München, 11 Juni 2026

Acht deutsche Rüstungsunternehmen haben am Rande der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Berlin das Konsortium "Team Gen 6" vorgestellt, das nach dem Ende des deutsch-französischen Kampfjet-Projekts FCAS einen neuen Kampfflieger entwickeln will.

Hintergrund: Das Aus für FCAS

Die Rüstungssparte von Airbus, MTU, HENSOLDT, MBDA, Autoflug, Diehl Defence, Liebherr sowie Rohde & Schwarz veröffentlichten dazu auf der ILA in Berlin ein gemeinsames Strategiepapier. Darin heißt es: "Wir dürfen keine Zeit verlieren, müssen von deutscher Seite Verantwortung übernehmen sowie Handlungsfähigkeit zeigen und den Weg zu einem luftgestützten vernetzten Waffensystem mit einem starken Führungsanspruch konsequent weiter beschreiten." Airbus und sieben weitere Unternehmen stellen alternatives Kampfjet-Projekt offiziell vor.

Hintergrund ist das Aus für das deutsch-französische Großprojekt FCAS ("Future Combat Air System"). Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der französische Präsident Macron hatten das Ende des milliardenschweren Vorhabens verkündet, nachdem sich die Industriepartner Dassault und Airbus in den Verhandlungen nicht auf eine gemeinsame Linie verständigen konnten. "Die Unternehmen Dassault und Airbus konnten sich in den Verhandlungen aber nicht auf eine gemeinsame Linie verständigen."

Der gemeinsame Kampfjet sollte ursprünglich in Deutschland den Eurofighter und in Frankreich die Rafale-Jets ablösen. Deutschland und Frankreich hatten das Projekt 2017 vereinbart. Nun soll die Industrialisierung des FCAS-Kampfjets nach den anhaltenden Differenzen zwischen Paris und Berlin beendet werden.

Was die Combat Cloud leisten soll

Am Mittwoch hatte Merz auf der ILA betont, dass ein Teil von FCAS weitergeführt werde, und zwar die sogenannte "Combat Cloud", über die unterschiedlichste Waffensysteme vernetzt werden sollen. Die Entwicklung eines Kampfjets wurde jedoch nach anhaltenden Differenzen beendet.

Mit "Team Gen 6" positionieren sich die acht deutschen Unternehmen als mögliche Alternative für die künftige Kampfflugzeug-Beschaffung der Bundeswehr. Eng verzahnt mit den deutschen Partnern formiert sich auch die spanische Industrie mit den Unternehmen Indra, Airbus Defence and Space, Grupo Oesia, GMV, ITP und Sener.

Saab und Spanien als mögliche Partner

Als wahrscheinlichste Möglichkeit gilt, dass Airbus und seine sieben Kooperationspartner zusammen mit der spanischen Allianz eine Zusammenarbeit mit dem schwedischen Hersteller Saab anstreben. Eine Kooperation mit dem schwedischen Kampfjet-Hersteller Saab sowie mit einer neu formierten spanischen Allianz gilt als wahrscheinlich. Saab stellt mit dem Gripen ein einsatzbereites Kampfflugzeug her.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius äußerte sich grundsätzlich offen für die Initiative. Zugleich erwägt er nach eigenen Angaben aber auch einen Kauf zusätzlicher Kampfjets aus den USA, um mögliche Fähigkeitslücken kurzfristig zu schließen.

Reaktionen an den Finanzmärkten

Wie es mit "Team Gen 6" konkret weitergeht, ließ das Strategiepapier zunächst offen. Konkrete nächste Schritte des Projekts wurden offiziell noch nicht bekannt gegeben. Die deutsche Rüstungsbranche versucht mit dem Vorstoß, den Weg für ein europäisches Kampfflugzeug der nächsten Generation aus eigener Initiative zu ebnen.

An der Börse reagierten die Papiere der beteiligten Unternehmen am Donnerstag verhalten positiv: Die Airbus-Aktie notierte im XETRA-Handel zeitweise 0,43 Prozent höher bei 175,50 Euro, die HENSOLDT-Aktie stieg um 0,95 Prozent auf 78,64 Euro, während die MTU-Aktie 0,40 Prozent auf 301,50 Euro gewann.