BMJ-Studie: Wirksamste Abnehm-Medikamente gehen mit den meisten Nebenwirkungen einher
London, 09. Juli 2026
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Kurzfassung
Eine neue Übersichtsstudie im Fachjournal BMJ zeigt, dass die wirksamsten modernen Medikamente gegen Adipositas zugleich die meisten Nebenwirkungen verursachen. Besonders Tirzepatid und Cagrisema führen demnach zu deutlichem Gewichtsverlust, aber häufig auch zu Verdauungsproblemen, Übelkeit und Erbrechen. Keines der untersuchten Mittel verbesserte nachweislich die allgemeine Lebensqualität der Patienten.
Eine am Donnerstag im britischen Fachjournal BMJ veröffentlichte Übersichtsstudie kommt zu dem Ergebnis, dass die wirksamsten modernen Medikamente gegen Adipositas – darunter Tirzepatid und das in Entwicklung befindliche Cagrisema – zugleich die meisten Nebenwirkungen verursachen.
Methodik: Auswertung von mehr als 200 Studien
Für die Untersuchung wertete ein Forschungsteam mehr als 200 Studien zu sogenannten GLP-1-Antagonisten aus. "Dazu wurden mehr als 200 Studien zu Behandlungen mit sogenannten GLP-1-Antagonisten ausgewertet", heißt es in der Arbeit. Bei dieser Wirkstoffgruppe handelt es sich um Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Diabetes entwickelt wurden und inzwischen auch zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden.
Am wirksamsten schnitt den Analysen zufolge Tirzepatid ab, das vom US-Pharmaunternehmen Eli Lilly unter dem Namen Mounjaro als Abnehmspritze vermarktet wird. Das Mittel führt demnach zu einer Gewichtsabnahme von rund 15 Prozent. Vergleichbar stark war den Studienautoren zufolge das Präparat Cagrisema, das vom Konkurrenten Novo Nordisk entwickelt wird und die beiden Wirkstoffe Semaglutid und Cagrilintid kombiniert.
Wirkstoffe und Gewichtsverlust im Vergleich
Demgegenüber fiel der Gewichtsverlust bei der allein den Wirkstoff Semaglutid enthaltenden Abnehmspritze Wegovy mit rund zehn Prozent geringer aus. Wegovy und Mounjaro wurden in Frankreich kürzlich grundsätzlich für eine Kostenerstattung durch die Krankenkassen zugelassen – allerdings unter strengen Kriterien, die viele Patientinnen und Patienten ausschließen.
Die Wirkstoffe regulieren den Blutzuckerspiegel und können dadurch das Sättigungsgefühl erhöhen. "Die Medikamente regulieren den Blutzuckerspiegel und können dadurch das Sättigungsgefühl erhöhen", erläutern die Studienautoren. Auf diese Weise entfalten die GLP-1-Antagonisten ihre appetithemmende Wirkung.
Nebenwirkungen: Übelkeit, Erbrechen und Verdauungsprobleme
Mit der höheren Wirksamkeit gehen allerdings auch mehr unerwünschte Effekte einher. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen demnach Übelkeit und Erbrechen. Darüber hinaus traten bei den Probandinnen und Probanden der ausgewerteten Studien vermehrt Verdauungsprobleme auf. "Die größten Vorteile sind in der Regel mit mehr Nebenwirkungen, Einschränkungen für die Patienten und Behandlungsabbrüchen verbunden", fassen die Autorinnen und Autoren die Befunde zusammen.
Bemerkenswert ist zudem, dass keines der untersuchten Gewichtsreduktionsmittel nachweislich die allgemeine Lebensqualität der Behandelten verbesserte. Zwar existieren für einzelne Substanzen Belege, dass sich Begleiterkrankungen des Übergewichts bessern – etwa Semaglutid, das in mehreren Studien kardiovaskuläre Risiken senken konnte. Ein messbarer Zugewinn an Lebensqualität ließ sich laut BMJ-Studie jedoch nicht feststellen.
