Anschläge Thessaloniki: Tote bei Attacken auf | finanz360
Anschläge auf Wohnungen von Politikern in Thessaloniki – eine Tote, fünf Verletzte
Athen, 1. Juli 2026
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Kurzfassung
Bei koordinierten Anschlägen mit selbstgebauten Sprengkörpern auf Privatwohnungen dreier Politiker der Regierungspartei Nea Dimokratia im nordgriechischen Thessaloniki ist eine Frau getötet worden. Fünf weitere Personen wurden verletzt, vier Autos brannten aus.
In Thessaloniki sind in den frühen Morgenstunden des 1. Juli 2026 mehrere Anschläge mit improvisierten Sprengkörpern auf die Privatwohnungen dreier Politiker der konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia verübt worden, wobei eine Frau ums Leben kam und fünf weitere Menschen verletzt wurden.
Tatverlauf und Hintergründe
Nach Angaben der Polizei wurden die Taten in den frühen Morgenstunden verübt. In der Tiefgarage eines Wohnhauses brannten vier Fahrzeuge vollständig aus. Die Polizei erklärte, dass bei den Sprengkörpern nach ersten Erkenntnissen Butangasflaschen als Hauptbestandteil verwendet worden seien.
Bei der getöteten Frau handelt es sich nach Angaben des behandelnden Krankenhauses um die Mutter der früheren Parteikandidatin Afroditi Nestora. Das Krankenhaus teilte den Tod der Patientin am Mittwochabend mit. Zuvor hatte das Nachrichtenportal Kathimerini berichtet, dass Nestoras Eltern verletzt und in eine Klinik eingeliefert worden seien.
Opfer und Verletzte
Insgesamt wurden nach Polizeiangaben bei dem Anschlag auf Nestoras Wohnung fünf Personen verletzt, darunter Nestora selbst und ihre Eltern. Bei den weiteren Attacken seien vier weitere Menschen verletzt worden. Die Polizei äußerte sich zunächst nicht zu möglichen Tätern oder Hintergründen.
Die Behörden gehen davon aus, dass dieselben Täter hinter allen Anschlägen stehen. Videoaufzeichnungen würden derzeit ausgewertet, teilte die Polizei mit. Zu möglichen Verbindungen oder einem Bekennerschreiben gab es zunächst keine offiziellen Angaben.
Politische Reaktionen aus Athen
Die weiteren Anschlagsziele waren nach übereinstimmenden Berichten der Vorsitzende des Parteivorstands, Sisis Ioakimovic, sowie das frühere Mitglied des Parlaments Savvas Anastasiades. Bei beiden Anschlägen wurden ebenfalls Verletzte gemeldet.
Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis zeigte sich „empört“ und sprach von einem „feigen, terroristischen und mörderischen Anschlag“. Er kündigte an, nach Thessaloniki zu reisen, um sich an die Seite seiner Parteikollegen zu stellen. Mit der Reise solle „eine absolut klare und unmissverständliche Botschaft senden: null Toleranz gegenüber jeder neuen Form des Terrorismus, die in unserem Land auftreten könnte“, erklärte Mitsotakis.
Nachdem der Tod der Frau am Mittwochabend bekannt geworden war, sagte Mitsotakis, dies „bestätigt den mörderischen und unmenschlichen Charakter der blinden Gewalt, die im öffentlichen Leben existiert“. Damit verschärfte der Regierungschef seine Wortwahl noch einmal deutlich.
Der Minister für Bevölkerungsschutz, Michalis Chrysochoidis, bezeichnete die Täter als „dumme und uneinsichtige Menschen“, die eine harte Bestrafung verdient hätten. Er kündigte zugleich an, dass der Staat alles tun werde, um die Hintergründe lückenlos aufzuklären.
Ein Mitglied der Parteiführung, Konstantinos Kyranakis, sagte: „Die Täter hatten die Absicht zu töten“. Er fügte hinzu: „Diejenigen, die seit Jahren eine Kultur der Toleranz gegenüber politischer Gewalt pflegen, sollten über ihre Verantwortung nachdenken.“ Die Partei lasse sich aber nicht einschüchtern.
Verurteilung durch Opposition und Gesellschaft
Linksoppositionelle Parteien verurteilten die Anschläge ebenfalls. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, Gewalt gegen politische Mandatsträger sei in jeder Form verfassungswidrig und mit demokratischen Grundsätzen unvereinbar. Die Täter müssten schnellstmöglich gefasst und vor Gericht gestellt werden.
