De la Espriella gewinnt Wahl Kolumbien 2026: Ergebnisse & | finanz360
De la Espriella gewinnt Stichwahl in Kolumbien und löst rechten Wendepunkt aus
Bogotá, 21 Juni 2026
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Kurzfassung
Der Rechtsaußenkandidat Abelardo de la Espriella hat die Stichwahl um das Präsidentenamt in Kolumbien knapp gegen den Linkspolitiker Iván Cepeda gewonnen. Der 47-jährige Rechtsanwalt und Geschäftsmann setzte sich nach Auszählung von rund 95 Prozent der Stimmen mit etwa 49,7 Prozent durch und kündigte einen harten Kurs gegen bewaffnete Gruppen an.
Bogotá, 21 Juni 2026
Der 47-jährige Rechtsanwalt und Geschäftsmann Abelardo de la Espriella hat die Stichwahl um das kolumbianische Präsidentenamt am Sonntag nach Auszählung von rund 95 Prozent der Stimmen mit knapp 49,7 Prozent gegen den linken Senator Iván Cepeda gewonnen.
Hintergrund: Die Ausgangslage
Rund 41 Millionen Bürgerinnen und Bürger waren aufgerufen, über die Nachfolge des linken Amtsinhabers Gustavo Petro zu entscheiden, der nach vier Jahren im Amt nicht erneut antreten durfte. Die Wahllokale schlossen am Sonntag um 16.00 Uhr Ortszeit (23.00 MESZ). Nach Bekanntwerden der Zahlen erklärte Cepeda, sein Team werde die Ergebnisse aus mehr als 30.000 Wahllokalen anfechten.
Der Wahlsieg von «El Tigre» – wie er sich öffentlichkeitswirksam nennt – kam für viele Beobachter überraschend. In der ersten Wahlrunde vor drei Wochen war De la Espriella überraschend mit 44 Prozent auf dem ersten Platz gelandet, Cepeda kam auf 41 Prozent. In der Stichwahl lag Cepeda mit 48,4 Prozent rund 368.000 Stimmen zurück.
De la Espriella präsentiert sich als politischer Außenseiter, der noch nie ein politisches Amt bekleidete. Der Rechtsanwalt, der neben der kolumbianischen auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, warb im Wahlkampf für einen harten Kurs gegen organisierte Kriminalität, einen schlankeren Staat und bessere Bedingungen für private Investitionen.
Wirtschaftsprogramm: Deregulierung und Steuersenkungen
Wirtschaftspolitisch will er den kolumbianischen Öl- und Gassektor fördern, Steuern senken und den Staatsapparat um bis zu 40 Prozent verkleinern. Er kündigte jedoch an, die vom amtierenden linken Präsidenten Gustavo Petro eingeführte Erhöhung des Mindestlohns um 23 Prozent sowie andere beliebte Sozialmaßnahmen beizubehalten.
In der Sicherheitspolitik setzt De la Espriella auf eine kompromisslose Linie: «El Tigre» will ins Drogengeschäft verwickelte Guerillagruppen auch mit Luftangriffen bekämpfen. In einem Interview der Nachrichtenagentur AFP sagte er, er werde das Militär eine 90-tägige Offensive mit Bombardierungen und Ausräucherung von Koka-Plantagen führen lassen. Dafür wolle er sich die Unterstützung der USA und Israels holen.
Sicherheitspolitik: Härte gegen bewaffnete Gruppen
Im Wahlkampf versprach «El Tigre» – wie er sich öffentlichkeitswirksam nennt – ein kompromissloses Vorgehen gegen bewaffnete Gruppen. Zudem kündigte er den Bau von zehn Großgefängnissen an. Politisch wird sein Stil häufig mit dem des salvadorianischen Präsidenten Nayib Bukele verglichen.
Der unterlegene Kandidat Iván Cepeda, ein 63-jähriger Senator und langjähriger Menschenrechtsaktivist, hatte versprochen, die Politik Petros fortzusetzen und weitreichende Sozialreformen umzusetzen. Dazu gehörten staatliche Rentenzahlungen für Arme, höhere Steuern für Besserverdienende, Landzuweisungen an Konfliktopfer sowie ein Stopp neuer Ölprojekte.
Gegenkandidat Cepeda und das Erbe Petros
Cepeda tritt für das Regierungslager an und will zentrale Elemente der Politik Petros fortsetzen. Dazu gehören höhere Sozialausgaben und Verhandlungen mit bewaffneten Gruppen im Rahmen der Strategie des «totalen Friedens». Bei der Stimmabgabe in einer Schule in einem Arbeiterviertel von Bogotá wurde er von Leibwächtern in kugelsicheren Westen begleitet, während seine Unterstützer ihm zuriefen: «Das Volk steht hinter du».
De la Espriella gab in der Stadt Barranquilla im Norden des Landes seine Stimme ab, wo er im Trikot der Fußballnationalmannschaft erschien. Er sagte vor seinen Anhängern: «Heute findet die wichtigste Wahl in der Geschichte» des Landes statt. Damit vollzieht das von Gewalt geplagte südamerikanische Land einen scharfen Rechtsruck.
