In Äthiopien haben am Montag, dem 1. Juni 2026, Parlamentswahlen stattgefunden, bei denen Premierminister Abiy Ahmed eine dritte Amtszeit anstrebt.

Mehr als 50 Millionen Menschen waren nach Angaben der Nationalen Wahlbehörde (NEBE) registriert, um über die 502 Sitze im Parlament abzustimmen. Insgesamt bewarben sich über 10.400 Kandidatinnen und Kandidaten von verschiedenen Parteien sowie unabhängige Bewerber auf Bundes- und Regionalebene. 47 Parteien waren für die Wahl zugelassen.

Die Wahl fand jedoch unter schwierigen politischen Vorzeichen statt. In der nördlichen Region Tigray, wo zwischen 2020 und 2022 mehr als 600.000 Menschen in einem bewaffneten Konflikt starben, wurde nicht gewählt. Die äthiopische Regierung begründete dies mit Sicherheitsrisiken für Wähler und Wahlhelfer.

Opposition geschwächt, Tigray ohne Wahl

Zudem zog sich die größte Oppositionskoalition des Landes von der Wahl zurück, nachdem Gerichte die Kandidatenlisten mehrerer Parteien annulliert hatten. Kebour Ghenna, Direktor der Organisation Initiative Africa und ehemaliger Oppositionskandidat, sagte: „Die äthiopischen Wahlen sind weniger ein echter demokratischer Wettbewerb als vielmehr ein Mechanismus zur Aufrechterhaltung staatlicher Legitimität – in einem Umfeld geschwächter Opposition, regionaler Instabilität und wachsender geopolitischer Konkurrenz am Horn von Afrika.“