AKV: Zahl der eröffneten Firmeninsolvenzen in Österreich erstmals seit drei Jahren leicht rückläufig
Wien, 08. Juli 2026
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Kurzfassung
Die Zahl der eröffneten Firmeninsolvenzen in Österreich ist im ersten Halbjahr 2026 erstmals seit drei Jahren leicht zurückgegangen. Gleichzeitig stiegen die Gesamtinsolvenzen einschließlich abgewiesener Verfahren um 1,5 Prozent auf 3.659 Fälle.
Im ersten Halbjahr 2026 ist die Zahl der eröffneten Firmeninsolvenzen in Österreich erstmals seit drei Jahren leicht gesunken, während gleichzeitig die Gesamtzahl der Insolvenzen einschließlich abgewiesener Verfahren gestiegen ist.
Erstmals Rückgang seit drei Jahren
Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) registrierte zwischen Jänner und Juni 2026 insgesamt 2.005 eröffnete Unternehmensinsolvenzen, das entspricht einem Rückgang von 7,69 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Im Monatsdurchschnitt meldeten demnach 334 Unternehmen Insolvenz an, im ersten Halbjahr 2025 waren es noch 349 Verfahren gewesen.
Die Gesamtpassiva der eröffneten Unternehmensinsolvenzen nahmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 39,46 Prozent auf 4,64 Mrd. Euro ab. Der AKV wies allerdings darauf hin, dass ein Vergleich zum bisherigen Rekordpleitenjahr 2025 gezogen wird.
Trotz des leichten Rückgangs bei den Eröffnungen stieg die Zahl der Gesamtinsolvenzen – also eröffnete und abgewiesene Verfahren zusammen – um 1,5 Prozent auf 3.659. Grund dafür ist die steigende Zahl von Abweisungen mangels kostendeckenden Vermögens.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden 1.654 Insolvenzanträge gegen Unternehmungen abgewiesen, weil nicht einmal ein kostendeckendes Vermögen von 4.000 Euro vorhanden war – dies bedeutet eine Zunahme um 15,42 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Die Mindestsumme von 4.000 Euro an Vermögen ist erforderlich, um in Österreich ein Insolvenzverfahren eröffnen zu können.
Mehr Abweisungen mangels Masse
Der Anteil der Insolvenzverfahren mit einer Quote von null, bei der die Gläubiger leer ausgehen, stieg von 27,49 auf 33,02 Prozent. Nur 20,95 Prozent der abgeschlossenen Verfahren endeten mit einem Sanierungsplan, nach rund 26 Prozent im Vorjahr.
Die meisten Insolvenzen hatte unterdessen das Baugewerbe (471) vor dem Handel (460) und der Gastronomie (368). Nach Branchen verzeichneten Finanzdienstleistungen mit insgesamt 1,92 Mrd. Euro die höchsten Passiva, gefolgt vom Grundstücks- und Wohnungswesen mit 837,7 Mio. Euro.
Sektoren und größte Fälle
Die größte Insolvenz im ersten Halbjahr 2026 war die Laura Privatstiftung mit 1,7 Mrd. Euro Passiva, die von Signa-Gründer René Benko mitgegründet worden war. Davon wurden bisher erst rund 32 Millionen Euro anerkannt. René Benko hatte im März 2024 selbst Privatinsolvenz angemeldet.
Weitere große Insolvenzen waren Georg-Coch-Platz Immobilien GmbH mit 320 Millionen Euro und LL-resources GmbH mit 130,7 Millionen Euro, wobei letztere noch um einen Sanierungsplan kämpft. Die in den letzten Jahren insolvent gewordenen Immobilienkonzerne strahlen nun auf den Privatkonkurssektor aus.
Auswirkungen auf Privatinsolvenzen
Allein ehemalige Gesellschafter und Geschäftsführer insolventer Immobilienfirmen beantragten im ersten Halbjahr 2026 Privatinsolvenzen mit Passiva bis zu 100 Millionen Euro pro Person. Die Gesamtpassiva privater Insolvenzen stiegen auf 830,7 Mio. Euro, die Durchschnittsverschuldung auf 176.000 Euro.
Im Schnitt verschuldeten sich Männer mit 219.700 Euro, mehr als doppelt so viel wie Frauen mit 101.000 Euro. Pro Woche meldeten in Österreich rund 181 Personen Privatinsolvenz an, insgesamt werden für 2026 mehr als 9.000 private Insolvenzen erwartet – womit das Vor-Corona-Niveau von 2019 erreicht würde.
Rund zwei Drittel (66,54 Prozent) der Privatinsolvenzen enden mit einem erfüllten Zahlungsplan. Die Privatinsolvenzen stiegen besonders in Oberösterreich (+16,27 Prozent) und Niederösterreich (+12,76 Prozent), während Kärnten (-5,45 Prozent) und Wien (-2,09 Prozent) Rückgänge verzeichneten.
