome Information über einen Ebola-Verdachtsfall.
Nach Regierungsangaben gab es seit Beginn im Mai 1.759 im Labor bestätigte Fälle. Mittlerweile wurden laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den betroffenen Gebieten 1.561 Ebola-Fälle bestätigt, 600 Menschen starben an der gefürchteten Krankheit. Innerhalb von einer Woche habe sich die Zahl der Fälle um 25 Prozent erhöht, sagte Wessam Mankoula, ein Vertreter der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC. Die Zahl der Neuinfektionen verdoppelt sich laut Africa CDC derzeit etwa alle 28 Tage.
Zum Vergleich: Der aktuelle Ausbruch erreichte in den ersten sechs Wochen 1.596 Fälle, während des gleichen Zeitraums des Westafrika-Ausbruchs 2013 bis 2016 waren es 994 Fälle. Dieser Westafrika-Ausbruch gilt als der tödlichste, der je verzeichnet wurde. "Wir müssen die Zahl der verfügbaren Krankenhausbetten unverzüglich um etwa 50 Prozent erhöhen", forderte Mankoula. 95 Prozent der Kapazitäten sind ausgeschöpft, gleichzeitig werden täglich zwischen 15 und 30 neue Verdachtsfälle gemeldet. Insgesamt werden nach CDC-Angaben etwa 1,4 Milliarden US-Dollar für die Krankheits- und humanitäre Reaktion benötigt.
Die Bundibugyo-Variante: Kein Impfstoff, keine spezifische Therapie
Beim aktuellen Ausbruch im Kongo handelt es sich um die seltenere Bundibugyo-Variante des Virus, gegen die bislang kein zugelassener Impfstoff existiert. Ebola ist eine lebensbedrohende Krankheit, das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen, etwa Blut, Speichel oder Erbrochenem. Eine Übertragung über die Luft gilt als ausgeschlossen. Seit vergangener Woche läuft allerdings die klinische Testung zweier antiviraler Therapieverfahren gegen das Virus.
Arbeit unter schwierigen Bedingungen in Beni
Theresa Berthold, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen, berichtet aus dem Epizentrum in Beni. "Vor Ort bei uns in Beni stehen wir noch ganz am Anfang. ... eine Eindämmung ist aktuell leider noch nicht in Sicht", sagte die 39-Jährige, die zuvor bereits für die Organisation in Sierra Leone, Afghanistan, Nigeria, Syrien, Tschad und Jemen tätig war. "In den vergangenen Wochen ist mir vor Augen geführt worden, wie groß diese Krise wirklich ist, und wie schwer es sein wird, sie einzudämmen." Die Organisation, die 1999 den Friedensnobelpreis erhielt, hat kürzlich in zwei lokalen Gesundheitszentren zwölf Zimmer für Patientinnen und Patienten fertiggestellt, die mit Ebola-Symptomen zu ihnen kommen: "Am Tag der Eröffnung der beiden Zentren waren direkt alle Zimmer belegt."
In Beni selbst gibt es ein einziges Labor des Gesundheitsministeriums, das auf das Bundibugyo-Virus testen kann. Nach Angaben der Africa CDC ist im Kongo mittlerweile eine Kapazität von 2.000 Ebola-Tests täglich erreicht worden, allerdings in der Praxis mit regionalen Unterschieden. Auch bei der Entnahme und beim Transport von Proben komme es immer wieder zu Verzögerungen. Dem Labor fehlt nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen Diesel für den Generator; die Versorgung sei inzwischen sichergestellt.
In den Randgebieten der Stadt Beni und den umliegenden Dörfern komme es immer wieder zu Angriffen durch bewaffnete Gruppen auf die Zivilbevölkerung. Lieferungen für die Helfer verzögern sich, weil Lastwagen Frontlinien überqueren müssen: "Zuletzt saßen sie mehrere Tage an einem Kontrollpunkt fest", so Berthold. In der Stadt selbst arbeitet die Organisation eng mit dem Gesundheitsministerium zusammen. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen will weitere Ebola-Behandlungszentren im Kongo aufbauen.
Eine schwangere Frau mit Ebola-Symptomen wurde vor einigen Tagen in eines der Gesundheitszentren überwiesen. "Sie kam sehr spät, das ungeborene Baby war bereits verstorben und sie selbst war in einem extrem kritischen Zustand. Leider hat auch sie nicht überlebt", berichtete Berthold. "Auch wenn es noch keine Impfung und keine Medikamente gegen das Bundibugyo-Virus gibt, können wir die Symptome behandeln." In derselben Woche wurde aber die erste Person, die in Beni die Infektion mit dem Bundibugyo-Virus überstanden hat, aus dem Krankenhaus entlassen.
Ausblick: Uganda als Beispiel, Kongo als Herausforderung
Im benachbarten Uganda, das ebenfalls Fälle im Zusammenhang mit dem Ausbruch im Kongo verzeichnete, wurde gegenwärtig noch ein Patient behandelt. Insgesamt gab es in Uganda 20 Ebola-Fälle, die im Zusammenhang mit dem Ausbruch im Nachbarland standen, zwei Menschen starben dort an der Krankheit. "Gleichzeitig zeige das Beispiel Ugandas, dass die Kontrolle von Ebola möglich sei", erklärte die Africa CDC.
Die Africa CDC betont zugleich, dass eine Eindämmung möglich ist, verweist aber auf enorme logistische und finanzielle Lücken. Auch die wiederholten Verzögerungen bei Probenentnahme und -transport sowie die prekäre Sicherheitslage in der Region erschweren die Arbeit der Helfer. Mit jedem Tag, an dem die Fallzahlen weiter steigen, wächst nach Einschätzung von Hilfsorganisationen das Risiko, dass sich das Virus über die Grenzen des Kongo hinaus ausbreitet.
Fragen & Antworten
Wer ist Wessam Mankoula und was sagt er über den Ausbruch?
Wessam Mankoula ist Leiter der Abteilung für Notfallvorsorge und Reaktion bei der Africa CDC. Er erklärte am Donnerstag, dies sei der am schnellsten wachsende Ebola-Ausbruch aller Zeiten, die Fallzahlen verdoppelten sich etwa alle 28 Tage und das Virus eile der Reaktion der Helfer voraus.
Warum ist die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus besonders gefährlich?
Gegen die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus existiert nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen weder ein zugelassener Impfstoff noch eine spezielle Therapie. Aktuell werden zwei antivirale Therapieverfahren klinisch getestet.
Wie ist die Lage im benachbarten Uganda?
In Uganda gab es insgesamt 20 Ebola-Fälle, die im Zusammenhang mit dem Ausbruch im Kongo standen, zwei Menschen starben. Aktuell werde dort gegenwärtig noch ein Patient behandelt; die Africa CDC verweist auf Uganda als Beispiel dafür, dass eine Eindämmung möglich sei.
Ebola im Kongo: Fallzahlen steigen rapide | finanz360