43-jährige Pflegerin nach Diebstahlserie in Österreich festgenommen – Ermittler prüfen weitere Opfer in Deutschland und Schweiz
Eisenerz/Graz, 09. Juli 2026
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Kurzfassung
Eine 43-jährige Rumänin soll seit 2019 als 24-Stunden-Pflegerin in Österreich, Deutschland und der Schweiz Senioren bestohlen haben. Nach einem Vorfall im Mai 2026 in Eisenerz wurde sie in Ungarn festgenommen und sitzt nun in der Justizanstalt Linz in Haft. Der bekannte Schaden beläuft sich auf rund 70.000 Euro, die Ermittler rechnen mit einer deutlich höheren Dunkelziffer.
Eisenerz/Graz, 09. Juli 2026
Die Landespolizeidirektion Steiermark hat am Donnerstag die Festnahme einer 43-jährigen rumänischen 24-Stunden-Pflegerin bekanntgegeben, die seit 2019 in Österreich, Deutschland und der Schweiz pflegebedürftige Senioren bestohlen haben soll.
Festnahme in Ungarn und Überstellung nach Österreich
Wie die Landespolizeidirektion Steiermark am Donnerstag mitteilte, wurde die Frau nun bei einer Reise in Ungarn festgenommen. Nach ihrer Auslieferung nach Österreich verweigerte die Tatverdächtige bislang die Aussage zu den Vorwürfen. Über Anordnung der Staatsanwaltschaft Steyr wurde sie in die Justizanstalt Linz eingeliefert und befindet sich nun in Haft.
Ermittlungen des Landeskriminalamtes Steiermark ergaben, dass die Frau zumindest seit 2019 als Pflegerin bei verschiedenen Familien in Österreich tätig gewesen sein dürfte. Bislang werden ihr in Österreich mindestens acht derartige Diebstähle zur Last gelegt. Die ausgezeichnet Deutsch sprechende Frau dürfte zwischen Mitte 2022 und ihrer Rückkehr nach Eisenerz auch in Deutschland und der Schweiz Bargeld, Schmuck und andere Wertgegenstände von ihren Klienten gestohlen haben.
Auslöser: Vorfall in Eisenerz im Mai 2026
Den Stein ins Rollen brachte ein Vorfall vom Mai 2026 in Eisenerz im obersteirischen Bezirk Leoben. Zuletzt soll sie im Mai in Eisenerz im obersteirischen Bezirk Leoben zugeschlagen haben. Die Verdächtige war dort als Pflegerin für einen 75-Jährigen engagiert, jedoch über eine Vermittlungsagentur als 24-Stunden-Pflegerin für einen pflegebedürftigen 75-Jährigen eingesetzt worden.
Entgegen der vereinbarten Betreuungsdauer von 28 Tagen verließ sie in der Nacht auf den 17. Mai plötzlich die Wohnung. hielt sich aber nicht an die 28 Tage Betreuungsdauer. Nach nur vier Tagen verschwand sie einfach samt mehrerer hundert Euro Bargeld und Goldschmuck. Wie sich herausstellte, hatte sie zuvor mehrere hundert Euro Bargeld sowie Goldschmuck gestohlen.
Brutale Vorgehensweise gegen Pflegebedürftige
Auf der Flucht soll die Frau besonders rabiat vorgegangen sein. Um nach einem nächtlichen Diebstahl ungestört fliehen zu können, soll sie die Stromversorgung des Notrufsystems eines bettlägerigen Pflegebedürftigen durchtrennt haben. Außerdem löschte sie unbemerkt am Mobiltelefon des Pensionisten ein von ihr gespeichertes Foto und entfernte damit eine mögliche Spur. Zudem löschte sie unbemerkt ein gespeichertes Foto von sich auf dem Mobiltelefon des Pensionisten.
Die Rumänin agierte nach Erkenntnissen der Ermittler über Jahre mit einer falschen Identität. Gegenüber mehreren Vermittlungsagenturen soll sie dabei die Identität einer annähernd gleichaltrigen, bereits verstorbenen Rumänin verwendet haben. Auf diese Weise konnte sie offenbar in zahlreichen Familien platzieren lassen, ohne dass die Personalien der Familien vollständig überprüfbar gewesen wären.
Falsche Identität und europäischer Haftbefehl
Nach einem Diebstahl in Eisenerz im Bezirk Leoben wurde die steirische Polizei auf eine 43-jährige Tatverdächtige aufmerksam. Das Landeskriminalamt Steiermark erwirkte daraufhin einen europäischen Haftbefehl. Ungarn vollstreckte den Haftbefehl im Zuge einer Reise der Frau und lieferte sie nach Österreich aus. Sie wurde wegen des Verdachts des schweren gewerbsmäßigen Diebstahls angezeigt.