Regionale Unterschiede
Mehr als die Hälfte der Insolvenzen wurden vom AKV nicht von den Unternehmen selber, sondern von Gläubigern beantragt – ihr Anteil lag bei 57,11 Prozent. Unternehmungen fehlen zunehmend die Mittel für eine Weiterführung und die Finanzierung eines Sanierungsplans.
Die schwache Konjunkturentwicklung und die volatile weltpolitische Lage lassen keine kurzfristige Entspannung erwarten. Prüfungstagsatzungen haben zu den genannten Verfahren jeweils noch nicht stattgefunden.
Auf Bundesländerebene verzeichneten mit Ausnahme von Vorarlberg (plus 51,11 Prozent) und der Steiermark (plus 12,79 Prozent) alle Bundesländer von Jänner bis Juni einen Rückgang bei den Eröffnungen. Den stärksten Zuwachs bei den Anmeldungen insgesamt verzeichnete Vorarlberg mit einem Plus von 36,84 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, während Tirol mit minus 29,32 Prozent den stärksten Rückgang bei den Eröffnungen aufwies.
Oberösterreich im Detail
In Oberösterreich gab es im ersten Halbjahr 430 Firmeninsolvenzanträge, ein Plus von 6,7 Prozent, 223 Verfahren wurden letztlich eröffnet. Oberösterreich liegt damit nach absoluten Zahlen – wie bereits im Vorjahr – hinter Wien (1.412 Eröffnungsanträge; + 3,37 %) und Niederösterreich (609; + 8,75 %) an dritter Stelle im Bundesländer-Ranking.
Die Gesamtverbindlichkeiten, die bei oberösterreichischen Firmeninsolvenzen registriert wurden, beliefen sich im ersten Halbjahr 2026 auf etwa 210 Mio. Euro. Die nach Passiva größte Insolvenz war jene von Hellweg mit Zentrale in Linz, die Passiva belaufen sich auf knapp 24 Millionen Euro. Es folgt das Großhandelsunternehmen Lienbacher aus Palting.
Rund 1.050 Dienstnehmer waren in Oberösterreich von Firmeninsolvenzen betroffen, österreichweit arbeiteten 7.951 Beschäftigte in Unternehmen, die im ersten Halbjahr 2026 von einer Insolvenzeröffnung betroffen waren – ein Anstieg um 5,09 Prozent. Die meisten Arbeitsplätze standen bei WOLLSDORF LEDER SCHMIDT & Co. GmbH (361 Beschäftigte) und EITEK GmbH (319 Beschäftigte) auf dem Spiel.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der AKV rund 4.000 eröffnete Firmeninsolvenzen; einschließlich der Abweisungen könnte die Zahl aber auf über 7.300 Fälle steigen und damit über dem Vorjahreswert liegen. Im Jahr 2024 hatten die Rekord-Passiva aus Firmeninsolvenzen – im Zusammenhang mit Zusammenbrüchen wie der Signa-Gruppe – bis zu 22,3 Milliarden Euro erreicht.
Die Zahl der eröffneten Firmeninsolvenzen hierzulande ist nach drei Jahren erstmals wieder leicht zurückgegangen, wie der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) mitteilte. Im Wochendurchschnitt meldeten im ersten Halbjahr 2026 rund 77 Unternehmen in Österreich Insolvenz an.
Fragen & Antworten
Wer ist die Laura Privatstiftung und warum ist sie die größte Insolvenz des ersten Halbjahres 2026?
Die Laura Privatstiftung wurde von René Benko, dem Gründer der Signa-Gruppe, mitgegründet und meldete im ersten Halbjahr 2026 mit 1,7 Milliarden Euro Passiva die größte Insolvenz an. Bisher wurden davon erst rund 32 Millionen Euro anerkannt.
Welche Branchen sind in Österreich besonders häufig von Insolvenzen betroffen?
Nach Anzahl der Verfahren führt das Baugewerbe mit 471 Insolvenzen, gefolgt vom Handel mit 460 und der Gastronomie mit 368 Fällen. Bei den Passiva liegen Finanzdienstleistungen mit 1,92 Milliarden Euro an der Spitze, vor dem Grundstücks- und Wohnungswesen mit 837,7 Millionen Euro.
Wie viele Privatinsolvenzen werden in Österreich für 2026 erwartet?
Der AKV rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit mehr als 9.000 privaten Insolvenzen, womit das Vor-Corona-Niveau von 2019 erreicht würde. Im ersten Halbjahr lag die durchschnittliche Verschuldung dabei bei 176.000 Euro pro Person.
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