Gewalt im Wahlkampf und Proteststimmen
Der Wahlkampf wurde von einer Welle der Gewalt überschattet. In mehreren Regionen des Landes kam es zuletzt zu Anschlägen und Gefechten zwischen Sicherheitskräften und bewaffneten Gruppen. Stattdessen wurde auch der Wahlkampf von heftiger Gewalt überschattet. So wurden mehrere Anschläge mit Autobomben und Drohnen verübt.
Im Juni 2025 wurde der rechtsgerichtete Präsidentschaftskandidat Miguel Uribe ermordet. Auch zahlreiche Gemeindevorsteher und Zivilisten wurden getötet. Die Wahl fand inmitten der schlimmsten Gewaltwelle in Kolumbien seit einem Jahrzehnt statt.
Rund 400.000 Wählerinnen und Wähler gaben bei der Stichwahl einen leeren Stimmzettel ab, was allgemein als Protestwahl interpretiert wird. Die Menschen empfänden derzeit «große Unsicherheit», sagte die Wählerin Angie Muñoz aus Bogotá. «Es gibt viel Spaltung, es gibt viel Aggressivität». Dies rühre daher, dass die bewaffneten Gruppen «deutlich an Stärke gewonnen haben», sagte der 58-jährige Händler Jesús Alberto, der in der besonders von Gewalt betroffenen südwestlichen Provinz Cauca abstimmte.
Beobachter sehen die Wahl auch als Abstimmung über die Bilanz Petros. Während seine Anhänger auf sinkende Armutszahlen und höhere Sozialausgaben verweisen, werfen Kritiker ihm vor, mit seiner Strategie des «totalen Friedens» keinen entscheidenden Durchbruch gegen bewaffnete Gruppen erreicht zu haben. Während Petros vierjähriger Amtszeit sank die Arbeitslosigkeit, und der Mindestlohn stieg um 75 Prozent.
Internationale Dimension: USA und Kokainbekämpfung
De la Espriella bekam im Wahlkampf von US-Präsident Trump dessen «vollständige und totale Unterstützung» ausgesprochen. Zugleich warnte Trump vor Konsequenzen für das Verhältnis zwischen den USA und Kolumbien bei einem Sieg des «radikal-linken Marxisten» Cepeda. Kolumbien war über viele Jahre hinweg der wichtigste Verbündete der USA in Südamerika. Seit dem Amtsantritt Petros verschlechterten sich die Beziehungen jedoch.
Einer der Gründe für die verschlechterten Beziehungen waren die Angriffe des US-Militärs auf angebliche Drogenboote in der Karibik und im östlichen Pazifik, bei denen auch kolumbianische Staatsbürger getötet wurden. Kritiker stufen die Angriffe als außergerichtliche Hinrichtungen und völkerrechtswidrig ein. Kolumbien ist der größte Kokainproduzent der Welt.
Ausblick: Hohe Schulden und blockierter Kongress
Zehn Jahre nach dem historischen Friedensschluss zwischen der Regierung und der vormals mächtigen Guerillaorganisation Farc sind in Kolumbien weiterhin viele bewaffnete Gruppen aktiv. Das Spektrum reicht von Abspaltungen der früheren Farc über rechte paramilitärische Gruppierungen bis hin zu Drogenbanden. Die Abstimmung gilt als Richtungsentscheidung für das südamerikanische Land.
Auf den künftigen Präsidenten warten nun große Herausforderungen: Er muss eine hohe Staatsverschuldung bewältigen und in einem gespaltenen Kongress Reformen durchsetzen, die von der Opposition blockiert werden könnten. Cepeda sagte im Fall seines Sieges: «Wenn wir den Sieg errungen haben, werden wir für das ganze Land regieren und nicht nur für einen bestimmten Sektor».
Petro, selbst ein früherer Guerillero, ist der erste linksgerichtete Staatschef in der Geschichte Kolumbiens. Er durfte nicht erneut kandidieren, da die kolumbianische Verfassung zwei direkt aufeinanderfolgende Amtszeiten nicht erlaubt. Petro hatte sich in seiner auslaufenden vierjährigen Amtszeit durch Verhandlungen mit bewaffneten Gruppen um eine weitere Befriedung des seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten leidenden Landes bemüht. Doch gelang ihm kein größeres weiteres Friedensabkommen.
Fragen & Antworten
Wer ist Abelardo de la Espriella?
Abelardo de la Espriella ist ein 47-jähriger kolumbianischer Rechtsanwalt und Geschäftsmann, der sich selbst «El Tigre» nennt und noch nie ein politisches Amt bekleidet hat. Er ist Inhaber sowohl der kolumbianischen als auch der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft und wird vom US-Präsidenten Donald Trump unterstützt.
Warum war die Wahl eine Stichwahl?
In der ersten Wahlrunde Anfang Juni hatte keiner der beiden Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht, weshalb sich De la Espriella und Cepeda in einer Stichwahl gegenüberstanden. De la Espriella war in der ersten Runde mit 44 Prozent der Stimmen überraschend auf den ersten Platz gekommen, Cepeda erhielt 41 Prozent.
Welche politischen Änderungen kündigt der neue Präsident an?
De la Espriella kündigte ein kompromissloses Vorgehen gegen bewaffnete Gruppen, den Bau von zehn Großgefängnissen und eine Deregulierung der Wirtschaft mit Steuersenkungen und einer Verkleinerung des Staatsapparates um bis zu 40 Prozent an. Er will jedoch die unter Petro eingeführte Mindestlohnerhöhung von 23 Prozent beibehalten.