Collien Fernandes schildert zunehmende Morddrohungen und fordert nationale Strategie gegen digitale Gewalt
Berlin, 30 Juni 2026
Raimond Spekking / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Beim Tagesspiegel-Hauptstadtgespräch im Deutschen Theater hat die Schauspielerin Collien Fernandes von wachsenden Morddrohungen berichtet und eine nationale Strategie gegen männliche und digitale Gewalt gefordert. Sie schilderte zudem Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen, gegen den die Staatsanwaltschaft Potsdam wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt.
Berlin, 30 Juni 2026
Die Schauspielerin Collien Fernandes hat beim Tagesspiegel-Hauptstadtgespräch im Berliner Deutschen Theater von einer Zunahme an Hassnachrichten und Morddrohungen berichtet und eine nationale Strategie gegen männliche und digitale Gewalt gefordert.
Podium im Deutschen Theater: 90 Minuten unter dem Titel „Der Preis des Muts"
Beim Podiumsgespräch unter dem Titel „Der Preis des Muts" sprach Fernandes am Sonntagabend 90 Minuten lang mit Tagesspiegel-Chefredakteur Christian Tretbar und der stellvertretenden Chefredakteurin Laura Himmelreich. Sie schilderte, wie sie seit Monaten mit Anfeindungen konfrontiert ist: „Die Hassnachrichten werden wieder mehr, die Morddrohungen werden wieder mehr."
Besonders deutlich wurde Fernandes beim Blick auf mögliche Gewalt gegen ihre Person: „Es sollte auch bei ihm angekommen sein, dass ich Morddrohungen bekomme. Was ist denn, wenn mir irgendwann so ein Christian-Ulmen-Ultra eine Kugel in den Kopf jagt?" Damit verwies sie auf ihre Sorge, dass radikalisierte Anhänger ihres Ex-Mannes zur realen Bedrohung werden könnten.
Vorwürfe gegen Christian Ulmen und Ermittlungsstand
Im Zentrum des Abends standen Vorwürfe gegen Christian Ulmen. Fernandes behauptet, er habe in ihrem Namen Fake-Profile in sozialen Netzwerken erstellt und darüber Chats mit sexuellen Inhalten geführt. Außerdem habe er in der Film- und Fernsehbranche gegenüber mehreren Männern Vergewaltigungsfantasien über sie geäußert. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung nach einem Vorfall, den Fernandes auf Mallorca im Jahr 2023 verortet.
Christian Ulmens Anwalt wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme zurück: „Es kam zu keinerlei einseitigen Gewalthandlungen und/oder Bedrohungen." Zugleich erklärte er, Fernandes sei im Zuge des Vorfalls vorübergehend festgenommen worden. Ulmens Anwälte sprachen nach einer gerichtlichen Entscheidung zudem von einer „Vorverurteilung" und einer Berichterstattung, die „an Hysterie grenzend" sei.
Gerichtliche Entscheidung aus Hamburg und Unschuldsvermutung
Eine Woche vor der Veranstaltung hatte das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg in einem Verfahren zwischen Ulmen und Der Spiegel entschieden, dass der Kern der Spiegel-Berichterstattung weiterhin als unstreitig gelten darf. Spiegel darf allerdings nicht mehr behaupten, Ulmen habe selbst Deepfake-Videos von Fernandes produziert oder verbreitet; Aussagen über Deepfake-Fotos bleiben zulässig. Zudem ordnete das Gericht die Entfernung von Zitaten aus einer E-Mail an, die Ulmen an seine Anwälte geschickt hatte.
Tagesspiegel-Chefredakteur Tretbar stellte in seiner Eröffnung unmissverständlich klar: „Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Das hier ganz klar zu sagen, ist unsere journalistische Pflicht." Damit grenzte er die Bühne von der laufenden juristischen Aufarbeitung ab, ohne die Vorwürfe zu relativieren.
Digitale Gewalt, Deepfakes und politische Forderungen
Fernandes beschrieb das Verhalten der Gegenseite vor Gericht als „Täterstrategie" – also als bewussten Versuch, durch das Abstreiten einzelner Nebenaspekte die Gesamtheit der Vorwürfe als haltlos darzustellen. „Fakt ist: Das, was passiert ist, ist passiert." Das gezielte Infragestellen einzelner Punkte diene ihrer Einschätzung nach dazu, Glaubwürdigkeit zu untergraben.
Persönlich sprach Fernandes offen über die Folgen der Anfeindungen: Panikattacken, Ohnmachtsgefühle und Phasen, in denen sie tagelang im Bett liege. Als Ausgleich nannte sie handwerkliche Arbeiten an einem alten Haus. „Manchmal hilft es, einfach mal einen Hammer in die Hand zu nehmen."
Politisch zog sie daraus eine konkrete Forderung: Gemeinsam mit weiteren Engagierten übergab sie im Bundestag eine Petition für eine „nationale Strategie gegen männliche und digitale Gewalt". Sie wies darauf hin, dass pornografische Deepfakes in Deutschland derzeit nicht ausdrücklich unter Strafe stehen. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte im April einen Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt vorgelegt.
„Das alles findet eben nicht nur hinter einem Computer statt, sondern hinter diesem Computer sitzen Menschen", mahnte Fernandes. Sie forderte zudem einen gesellschaftlichen Umdenkprozess: „Wir müssen ein neues Selbstverständnis lernen, dass nicht das Opfer die Familie zerstört, sondern der Täter."
Die Sorge, dass ihr Fall strafrechtlich ins Leere laufen könnte, formulierte sie mit einem knappen Satz: „Das macht mir Angst." Gleichzeitig betonte sie, es gebe aktuell wieder direkten Kontakt zu Ulmen – ein Hinweis auf das laufende Sorgerechts- und Umgangsverfahren, das durch die laufenden Ermittlungen überlagert wird. Wegen der laufenden Verfahren sei derzeit auch kein direkter Kontakt zur Justizministerin möglich.
Die Veranstaltung im Deutschen Theater endete nach 90 Minuten mit stehenden Reaktionen aus dem Publikum. Fernandes hatte angekündigt, ihre Petition und ihren Weg in die Öffentlichkeit weiterzuverfolgen. Wann die Staatsanwaltschaft Potsdam entscheidet, ob sie im Körperverletzungsverfahren Anklage erhebt, blieb offen.
Fragen & Antworten
Wer ist Collien Fernandes?
Collien Fernandes ist eine deutsche Schauspielerin und die Ex-Frau von Christian Ulmen. Sie trat beim Tagesspiegel-Hauptstadtgespräch im Deutschen Theater auf und schilderte dort Morddrohungen sowie Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann.
Worum geht es im Streit zwischen Fernandes und Ulmen?
Fernandes wirft Ulmen unter anderem vor, Fake-Profile in ihrem Namen mit sexuellen Inhalten betrieben und Vergewaltigungsfantasien über sie geäußert zu haben. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung nach einem Vorfall auf Mallorca 2023; Ulmens Anwalt weist die Vorwürfe zurück.
Was hat das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg entschieden?
Das Gericht urteilte, dass der Kern der Spiegel-Berichterstattung weiterhin unstreitig bleibt, Spiegel aber nicht behaupten darf, Ulmen habe selbst Deepfake-Videos produziert oder verbreitet; Zitate aus einer E-Mail Ulmens an seine Anwälte mussten entfernt werden.