Die Ermittler gehen von einer höheren Dunkelziffer aus. Wiederholt gestohlen wurden Bargeld, Schmuck und andere Wertgegenstände aus den Wohnungen der betreuten Personen. Der Schaden der bislang bekannten Straftaten beläuft sich auf rund 70.000 Euro. Wie sich herausstellte, hatte sie zuvor mehrere hundert Euro Bargeld sowie Goldschmuck gestohlen – die einzelnen Summen pro Fall summieren sich über die bekannten Fälle auf diesen Betrag.
Schaden von rund 70.000 Euro und hohe Dunkelziffer
Die Ermittlungen dauern an. Die Polizei prüft, ob weitere, bislang unbekannte Opfer betroffen sind. Die zuständige Staatsanwaltschaft Steyr koordiniert die weiteren Schritte, während die Verdächtige in der Justizanstalt Linz auf das weitere Verfahren wartet.
In der Branche der 24-Stunden-Pflege, die in Österreich stark auf Vermittlungsagenturen und Pflegekräfte aus Mittel- und Osteuropa setzt, wirft der Fall Fragen auf. Die Polizei betont, dass die Verschleierung der Identität durch die Verdächtige ein erschwerender Umstand ist. Zugleich rufen die Ermittler mögliche weitere Geschädigte dazu auf, sich bei der Polizei zu melden, da nicht alle Taten bemerkt oder angezeigt worden sein dürften.
Für die betroffenen Familien bedeutet der mutmaßliche Vertrauensbruch nicht nur einen finanziellen Schaden, sondern auch eine tiefe Erschütterung. Pflegebedürftige Menschen in ihren eigenen vier Wänden wurden in einer besonders geschützten Situation ausgenutzt. Das Landeskriminalamt Steiermark hat in seiner Mitteilung ausdrücklich auf die Wichtigkeit von Hinweisen aus der Bevölkerung hingewiesen, um das Ausmaß der Serie aufzuklären.
Länderübergreifende Ermittlungen laufen
Die Staatsanwaltschaft Steyr hat über die Verhängung der Untersuchungshaft entschieden. Die 43-Jährige befindet sich seit der Überstellung in der Justizanstalt Linz und wird dort nach Angaben der Behörden keine Aussage zu den Vorwürfen machen. Eine Verteidigerin oder ein Verteidiger war nach dem Stand der bisher veröffentlichten Informationen nicht namentlich genannt.
Die Ermittler in Graz arbeiten bei der Auswertung der Spuren mit Behörden in Deutschland und der Schweiz zusammen. Hinweise auf identische Tatmuster in den drei Ländern legen nahe, dass die Verdächtige über die bislang bekannten Fälle hinaus aktiv war. Eine länderübergreifende Koordination soll sicherstellen, dass mögliche weitere Opfer identifiziert und die Taten vollständig zugeordnet werden können.
Die Festnahme in Ungarn markiert einen vorläufigen Höhepunkt der Ermittlungen, aber noch keinen Abschluss. Erst die laufenden Auswertungen der Asservate und die Befragungen möglicher weiterer Geschädigter werden zeigen, wie viele Fälle tatsächlich auf das Konto der 43-Jährigen gehen. Die Steiermärkische Polizei kündigte für die kommenden Wochen weitere Informationen an.
Fragen & Antworten
Wer ist die festgenommene Pflegerin und wo wurde sie verhaftet?
Bei der Festgenommenen handelt es sich um eine 43-jährige rumänische Staatsbürgerin, die während einer Reise in Ungarn auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls festgenommen und nach Österreich ausgeliefert wurde.
Warum geriet die Frau in Eisenerz ins Visier der Ermittler?
Sie war dort als 24-Stunden-Pflegerin für einen 75-jährigen Mann eingesetzt worden, verschwand nach nur vier Tagen und ließ mehrere hundert Euro Bargeld sowie Goldschmuck aus der Wohnung des Pensionisten mit.
Wie hoch ist der bisher bekannte Schaden und rechnen die Ermittler mit weiteren Opfern?
Der bekannte Schaden beläuft sich auf rund 70.000 Euro. Die Ermittler des Landeskriminalamts Steiermark gehen zugleich von einer höheren Dunkelziffer aus, da nicht alle Diebstähle bemerkt oder angezeigt worden seien.
Pflegerin bestahl Senioren: Festnahme in Ungarn | finanz360