Hintergrund der Berichterstattung ist die Tatsache, dass in Griechenland seit Jahren linksextremistische und anarchistische Gruppen wiederholt selbstgebaute Sprengsätze gegen staatliche Einrichtungen, Banken und Politiker einsetzen. Der aktuelle Fall reiht sich in eine längere Serie solcher Angriffe ein, auch wenn das Ausmaß mit einem Todesopfer ungewöhnlich ist.
Die Sicherheitsbehörden erweiterten unterdessen ihre Ermittlungen. Neben der Auswertung von Überwachungskameras aus den betroffenen Wohnvierteln wurden nach Angaben aus dem Innenministerium auch Spezialisten des Anti-Terror-Referats eingebunden. Die betroffenen Wohngebäude wurden weiträumig abgesperrt, Spürhunde kamen zum Einsatz.
Ermittlungen und Sicherheitsmaßnahmen
In Athen kam es am Mittwochnachmittag zu einer spontanen Solidaritätskundgebung vor dem Hauptsitz von Nea Dimokratia. Parteimitglieder legten Blumen und Kränze vor dem Eingang nieder. Vereinzelt skandierten Teilnehmer Parolen gegen politische Gewalt.
Die Staatsanwaltschaft Thessaloniki leitete ein Ermittlungsverfahren wegen mehrfachen Mordes, mehrfacher versuchter Tötung und Herstellung von Sprengvorrichtungen ein. Ein Sprecher der Behörde kündigte an, dass die Verfahren mit „höchster Priorität“ geführt würden.
Die griechische Presse berichtete übereinstimmend, dass die Anschläge in einem Umkreis von wenigen hundert Metern im Stadtzentrum von Thessaloniki verübt worden seien. Die genauen Tatzeitpunkte lägen zwischen etwa 3.00 und 4.30 Uhr morgens, hieß es unter Berufung auf erste Ermittlungsergebnisse.
Internationale Reaktionen
Die Europäische Kommission in Brüssel verurteilte die Anschläge und sprach den Angehörigen des Opfers sowie den Verletzten ihr Beileid aus. Eine Sprecherin erklärte, Gewalt gegen gewählte Volksvertreter sei mit den Grundwerten der Europäischen Union unvereinbar.
Beobachter wiesen darauf hin, dass die Anschläge in eine Phase politischer Spannungen fallen. In den vergangenen Wochen war es in Griechenland wiederholt zu Protesten gegen Sparmaßnahmen und zu Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition gekommen. Ein direkter Zusammenhang mit den Anschlägen sei jedoch bislang nicht belegt.
Mitsotakis reiste noch am Abend nach Thessaloniki, um gemeinsam mit Parteifunktionären an einem Gedenkgottesdienst für die getötete Frau teilzunehmen. Vor seiner Abreise kündigte er zudem eine Sondersitzung des Kabinetts für den kommenden Donnerstag an.
Die Polizei rief mögliche Zeugen auf, sich zu melden. Hinweise würden über eine eigene Hotline sowie über die Internetseite der Polizei Thessaloniki entgegengenommen, teilte die Behörde mit. Anonymität werde zugesichert.
Fragen & Antworten
Wer ist das Opfer der Anschläge in Thessaloniki?
Bei der getöteten Frau handelt es sich nach Angaben des behandelnden Krankenhauses um die Mutter der früheren Parteikandidatin Afroditi Nestora. Der Tod wurde am Mittwochabend offiziell bekannt gegeben.
Auf welche Ziele richteten sich die Anschläge?
Die Anschläge galten den Privatwohnungen dreier Politiker der Regierungspartei Nea Dimokratia in Thessaloniki, nämlich Afroditi Nestora, dem Parteivorsitzenden Sisis Ioakimovic und dem früheren Parlamentsmitglied Savvas Anastasiades.
Wie reagierte Ministerpräsident Mitsotakis auf die Taten?
Mitsotakis zeigte sich „empört“, sprach von einem „feigen, terroristischen und mörderischen Anschlag“ und reiste nach Thessaloniki. Er kündigte zudem eine Sondersitzung des Kabinetts und null Toleranz gegenüber jeder Form von Terrorismus an.