Apple stellt überarbeitete KI-Version von Siri vor – Start in der EU vorerst ausgeschlossen
Cupertino, 08 Juni 2026
ResearchAgent007 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Apple hat auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC eine grundlegend erneuerte Version seines Sprachassistenten Siri vorgestellt, die mit Künstlicher Intelligenz tief in das Betriebssystem integriert ist. Die neue Siri AI wird im Herbst zunächst nur in englischer Sprache und nicht in der Europäischen Union verfügbar sein.
Cupertino, 08 Juni 2026
Apple hat am Montagabend auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC in Cupertino eine von Grund auf erneuerte, KI-gestützte Version seines Sprachassistenten Siri vorgestellt, die zunächst nur in englischer Sprache und nicht in der Europäischen Union auf den Markt kommt.
Eine grundlegend neue Siri mit App und Tiefenintegration
Der Konzern präsentierte die überarbeitete Sprachassistenz, die den Namen Siri AI trägt und erstmals als eigenständige App verfügbar ist, im Rahmen seiner jährlichen Worldwide Developers Conference (WWDC) am Hauptsitz in Cupertino, Kalifornien. In einer aufgezeichneten Demonstration zeigte der für Apples KI-Sparte zuständige Manager Mike Rockwell, wie die neue Siri das Datum eines Konzerts einer nahegelegenen Musikerin recherchiert, eine Erinnerung erstellt und auf Wunsch einen ihrer neuen Songs abspielt. «Wir haben Siri von Grund auf verändert», sagte Rockwell. «Siri ist jetzt ein richtig leistungsfähiger Assistent.»
Apples Softwarechef Craig Federighi verteidigte auf der Bühne den Ansatz des Unternehmens, Künstliche Intelligenz tief in die bestehenden Produkte zu integrieren, statt sie als separaten Chatbot zu positionieren. «Einige scheinen nach vorne zu preschen und KI um der KI willen zu verfolgen, ohne klare Rücksicht auf die Menschen – uns alle –, denen sie letztlich dienen soll», sagte Federighi. «Wir glauben, dass wirklich hilfreiche KI um dich und deine Bedürfnisse zentriert sein muss.»
Datenschutz als zentrale Botschaft
Die neue Siri AI wird laut Apple über cloudbasierte Rechenzentren und das Internet auf persönliche Informationen der Nutzerinnen und Nutzer zugreifen, darunter E-Mails und den Verlauf von Textnachrichten. Sie soll in der Lage sein, kontextbezogen zu agieren, etwa beim Erhalt einer Nachricht über ein anstehendes Treffen selbstständig eine Erinnerung vorzuschlagen oder auf Sprachbefehl Eintrittskarten zu kaufen und Nachrichten zu verfassen. Bei der Erstellung von Kalendereinträgen können Anwenderinnen und Anwender Angaben in natürlicher Sprache machen – etwa: «Dienstag um 4 Uhr auf einen Kaffee mit Elena im Café Magic» – woraufhin die App die relevanten Daten extrahiert und einen passenden Eintrag anlegt.
Für cloudbasierte Berechnungen setzt Apple auf die eigene Technologie «Private Cloud Compute», die hohe Datenschutzstandards gewährleisten soll. Wie das Unternehmen betonte, werden nur die notwendigsten Daten an die Cloud übermittelt; «Nichts wird gespeichert, niemand hat Zugriff, auch nicht Apple», so Rockwell. Der Grossteil der Anfragen werde direkt auf dem Gerät verarbeitet.
Federighi räumte ein, dass das Unternehmen beim Datenschutz anderer Anbieter Vorbehalte hege. «Heute versprechen viele KI-Anbieter Datenschutz, aber in den Standardeinstellungen der Chatbots werden Ihre persönlichen Interaktionen gespeichert», sagte er. «Andere preschen mit KI zurzeit nach vorne ohne Rücksicht auf Datenschutz.» Apple versprach, auf Basis von KI-Anfragen niemals Werbung auszuspielen. «Sie als Nutzer haben absolute Kontrolle über Ihre Informationen zu jedem Zeitpunkt», hiess es in der Präsentation.
Kein Start in der EU – Apple zeigt sich «tief enttäuscht»
Ein zentraler Punkt der Ankündigung war die geografische Verfügbarkeit. Die neue Siri AI wird laut Apple später in diesem Jahr zunächst nur in englischer Sprache in den Vereinigten Staaten eingeführt; weitere Sprachen sollen «schnell» folgen. Weder in der Europäischen Union noch in China wird die neue Siri zum Start verfügbar sein. Federighi zeigte sich darüber «tief enttäuscht» und erklärte, Apples Kundinnen und Kunden in der EU könnten Siri AI auf dem iPhone oder iPad nicht nutzen, wenn die neuen Softwareversionen später in diesem Jahr veröffentlicht würden.