Kein nachweisbarer Gewinn an Lebensqualität
Die Autorinnen und Autoren sehen daher weiteren Forschungsbedarf. Erfahrungen in diesem Bereich seien noch begrenzt, weshalb sie Langzeitstudien forderten. Insbesondere die Frage, wie sich die Therapie über Jahre hinweg auf Patienten auswirkt, sei bislang unzureichend untersucht.
Parallel wächst der Druck auf Gesundheitsbehörden, über die Erstattungsfähigkeit der teuren GLP-1-Behandlungen zu entscheiden. Mit der wachsenden Verbreitung der Abnehmspritzen müssen immer mehr Länder abwägen, in welchem Umfang die Krankenkassen die Kosten übernehmen sollen – gerade weil die Mittel zwar wirksam, aber nebenwirkungsreich sind und einen langfristigen Einsatz erfordern.
Für die kommenden Jahre rechnen Fachleute mit einer wachsenden Zahl zugelassener Präparate in dieser Klasse. Auch Cagrisema von Novo Nordisk befindet sich noch in der Entwicklung. Sollte das Kombinationspräparat zugelassen werden, dürfte es die Diskussion um Wirksamkeit, Nebenwirkungen und Kosten weiter verschärfen.
Politische Debatte um Kostenübernahme
Insgesamt zeichnet die BMJ-Analyse das Bild einer Wirkstoffgruppe, die zwar erhebliche Fortschritte in der Adipositas-Therapie ermöglicht, deren langfristiger Nutzen für die Lebensqualität der Betroffenen jedoch bislang nicht belegt ist. Die Forscherinnen und Forscher empfehlen deshalb, sowohl die Indikation als auch die Dauer einer Behandlung mit GLP-1-Antagonisten sorgfältig abzuwägen.
Patientinnen und Patienten, die eine Therapie mit Abnehmspritzen in Betracht ziehen, sollten sich laut den Studienautoren eingehend über mögliche Nebenwirkungen informieren und gemeinsam mit ärztlichem Personal eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung treffen.
Die BMJ-Veröffentlichung reiht sich in eine Reihe internationaler Studien ein, die Vor- und Nachteile der neuen Adipositas-Therapien systematisch untersuchen. Sie unterstreicht, dass eine hohe Gewichtsabnahme nicht automatisch mit einem besseren Befinden der Behandelten einhergeht.
Fazit und Forschungsbedarf
Für die künftige Gesundheitspolitik bedeutet die Studienlage, dass Entscheidungen über die Kostenübernahme stärker als bisher an konkreten Therapiezielen – etwa der Vermeidung von Folgeerkrankungen – ausgerichtet werden müssten, so die Forderung der Forschenden.
Die Ergebnisse wurden am Donnerstag im BMJ, einem der renommiertesten medizinischen Fachjournale, veröffentlicht und basieren ausschließlich auf bereits publizierten klinischen Daten.
Insgesamt liefert die Untersuchung wichtige Orientierungspunkte für den klinischen Alltag und die gesundheitspolitische Debatte über den sinnvollen Einsatz von GLP-1-Antagonisten bei Adipositas.
Fragen & Antworten
Welche Abnehm-Medikamente schnitten in der BMJ-Studie am wirksamsten ab?
Den größten Gewichtsverlust erzielten demnach Tirzepatid (vermarktet als Mounjaro von Eli Lilly) und das in Entwicklung befindliche Kombinationspräparat Cagrisema von Novo Nordisk – beide mit rund 15 Prozent Gewichtsreduktion.
Welche Nebenwirkungen traten bei den GLP-1-Medikamenten am häufigsten auf?
Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen laut Studie Verdauungsprobleme, Übelkeit und Erbrechen, wobei die wirksamsten Mittel zugleich die meisten Nebenwirkungen und Behandlungsabbrüche aufwiesen.
Warum fordern die Studienautorinnen und -autoren weitere Langzeituntersuchungen?
Die Forschenden halten die bisherigen Erfahrungen für begrenzt und sehen insbesondere zur langfristigen Wirkung der Therapie auf die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten noch offene Fragen.
BMJ-Studie: Abnehmspritzen – Wirksamkeit und Nebenwirkungen | finanz360