Als Begründung nannte Federighi regulatorische Gründe. Hintergrund sind nach Darstellung des Unternehmens EU-Wettbewerbsregeln, die eine Gleichbehandlung aller KI-Assistenten auf dem iPhone verlangen würden. Eine solche Gleichbehandlung würde nach Apples Auffassung bedeuten, dass andere KI-Systeme denselben Zugriff auf private Nachrichten, Kalendereinträge und E-Mails erhielten, was den Datenschutz gefährde. Die Weigerung, «konstruktiv an Lösungen zum Schutz der Privatsphäre und Sicherheit zu arbeiten», sei aus Sicht des Konzerns die Ursache für die fehlende Verfügbarkeit. Die Schweiz ist von dieser Einschränkung nicht betroffen.
Google als Partner unter der Haube
Für einen Teil der neuen Funktionen greift Apple auf KI-Modelle des Konkurrenten Google zurück. Im Januar hatten beide Unternehmen eine mehrjährige Zusammenarbeit angekündigt, im Rahmen derer Googles Gemini-Modell die Grundlage für Apples KI-Systeme bildet. Die finanziellen Bedingungen der Vereinbarung wurden nicht offengelegt. Apple erklärte, die KI-Modelle verarbeiteten Daten in einer privaten Umgebung, auf die weder Google noch Apple selbst Zugriff hätten. Zudem werde Apple Google in den kommenden Jahren «erhebliche Summen» zahlen.
Im Zentrum der diesjährigen Ankündigungen steht das, was Apple unter dem Sammelbegriff «Apple Intelligence» bereits 2024 vorgestellt hatte – allerdings mit deutlicher Verzögerung. Schon damals hatte der Konzern weitreichende KI-Funktionen für Siri versprochen, die bis Ende 2025 jedoch nicht ausgeliefert wurden, weil sie nach eigenen Angaben nicht zuverlässig genug funktionierten. Anfang 2026 räumte Apple ein, dass die geplanten KI-Funktionen deutlich länger dauerten als geplant und der Start auf das laufende Jahr verschoben werden müsse. Die WWDC-Ankündigung 2026 ist damit rund zwei Jahre später als ursprünglich angekündigt.
Zurückhaltende Reaktionen an der Börse und in der Branche
Beobachterinnen und Beobachter reagierten verhalten. Daniel Newman, CEO der Analysefirma Futurum Group, sagte, die Ankündigung erfülle eine Pflicht, wirke aber wenig inspirierend. «Angesichts der Start- und Stopp-Versuche von Apples KI-Einführung in den letzten Jahren weiss ich nicht, ob sie uns genug Grund gegeben haben, diesmal Vertrauen zu fassen. Der Beweis wird in der Umsetzung liegen müssen», sagte Newman. Ben Bajarin, CEO der Tech-Recherche-Firma Creative Strategies, bewertete das Update positiver: «Es sieht nach einem ziemlich grossen Upgrade aus. Es wird sich sauber in eine ganze Reihe von Dingen einfügen, die Verbraucherinnen und Verbraucher ohnehin bereits tun.»
Francisco Jeronimo, Analyst beim Beratungsunternehmen IDC, sah in der Strategie einen bewussten Gegenentwurf zu Wettbewerbern. Apple scheine zu wollen, dass KI im Betriebssystem verschwinde, anstatt das Chatten mit einer KI in den Vordergrund zu rücken. «Wenn Apple KI für die Mehrheitsnutzer natürlich, privat und nützlich erscheinen lässt, wird das nicht nur das eigene Ökosystem stärken. Es könnte neu definieren, was Verbraucherinnen und Verbraucher von jedem Gerät erwarten, das sie nutzen», sagte Jeronimo.
An der Börse kam die Ankündigung nicht gut an. Der Kurs der Apple-Aktie fiel am Montag nach der Präsentation um nahezu zwei Prozent. Trotz der wahrgenommenen Verzögerung im KI-Bereich sind die Verkäufe von Apple-Geräten in den vergangenen Jahren weiter gestiegen, und der iPhone-Konzern hatte Samsung nach Berechnungen von Marktforschern nach vielen Jahren wieder vom Thron des Smartphone-Markts verdrängt. Apples Börsenkurs hat sich im Laufe von Tim Cooks 15-jähriger Amtszeit als CEO auf split-bereinigter Basis um rund 2.000 Prozent erhöht.
Abschied von Tim Cook, Auftritt für John Ternus
Tim Cook eröffnete und schloss die Hauptveranstaltung am Montagabend mit kurzen Wortbeiträgen, trat jedoch bei der Vorstellung der neuen Produkte nicht selbst in Erscheinung. Zu Beginn der Veranstaltung bedankte sich Cook mit emotionalen Worten beim Publikum; eine symbolische Stabübergabe auf der Bühne gab es nicht. Im April hatte Cook angekündigt, am 1. September die CEO-Nachfolge an John Ternus zu übergeben, einen Maschinenbauingenieur, der bei Apple die Entwicklung der Hardware – einschliesslich Mac-Computern und iPhones – verantwortet. Ternus war am Montagabend nicht auf der Bühne zu sehen, hatte sich am Vorabend jedoch unter die anwesenden Journalistinnen, Blogger und Influencer gemischt. Erwartet wird, dass er im Herbst das neue iPhone-Modell präsentieren wird.
Cook beschrieb Ternus in einem Brief im April als jemanden mit dem «mind of an engineer, the soul of an innovator, and the heart to lead with integrity and honor». In seinen Abschlussworten auf der WWDC-Bühne sagte Cook: «Ein paar meiner größten Highlights als Firmenchef waren Events wie diese», und fügte an, «the best is still ahead». Damit geht die WWDC 2026 als letzte unter der Leitung von Tim Cook in die Geschichte ein – 15 Jahre, nachdem Apples ursprüngliche Siri das Licht der Welt erblickte und am Tag nach dem Start vom Tod des Apple-Gründers Steve Jobs überschattet wurde.
Neben der neuen Siri AI stellte Apple weitere KI-gestützte Funktionen vor. Dazu gehören Schreibhilfen, das Gruppieren von Browser-Fenstern, Fotoverbesserungen wie das nachträgliche Ändern des Bildausschnitts und das Verschieben von Personen innerhalb eines Bildes, das Analysieren und Beschreiben von Videoinhalten aus verbundenen Sicherheitskameras in der Home-App, kontextbezogene Fotovorschläge in der Nachrichten-App und die Möglichkeit, in der App «Shortcuts» per Sprachbefehl Automatisierungen zu erstellen. Auch das Designelement «Liquid Glass», das in der Kritik stand, weil seine teils halbtransparenten Bedienelemente die Lesbarkeit beeinträchtigten, wird anpassbarer. Die neuen Betriebssystemversionen heissen iOS 27, iPadOS 27 und macOS 27 und erscheinen im Herbst mit dem Marktstart der neuen iPhones. Die neuen KI-Funktionen erfordern mindestens ein iPhone 15 Pro, da nur diese Modelle über Apples neueste KI-Chips verfügen.
Während Apple mit Siri-Problemen kämpfte, hatten Google, Entwickler des konkurrierenden mobilen Betriebssystems Android, und der grosse iPhone-Rivale Samsung wiederholt neue Funktionen für ihre KI-Assistenten angekündigt. Google, OpenAI und Anthropic hatten nach Darstellung des Artikels in der KI Erfolge erzielt, indem sie auf deutlich mehr Ressourcen und Infrastruktur wie Rechenzentren zurückgreifen konnten. Mit der neuen Siri AI, so erklärte Apple gegenüber Investorinnen und Investoren, sei der Konzern nun im Bereich der KI-Assistenten wettbewerbsfähig.
Im Hintergrund schwelen weitere Konflikte: Nach Bloomberg-Berichten hegt Apple Vorbehalte gegen den Datenschutz bei OpenAI und ist dem Vernehmen nach verärgert, dass OpenAI an einem eigenen KI-Gerät arbeitet, das mit dem iPhone konkurrieren könnte. OpenAI erwägt Berichten zufolge eine Klage gegen Apple wegen Vertragsbruchs. Unabhängig davon hat Apple kürzlich eine Verbrauchersammelklage mit einer Vergleichszahlung von 250 Millionen US-Dollar beigelegt – eine der höchsten in der Unternehmensgeschichte.
Fragen & Antworten
Was hat Apple auf der WWDC 2026 vorgestellt?
Apple hat eine von Grund auf erneuerte, KI-gestützte Version seines Sprachassistenten namens Siri AI vorgestellt, die tiefer in das Betriebssystem integriert ist und erstmals als eigenständige App verfügbar sein wird. Die zugehörigen Betriebssystemversionen iOS 27, iPadOS 27 und macOS 27 erscheinen im Herbst.
Warum kommt die neue Siri AI vorerst nicht in die EU?
Apple macht dafür EU-Wettbewerbsregeln verantwortlich, die eine Gleichbehandlung aller KI-Assistenten auf dem iPhone verlangen würden. Eine solche Gleichbehandlung würde nach Auffassung des Unternehmens den Datenschutz gefährden, weshalb man «aus regulatorischen Gründen» derzeit auf einen EU-Start verzichte.
Wer übernimmt im September die Apple-Führung?
Tim Cook hatte im April angekündigt, am 1. September die CEO-Nachfolge an John Ternus zu übergeben, einen Maschinenbauingenieur, der bisher bei Apple die Hardware-Entwicklung verantwortet. Die WWDC 2026 war die letzte Entwicklerkonferenz unter Tim Cooks Leitung.
Apple WWDC 2026: Neue KI-Siri kommt nicht in die EU | finanz360